Biennale: Künstler*innen wollen keinen Besucher-Löwen  |  | Künstler*innen der Biennale lehnen die Vergabe des Publikumspreises ab | |
Die Kunstbiennale von Venedig kommt nicht zur Ruhe. Nun wehren sich 106 Künstler*innen gegen den von der Biennale ins Leben gerufenen Publikumspreis und wollen daran nicht teilnehmen. Dazu haben sie am Mittwoch ein Schreiben auf e-flux veröffentlicht und verlangen darin, dass ihre Namen von den Abstimmungsunterlagen gestrichen und bisherige an sie vergebene Stimmen für ungültig erklärt werden. Bei dem Schreiben handelt es sich um eine E-Mail, die bereits am 20. Mai an die Stiftung der Biennale und deren Präsidenten Pietrangelo Buttafuoco gesendet wurde. Da die Unterzeichner*innen nach eigenen Angaben weder eine Antwort noch eine Empfangsbestätigung erhielten, machten sie den Brief nun öffentlich. Zu den Künstler*innen gehören unter anderem die Choreografin Florentina Holzinger, die dieses Jahr den österreichischen Pavillon bespielt, ihre französische Kollegin Yto Barrada, Nilbar Güres vom türkischen Pavillon, die US-Performerin Laurie Anderson, der philippinische Künstler Pio Abad und der Libanese Walid Ra’ad.
Im Zentrum des Schreibens steht die Kritik an dem von den Besucher*innen verliehenen Preis, den die Biennale nach dem Rücktritt der Jury im April als Alternative zu den regulären Auszeichnungen eingeführt hatte. Sie wenden sich dabei nicht grundsätzlich gegen die Idee eines Publikumspreises. Vielmehr verstehen sie ihren Brief als Solidaritätsbekundung mit der zurückgetretenen Jury. „Unser Rückzug ist eine Absage an einen Prozess, in dem die Jury erheblichen persönlichen rechtlichen Haftungsrisiken ausgesetzt wurde, obgleich es in der Verantwortung von La Biennale lag, die Unabhängigkeit und Integrität der Beratungen der Jury zu gewährleisten“, heißt es in der Mail.
Bereits am 9. Mai hatten sich mehrere Künstler*innen an die Biennale-Leitung gewandt und darum gebeten, ihre Namen von den Stimmzetteln für den neu geschaffenen Publikumspreis zu streichen. Dennoch wurden am 14. Mai Abstimmungsunterlagen an Besuchende verschickt, auf denen auch jene Künstler aufgeführt waren, die ihren Rückzug bereits erklärt hatten. Gegenüber The Art Newspaper erklärte die Biennale, sie habe den Künstler*innen am 28. Mai geantwortet. In dem von der Stiftung veröffentlichen Schreiben heißt es, die betreffenden Künstler*innen würden weiterhin auf den Stimmzetteln erscheinen, um „allen Besuchern ihre Meinungsfreiheit zu gewährleisten“. Stimmen für Unterzeichner, die ihren Rückzug erklärt hätten, würden jedoch nicht gezählt.
Auslöser der aktuellen Auseinandersetzung ist der geschlossene Rücktritt der Jury im April. Die Jurymitglieder hatten beschlossen, keine Länderpavillons bei der Vergabe der Löwen zu berücksichtigen, gegen deren Staaten der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag ermittelt. Da die Biennale an ihrer Entscheidung festhielt, Russland und Israel an der 61. Ausgabe teilnehmen zu lassen, für die dies zutrifft, trat die Jury um die brasilianische Kunsthistorikerin Oliveira Farkas, zurück. Als Reaktion führte die Biennale den nun umstrittenen Publikumspreis ein. |