Portikus zeigt Lukin Linklaters erste Einzelausstellung in Europa  |  | in der Ausstellung „Tanya Lukin Linklater – Crested“ | |
Tanya Lukin Linklater beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Praxis mit Zugehörigkeit, Erinnerung und indigenem Wissen im Spannungsfeld kolonialer Geschichte und deren Nachwirkungen. Für ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Europa unter dem Namen „Crested“, die der Frankfurter Portikus derzeit realisiert, entwickelte sie eine neue Werkgruppe aus Bugholzskulpturen, Textilarbeiten, Perlenstickereien und Aquarellen, die sich auf visuelle Traditionen der Sugpiaq-Gemeinschaften beziehen, aus denen sie stammt. Die markanteste Arbeit in der zentralen Halle ist eine gelbe Stoffbahn unter dem Titel „Fin“ für Flosse, die aus 21 Einzelbahnen genäht wurde und den Raum mit ihren blauen, roten und weißen Stoffapplikationen mittig durchtrennt.
Ausgangspunkt der Frankfurter Ausstellung ist eine kleine gewebte Tasche aus der Sammlung der Kunstkammer St. Petersburg, die im 19. Jahrhundert im Kontext russischer Kolonialherrschaft nach Europa gelangte. Von diesem Objekt ausgehend fragt Lukin Linklater nach Formen von Restitution, kultureller Rückführung und dem Fortbestehen indigenen Wissens trotz kolonialer Eingriffe. Ihre Arbeiten verbinden Sugpiaq-Kosmologien, Materialien wie Glasperlen und Stoffe sowie traditionelle Handwerkstechniken mit Beobachtungen von Landschaft und Naturphänomenen. Dabei thematisiert sie auch hybride kulturelle Formen, die aus kolonialen Austausch- und Gewaltverhältnissen hervorgegangen sind, sowie häufig unsichtbare Wissensräume indigener Frauen. Der Ausstellungstitel „Crested“ verweist sowohl auf Naturphänomene wie Wellenkämme als auch auf Formen von Zierde und Zugehörigkeit. Ergänzt wird die Ausstellung durch „Open Rehearsals“, in denen gemeinsam mit Performerinnen choreografische Situationen entstehen, die Zuhören und körperliche Wahrnehmung als Formen von Wissensvermittlung erfahrbar machen.
Tanya Lukin Linklater wurde 1976 auf Kodiak Island in Alaska geboren und ist mittlerweile in Kanada ansässig. Ihre künstlerische Praxis umfasst Tanz, bildhauerische Arbeiten, Performance, Video, Fotografie, Installation und Text. Sie hat ihre Arbeiten im Rahmen von Einzel- oder Duoausstellungen bereits in zahlreichen internationalen Institutionen gezeigt, beispielsweise in der National Gallery of Canada, dem Museum of Contemporary Art in Chicago oder bei der Gwanju Biennale im Jahr 2023. Lukin Linklater wurde unter anderem mit dem Wexner Center for the Arts Artist Residency Award in Visual Arts und dem Herb Alpert Award in the Arts for Visual Arts ausgezeichnet.
Die Ausstellung „Tanya Lukin Linklater – Crested“ ist bis zum 30. August zu sehen. Der Portikus hat täglich außer montags von 12 bis 19 Uhr, samstags und sonntags bereits ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Portikus
Alte Brücke 2 – Maininsel
D-60594 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69 – 962 44 540 |