Gezieltes Umherirren: Nanne Meyer in Karlsruhe  |  | in der Ausstellung „Nanne Meyer. Gezieltes Umherirren“ | |
Mit der Ausstellung „Gezieltes Umherirren“ gibt die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe in ihrer Orangerie mit mehreren hundert Arbeiten einen umfassenden Einblick in das Werk der Berliner Künstlerin Nanne Meyer. Die Schau versteht sich nicht als chronologische Übersicht, sondern als offener Erfahrungsraum, in dem sich Assoziationen, Verbindungen und neue Perspektiven entfalten. Im Mittelpunkt stehen Meyers Zeichnungen, die aus alltäglichen Beobachtungen, vorgefundenen Materialien und sprachlichen Bezügen entstehen und Fragen nach Wahrnehmung, Orientierung sowie den Prozessen des Werdens und Vergehens aufwerfen.
Die Arbeiten von Nanne Meyer folgen keiner linearen Erzählung. Vielmehr entstehen aus Linien, Flecken und Formen immer neue Assoziationen und Bildzusammenhänge, die den Blick der Betrachterinnen und Betrachter auf unerwartete Weise lenken. Diese Offenheit prägt das Werk der 1953 in Hamburg geborenen Künstlerin, die seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Positionen der zeitgenössischen Zeichnung in Deutschland zählt. Schrift und Sprache spielen dabei eine zentrale Rolle. Seit den späten 1970er Jahren arbeitet Meyer nahezu ausschließlich auf Papier und versteht das Zeichnen als einen Prozess des Denkens und Wahrnehmens. Häufig greift sie auf vorgefundenes Material wie Landkarten, Fehldrucke oder gealterte Papiere zurück und verwandelt vermeintlich Nebensächliches in den Ausgangspunkt neuer Bildwelten. In zeichnerischer Präzision verbindet sie persönliche Beobachtungen mit grundlegenden Fragen nach Orientierung, Erinnerung und den Prozessen des Werdens und Vergehens.
Für die Ausstellung hat Nanne Meyer neue Arbeiten entwickelt, die sich mit dem historischen Ausstellungsort der Orangerie und dem Motiv der Orange auseinandersetzen. Dabei verwandeln sich Früchte in Werken wie „Orangerie“ oder „Nebensonnen“ von 2024 in Planeten, Sonnen oder imaginäre Landschaften und eröffnen poetische Bildwelten zwischen Naturbeobachtung und Fantasie. Einen traditionellen Blick auf die Thematik übt die Künstlerin in „Nature Morte“ von 2025 aus, die das Motiv der vertrocknenden Orange in einer modernen Vanitas-Darstellung behandelt. Die Ausstellung lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich ohne vorgegebenen Weg durch die Räume zu bewegen und eigene Zusammenhänge zu entdecken. Begleitend dazu bietet ein Zeichenlabor in der Jungen Kunsthalle Möglichkeiten zum kreativen Experimentieren mit Stift und Papier.
Die Ausstellung „Nanne Meyer. Gezieltes Umherirren“ ist bis zum 16. August zu sehen. Die Orangerie der Kunsthalle Karlsruhe hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der umfangreiche Ausstellungskatalog ist für 49,80 Euro im Museumsshop erhältlich. Für die Ausstellung hat Nanne Meyer exklusiv sieben von Hand überarbeitete Drucke und zwei Fotografien in einer Auflage von jeweils drei Stück geschaffen, die gemeinsam mit dem Katalog erworben werden können. Ein Werk zusammen mit dem Katalog kostet 220 Euro.
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Hans-Thoma-Straße 6
D-76133 Karlsruhe
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