August-Sander-Preis geht an Frieder Bickhardt  |  | Frieder Bickhardt, Sara, 2018 | |
Frieder Bickhardt wird für sein Projekt „City Plaza“ mit dem diesjährigen August-Sander-Preis geehrt. Mit diesem Langzeitprojekt, in dem Bickhardt die Bewohner*innen eines selbstorganisierten Geflüchtetenkollektivs in Athen portraitiert, konnte sich der 1987 geborene Fotograf erfolgreich gegen sieben Kollegen der Shortlist und insgesamt gegen mehr als 120 Einsendungen des In- und Auslands durchsetzen. Die fünfköpfige Jury war vom Konzept und der technisch formalen Ausarbeitung der Portraitbilder überzeugt. In ihrer Begründung heißt es: „Frieder Bickhardt hat in seinem Projekt mit photographisch gekonnten Mitteln eine der wichtigen Fragen der Gegenwart angesprochen und auf menschliche Grundfragen verwiesen.“
Frieder Bickhardt rückt in „City Plaza“ Bewohner eines ehemals leerstehenden Hotels in Athen in den Fokus. Geflüchtete und lokale Athener Aktivist*innen haben gemeinsam von 2016 bis 2019 mit mehreren internationalen Freiwilligen ein selbstorganisiertes Kollektiv gebildet. So lebten zeitweise bis zu 450 Personen in dem Gebäude. Der seit 2014 als freischaffender Fotograf tätige Frieder Bickhardt hat das Hotel in Athen über die Jahre hinweg insgesamt fünfmal besucht und mit seiner Großbildkamera in Schwarz-Weiß Personen vor einem weißen Hintergrund meistens einzeln in Halb- oder Brustportraits in strenger Frontalansicht abgelichtet. Einerseits rückt er mit seinen Bildern die Individualität und Persönlichkeit der einzeln Person in den Mittelpunkt – so blicken einige ernst in die Kamera und stehen gerade, andere neigen sich zur Seite und zeigen ein stilles Lächeln –, andererseits betont er gleichzeitig das Verbindende und Gemeinschaftliche der Gruppe, indem er denselben formalen Bildaufbau und identischen Hintergrund einhält.
Frieder Bickhardt, der in Leipzig lebt und arbeitet, hat an der Hochschule Hannover, der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und der Dänischen Hochschule für Medien und Journalismus in Aarhus studiert. Er ist Mitbegründer der fotografischen Initiative unofficial.pictures. Sie veranstaltet Workshops und Ausstellungen, gibt Bücher und Zeitungen heraus und legt den Fokus auf Inklusion und gesellschaftlicher Teilhabe.
Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln schreibt seit 2018 alle zwei Jahre den Wettbewerb zum August-Sander-Preis aus. Namensgeber ist der deutsche Fotograf August Sander, der vor allem für seine Bilderserie „Menschen des 20. Jahrhunderts“ international Bekanntheit erlangte und als Begründer der dokumentarisch sachlich-konzeptuellen Fotografie gilt. Nach dem Vorbild Sanders richtet sich die Auszeichnung an Fotograf*innen, in der Schaffen das menschliche Portrait im Mittelpunkt steht. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird vom dem Kölner Sammlerpaar Ulla und Kurt Bartenbach gestiftet. Bisher ging er an Francesco Neri, Rebecca Unz, Sora Park und Johanna Langenhoff. Bickhardts Serie „City Plaza“ wird im Frühjahr 2027 in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur ausgestellt. Hinzu kommen zwei weitere Segmente des Projekts: Eine dokumentarische Beschreibung des Ortes und der Räume und weitere Lichtbilder, die die Bewohner*innen selbst von ihren alltäglichen Erfahrungen gemacht haben. |