Klage gegen Auktionshaus und Besitzer von Klimts „Fräulein Lieser“  |  | Kein Glück mit „Fräulein Lieser“: Gustav Klimts Bildnis landet in einem Restitutionsstreit jetzt sogar vor Gericht | |
Gustav Klimts wiederentdecktes „Bildnis Fräulein Lieser“, das im April 2024 zum Star im Auktionshaus Kinsky werden sollte, hat sich als großer Flop entpuppt. Nun sehen sich der Wiener Versteigerer und der aktuelle österreichische Eigentümer gar mit einer Klage konfrontiert. Laut einem Bericht der New York Times fordert Patricia Leahy vor dem Obersten Gerichtshof des Staates New York die Rückgabe von Klimts prominentem Portrait aus dem Jahr 1917. Anders als alle anderen Erben weigerte sich Leahy im März 2025, bei der Verkaufsabwicklung des Bildnisses, das für 30 Millionen Euro der Hongkonger Kunstberaterin Patti Wong im Auftrag eines nicht genannten asiatischen Bieters zugeschlagen worden war, eine Schadloshaltungserklärung zu unterschreiben. Damit platzte der Deal aufgrund unklarer Besitzverhältnisse und möglicher Restitutionsansprüche.
Leahy ist die Urenkelin des Industriellen Adolf Lieser, der das später von den Nationalsozialisten geraubte Porträt seiner Tochter Margarethe bei Klimt in Auftrag gegeben haben soll. Derzeit ist die Frage noch offen, ob sie überhaupt erbberechtigt ist. Ihr Großvater war Hans Lieser, ein Sohn Adolf Liesers. Hans Lieser setzte laut einem Bericht der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ wiederum seinen Sohn und damit Leahys Vater testamentarisch auf den Pflichtteil. Dieser sei ihm dann zu Lebzeiten zugekommen, weshalb Patricia Leahy damit nur ein Pflichtteilsergänzungsanspruch in Form einer Geldzahlung zustände. Diesen müsste sie dann bei den Universalerben von Hans Lieser einklagen.
Als Hauptgrund für die aktuellen Schwierigkeiten führt Olga Kronsteiner im „Standard“ die mangelhafte Provenienzrecherche des Auktionshauses Kinsky an. Das zuvor nur aus einer Schwarz-Weiß-Abbildung bekannte Gemälde galt als verschollen, bevor es 2023 in einer österreichischen Privatsammlung auftauchte. 2024 erhielt Kinsky dann den Auftrag zur Versteigerung, wobei bei der Erforschung der Herkunftsgeschichte Lücken in der Zeit von 1925 bis in den Zweiten Weltkrieg auftraten. Die Erbengemeinschaft, mit der das Kinsky und der Verkäufer einen privaten Restitutionsvergleich abschlossen hatten, waren aber nur ein Teil der Nachfahren der mutmaßlichen einstigen Vorbesitzer des unvollendeten Portraits, obwohl das Kinsky vor der Auktion stets behauptet hatte, der geschlossene Vergleich decke alle Ansprüche von möglichen Erbinnen und Erben ab. So meldete sich einen Tag vor der Versteigerung im April 2024 ein Erbe des Familienzweigs nach Adolf Lieser aus München, der bei dem ursprünglichen Restitutionsvergleich unberücksichtigt geblieben war.
Nach dem Klimts unvollendetes Bildnis dann zugeschlagen worden war, bemühten sich die Parteien um eine Einigung mit dem Sammler aus Hongkong, der das Werk erworben hatte und Rechtssicherheit wollte. Dies sollte im März 2025 durch eine Freistellungsvereinbarung, die mögliche Haftungsansprüche begrenzt, erzielt werden, was aber an der Abwesenheit von Patricia Leahy scheiterte. Das Kinsky musste dann den Verkauf rückabwickeln und blieb auf den bis dahin entstandenen Kosten sitzen. |