Lucius Grisebach gestorben  |  | Lucius Grisebach war der Gründungsdirektor des Neuen Museums Nürnberg | |
Lucius Grisebach ist tot. Der Kunsthistoriker starb vergangene Woche im Alter von 83 Jahren in der Schweiz. Das gaben die Kunsthalle Nürnberg und das Neue Museum Nürnberg jetzt bekannt. „Mit Lucius Grisebach hat die Kunstwelt einen hervorragenden Kunsthistoriker und streitbaren Museumsmann verloren, dessen Credo in Gestalt eines ausgedruckten Zitats von John Ruskin auf einem Blatt im Direktionszimmer des Neuen Museums hing: ‚Patience in looking and precision in feeling‘“, würdigte das Neue Museum Nürnberg seinen ehemaligen, bis 2007 amtierenden Gründungsdirektor. „Wir trauern um einen großen Museumsmann, dem die Kunsthalle Nürnberg und das Neue Museum viel zu verdanken haben.“
Lucius Grisebach wurde 1942 in Marburg geboren. Sein Vater Lothar Grisebach war Physiker und Maler, sein Großvater Eberhard Grisebach Philosoph. Die Urgroßeltern lebten in Davos und pflegten eine enge Freundschaft mit dem Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner. Vor diesem Hintergrund entschied sich Lucius Grisebach für ein Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und Philosophie an der Universität Freiburg und der FU Berlin. Nach dem Studium arbeitete er als Kustos an der Neuen Nationalgalerie in Berlin, bis er 1988 an die Kunsthalle Nürnberg wechselte. Dort trat er die Nachfolge von Curt Heigl an und konzentrierte sich auf den Ausbau der Sammlung.
Als die bayrische Kulturpolitik in den 1990er Jahren den Weg für ein Museum der internationalen Gegenwartskunst in Nürnberg ebnete, gehörte Grisebach zu den zentralen Akteuren des Projekts. 1997 wurde er zum Gründungsdirektor des Neuen Museums berufen. Er war maßgeblich an dessen Planung beteiligt und vermittelte zwischen dem Architekten Volker Staab, der staatlichen Bauverwaltung und den künftigen Nutzer*innen des Hauses. Im Jahr 2000 wurde das Neue Museum Nürnberg feierlich eröffnet. Grisebach gelang es, eine herausragende Sammlung aufzubauen. Dazu gehörte unter anderem die enge Bindung der Sammlungen von René Block und Georg Böckmann an das Haus. Auch mit seinem Ausstellungsprogramm setzte er Maßstäbe. Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählten Präsentationen von Richard Artschwager im Jahr 2001, Tony Cragg im Jahr 2005 und Christiane Möbus im Jahr 2007. |