Kriegswarnung von Frans Francken kehrt nach Dresden zurück  |  | Frans Francken II, Allegorie der Folgen des Krieges, um 1615 | |
Das Meisterwerk „Allegorie der Folgen des Krieges“ von Frans Francken II. kehrt nach 102 Jahren nach Dresden zurück. Das Werk des flämischen Kabinettmalers aus der Zeit um 1615, das bis als verschollen galt, wird nun Teil der Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Erst heuer tauchte es wieder auf und konnte beim Kölner Auktionshaus Van Ham dank der großzügigen Unterstützung der Fontana Stiftung Baden-Baden und der Ernst von Siemens Kunststiftung für 95.000 Euro netto, mit Aufgeld für 125.400 Euro erfolgreich ersteigert werden. Bei der Allegorie handelt es sich um ein Hauptwerk des 1581 in Antwerpen geborenen Malers, das die kleine Werkgruppe der Künstlerfamilie Francken im Museum weiter ergänzt. Die Tafel entstand vor dem Hintergrund des Achtzigjährigen Krieges der von 1568 bis 1648 zwischen den Niederlanden und Spanien tobte. Das Gemälde mahnt eindringlich, die verheerenden Folgen von Kriegen, die es im Hintergrund schildert, zu bedenken. Die Holztafel wird nach einer Untersuchung in der Werkstatt für Gemälderestaurierung im Semperbau ausgestellt.
August der Starke kaufte das Gemälde vor etwa 300 Jahren für seine Sammlung. Die erste Erwähnung findet sich im Inventar von 1722/28. Infolge der sogenannten Fürstenabfindung gelangte das Kunstwerk 1924 in Privatbesitz. Holger Jacob-Friesen, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister, führt aus: „Über zweihundert Jahre lang befand sich Frans Franckens ‚Allegorie der Folgen des Krieges‘ in der Dresdner Sammlung. Dann kam es durch die Folgen eines Krieges – nämlich des Ersten Weltkriegs – in private Hände. Dass es nun, nach etwas über hundert Jahren, in den Kontext der Gemäldegalerie Alte Meister zurückkehrt, ist ein wahrer Glücksfall. Durch sein Motiv und seine wechselvolle Geschichte bietet es den Anlass, über die Schrecken und Langzeitfolgen von Kriegen nachzudenken. Dabei ist der Wunsch nach Frieden dem Bild deutlich eingeschrieben.“
Frans Franckens Gemäldewarnung präsentiert eine karge Landschaft mit einem Gewitter. Mehrere allegorischer Gestalten stehen für verschiedene Tugenden und Laster. Sie alle richten sich auf die zentrale Figur eines Kriegers aus, den die Kriegsgötter Mars und Bellona rüsten: Schwert, Helm und eine Halsberge dienen als Zeichen des Soldaten. Der Krieger ignoriert die drei weiblichen Tugenden, Apoll und die Personifikation der Hoffnung wenden sich zur Rechten von ihm ab. Im Vordergrund links steht Frau Welt symbolisch für Falschheit und Betrug, einige der sieben Todsünden begleiten sie. Im Hintergrund weisen kleine Szenen auf die realen Schrecken des Krieges mit einem unkontrollierten Tötungspulk und warnenden Galgen und Kreuzen mit ihren nackten gesichtslosen Opfern. Die Gesamtszene wird auf der rechten Seite durch drei Personen warnend und entsetzt kommentiert.
Frans Francken II., 1642 in Antwerpen verstorben, stand seit 1605 an der Spitze der Malerdynastie Francken. Diese prägte die Malerei Antwerpens über fünf Generationen und über mehr als 100 Jahren. Eine thematische Vielfalt und die Zusammenarbeit mit anderen Malern charakterisieren Franckens Schaffen. Allegorische Bilder nehmen einen kleinen, aber bedeutenden Teil seines Œuvres ein neben biblischen und mythologischen Historienbildern, Stillleben und Darstellungen von Kunstkammern ein. |