Christina Kubisch-Retrospektive in Aachen  |  | Christina Kubisch, Kupfergarten, 2024/26 | |
Das Ludwig Forum in Aachen widmet Christina Kubisch derzeit die große Überblicksausstellung „The Emergence of Sound“. Dafür hat Kuratorin Miriam Schmidt Arbeiten der Komponistin und Pionierin der Klangkunst aus fünf Jahrzehnten versammelt, darunter seltene gezeigte historische Werke aus der hauseigenen Sammlung sowie Leihgaben der Berliner Akademie der Künste, der Künstlerin selbst und noch nie öffentlich präsentiertes Archivmaterial. Ergänzend hat die 1948 in Bremen geborene Klangkünstlerin zwei neue ortsbezogene interaktive Werke entwickelt: Die Rauminstallation „Kupfergarten“ sowie den „97. Electrical Walk“. Letzterer ist der im Sommer eingeführte dritte Teil der Schau: Ein interaktiver von der Kubisch konzipierter Stadtspaziergang, bei dem Teilnehmende mit eigens entwickelten Induktionskopfhörern verborgene Geräusche im urbanen Raum erleben, die sich aus Signalen von Automaten oder Elektromotoren, Leuchtreklamen oder WLAN-Routern speisen. Neben der Würdigung der Pionierarbeit von Kubisch liegt ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung auf frühen Performances, elektromagnetischen Forschungen und ihrem partizipativen Arbeitsansatz.
Christina Kubisch arbeitet seit den 1970er Jahren an der Grenze von bildender Kunst und Musik. In ihrem Werk verbindet sie Komposition, Installation, Performance, Zeichnung, Video und elektronische Musik. Den Klang versteht sie als Phänomen, das sich in der Anordnung von Körper, Material, Signal und Bewegung immer neu bildet und im Zusammenspiel erfahrbar wird. Zugleich wird der Klang auch zur Handlung, da er in einem flexiblen sensorischen Prozess erfahrbar wird und die im Ludwig Forum ausgestellten Arbeiten verbindet. Der erste Teil der Schau beleuchtet die frühen Performances und intermedialen Arbeiten der Künstlerin in Verbindung zur Geschichte des Ludwig Forums. Kubisch, die bereits in den 1970er Jahren in Aachen ausstellte, befreite sich damals von den tradierten Musik- und Kunstbegriffen und reflektierte in ihrem Schaffen auch Geschlechterrollen. Sie kombinierte Instrumente, Alltagsgegenstände und Körper, um neue Möglichkeiten der Klangerzeugung zu entwickeln, und generierte durch die Kombination der Medien neue Wahrnehmungsmöglichkeiten.
Seit den 1980er Jahren erforscht Christina Kubisch elektrotechnische Möglichkeiten und entwickelt Klangräume, die das Publikum durch aktive Teilnahme in das Kunstwerk einbeziehen. Elektromagnetische Induktion ermöglicht es ihr, Phänomene erfassbar zu machen, die sonst außerhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle liegen. Mit ihren an der Wand installierten Kabeln und raumgreifenden Kabelinstallationen bis zu immateriellen Werken belebt Kubisch nicht nur den öffentlichen Raum, sondern auch Industriehallen, Wälder, Gärten, Keller oder Parkhäuser. Der zweite Teil der Schau wird in den Installationen erfahrbar, die die Künstlerin mit dem „Kupfergarten“ umsetzt. Der Fokus liegt auf unserer allgegenwärtigen elektrischen Infrastruktur: Die Materialien und der kritischen Blick auf Nutzung und Herstellung von Kabeln und des dafür notwendigen Kupfers.
Die Ausstellung „Christina Kubisch. The Emergence of Sound“ läuft bis zum 20. September. Das Ludwig Forum hat dienstags und mittwochs von 13 bis 17 Uhr, donnerstags von 10 bis 20 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro; für Kinder bis zum 6. Lebensjahr und für Jugendliche unter 21 Jahren, die in Aachen leben, ist er frei.
Ludwig Forum für Internationale Kunst
Jülicher Straße 97-109v
D-52070 Aachen
Telefon: +49 (0)241 – 18 07 104 |