Alan Saret gestorben  |  | Alan Saret | |
Bekannt war Alan Saret vor allem durch seine postminimalistischen Drahtskulpturen und Zeichnungen. Nun ist der 1944 in New York geborene Bildhauer, Zeichner und Installationskünstler im Alter von 81 Jahren in New York gestorben. Mit dem Tod von Alan Saret am 26. Mai habe die internationale Kunstwelt einen der eigenständigsten und schwer einzuordnenden Künstler seiner Generation verloren, schrieb seine New Yorker Galerie Karma in ihrem Nachruf. Er habe sich historischen Kategorien entzogen und eine von ihm als „beseelte Kunst“ bezeichnete Form, die sich aus Spiritualität, Mathematik, Natur und gebauter Umwelt nährt, verfolgt.
Geboren am 25. Dezember 1944 in New York, hat Alan Saret in den 1960er Jahren zunächst Architektur an der Cornell University bei dem von Utopie durchdrungenen Stadtplaner Paolo Soleri studiert. 1966 wechselte er dann ans New Yorker Hunter College zu dem Bildhauer und Theoretiker Robert Morris. Dieser war es auch, der Saret zur Auseinandersetzung mit dem Minimalismus bewegte und stark beeinflusste. Dabei lösten sich bereits seine frühen Arbeiten von den strengen Vorgaben des Minimalismus. Statt starrer Geometrien schuf er fragile, scheinbar lebendige Gebilde und wollte seine Kunst nicht als fertiges Objekt, sondern als Prozess verstanden wissen.
In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren avancierte Alan Saret zu einer wichtigen Persönlichkeit in der alternativen Kunstszene der SoHo Post-Minimalisten in New York. Hier entwickelte er erstmals die für sein Schaffen charakteristischen Drahtskulpturen, die in seiner ersten Personale 1968 in der Bykert Gallery zu sehen waren. Die Kunstkritikerin Emily Wasserman beschrieb seine Arbeiten, für die Saret neben Draht auch Gummi, Zaundraht, elektrische und fragile Materialien einsetzte, als „seltsam zurückhaltende, wenn auch luftige, energetische und lyrische Netze, Cluster und Bauschungen“. Die Kritikerin empfand die Werke als zu luftig leicht, um sie als Skulpturen zu bezeichnen. In den frühen Jahren seiner Karriere arbeitete Saret parallel für kurze Zeit als Ingenieur bei der Hafenbehörde, wo er angeblich das Millimeterpapier für seine ersten „Gang Drawings“ mitnahm. Diese Zeichnungen schuf er mit mehreren Farbstiften gleichzeitig und agierte dabei gestisch auf dem Papier.
Die „Gang Drawings“ bildeten die Basis für Sarets fortlaufende Untersuchung seiner Skulpturen, die auch Materialien wie Stoff, Bänder oder Holz beinhalteten. 1969 gewann Saret das Guggenheim Stipendium und nahm an der legendären, von Harald Szeemann kuratierten Ausstellung „Live in Your Head: When Attitudes Become Form“ in der Kunsthalle Bern teil. 1971 zog Saret nach Indien, um sich laut Karma „spirituellen Studien“ zu widmen. 1974 kehrte er in die USA zurück und installierte etwa 1975 das große „Ghosthouse of Alael“ im Artpark Lewiston bei New York. Mit dem monumentalen bewegten weißen Tüllrock, der sich schwebend erhebt, gewann er das National Endowment for the Arts.
1980 zog sich Alan Saret nach Harrison in Arkansas zurück, wobei er weiterhin Ausstellungen in New Yorker Galerien und Institutionen bespielte, aber auch in Santa Barbara und Costa Mesa. Als die Hochphase des Kunstmarktes Ende der 1980er Jahre abflaute, ging er in seine Geburtsstadt zurück. Er nahm an Ausstellungen am Whitney Museum oder dem Museum of Contemporary Art in Los Angeles teil. 2021 nahm die Karma Gallery Alan Saret in ihr Programm auf. Ein Galeriemitarbeiter erklärte, dass der Künstler im Stillen an seinen Werken arbeitete und sein persönliches Œuvre mit geometrischen Zeichnungen, sprachbasierten Arbeiten, Musik sowie gegenständlichen Zeichnungen und Gemälden entwickelte. Seine Kunstwerke finden sich in Museumssammlungen wie dem MoMA, dem Detroit Institute of Art oder dem Walker Art Center in Minneapolis. |