Mercedes-Benz-Sammlung für Berlin  |  | Ulrike Rosenbach, Art is a Criminal Action, 1972/96 | |
Die Neue Nationalgalerie geht eine Kooperation mit der Mercedes-Benz Art Collection ein. Demnach sollen insgesamt 30 Werke des Stuttgarter Autobauers als Dauerleihgabe in die Berliner Museumssammlung integriert werden, die bisher in der Nationalgalerie fehlten. Dazu gehören zentrale künstlerische Positionen des 20. Jahrhunderts, etwa Skulpturen und Gemälde von Max Ackermann, Hans Arp, Jo Baer, Enrico Castellani, Charlotte Moorman, Julio Le Parc, Charlotte Posenenske oder Jesús Rafael Soto. Sie sollen sukzessive in Sammlungspräsentationen und Sonderausstellungen der Neuen Nationalgalerie und perspektivisch im Museumsneubau „berlin modern“ am Kulturforum präsentiert werden.
In einem ersten Schritt werden ab dem 10. Juni fünf Werke aus den Nachkriegsjahrzehnten in die aktuelle Sammlungsschau „Zerreißprobe. Kunst zwischen Politik und Gesellschaft“ eingefügt. Sowohl Camille Graesers „Harmonikale Konstruktion“ von 1947/51 als auch Max Bills „Rote Quadrate“ von 1946 stehen für die Zürcher Schule der Konkreten. Beide Künstler haben die Bildfläche ihrer Gemälde nach vorher festgelegten mathematischen Prinzipien streng gerastert. Adolf Fleischmanns „Triptychon #505, #506, #507“ aus dem Jahr 1961 zeigt in Auseinandersetzung mit Mondrians Gestaltungsprinzipien und musikalischen Kompositionen ein rhythmisches Gefüge aus vertikalen Stäben, die sich zu einer farbigen Klangfülle verdichten. Mit der Österreicherin Helga Philipp und ihrem „Kinetischen Objekt“ von 1971, das aus miteinander verbundenen, hintereinander gestaffelten Plexiglasscheiben besteht, die von einer Metallplatte gespiegelt werden und so optische Reize produzieren, zieht eine weitere weibliche Stimme in die Nationalgalerie ein, ebenso mit Ulrike Rosenbach und ihrer großformatigen Schwarzweißfotografie „Art is a Criminal Action“ von 1972/96. Hinter der feministischen Position steht der Aspekt des kämpferischen Angriffs und der demonstrativen Demontage tradierter Bilder und Rollenklischees, indem sich Rosenbach in Andy Warhols Siebdruck „Double Elvis“ anstelle des berühmtem Schlagerstars und Schauspielers selbst setzt.
Die 1977 begründete Mercedes-Benz Art Collection zählt heute zu den bedeutenden europäischen Unternehmenssammlungen mit musealer Qualität. Zur Sammlung gehören rund 3.000 Werke von über 800 Künstler*innen. Der Fokus liegt auf abstrakt-konstruktiven Bildkonzepten, kritisch-engagierter Kunst sowie Werken zu den Themen Automobilität, Design oder Konstruktion. |