Kunstwochenende in Zürich  |  | Sandra Vásquez de la Horra, Viaje del polen, 2026 | |
Bevor der Kunsttross in der kommenden Woche zur Art Basel zieht, lädt die Stadt Zürich ab heute zu ihrem „Zurich Art Weekend“ ein. Dazu starten zahlreiche Institutionen mit neuen Ausstellungen, haben ein vielfältiges Programm aufgelegt und ihre Besuchszeiten verlängert. So eröffnet die Kunsthalle Zürich eine Schau zu Henrik Olesen. Anhand zahlreicher Neuproduktionen sowie einer Auswahl bereits bestehender Arbeiten vermittelt die Kuratorin Fanny Hauser die langjährige Auseinandersetzung des Dänen mit normativen Ordnungs- und Kategorisierungssystemen, um Fragen von Identität, Sprache, Körper und deren Konstruktion sowie die damit verbundenen Machtverhältnisse und sozialen Normen zu visualisieren. Für die Ausstellung hat Olesen die raumgreifende, titelgebende Installation „Copies of real-life objects, tools and food“ entwickelt und dafür auf hohen Tischen und weißen Podesten Abgüsse von Lebensmitteln wie Eier, Suppenhühner, Äpfel, Fische, Konservendosen und Milchpackungen neben Replikas von Arbeitsutensilien und Objekten gegenwärtiger Konsumkultur wie Laptops und Tastaturen arrangiert. Mit diesem zeitgenössischen Stillleben setzt er sein Interesse an Nahrungsketten sowie an Prozessen von Produktion, Konsum und Verdauung fort.
Das Migros Museum für Gegenwartskunst richtet Mohamed Bourouissa die erste Einzelausstellung in der Schweiz aus. Unter der Überschrift „Pour Noubia“ erzählt der algerisch-französische Künstler in seinen Fotografien, Filmen, KI-Animationen und Objekten von jenen Menschen, die nicht im Scheinwerferlicht von Medien, Politik, Kunst und Geschichte stehen. In Zürich nimmt Bourouissa das Publikum auf eine Reise ein: von Blida in Algerien, wo er geboren wurde, über die Pariser Banlieue, wo er heute lebt, nach Osnabrück in Deutschland, wo das bewegte Leben seiner Tante Noubia endete. Seine Arbeiten, die mal dokumentarisch, mal fiktiv sind, aber immer auf erlebten Erfahrungen basieren, berichten von ihm nahestehenden Menschen: von Freund*innen und Bekannten, einem Langzeitpatient der psychiatrischen Klinik in Blida, Mitgliedern seiner Familie und seines Umfelds. Allen voran steht Noubia Meyer, seine Tante, die als Sexarbeiterin von Blida nach Deutschland migrierte und Bourouissa ihr Fotoarchiv vermachte.
Auch die zahlreichen Züricher Galerien beteiligen sich an der neunten Ausgabe des Zurich Art Weekend. So macht die Galerie Haas mit der Ausstellung „Healing the Tree“ auf die gleichnamige neue Werkserie von Sandra Vásquez de la Horra aufmerksam. Hierbei knüpft die Chilenin an ihre fortwährende Beschäftigung mit der Verbindung zwischen Menschen und Natur an und zeichnet auf den Papierarbeiten, die sie mit Bleistift und Aquarell auf einer Wachsbeschichtung aufgetragen hat, traumhafte Figuren und Szenen, die Zartheit mit emotionaler Intensität verbinden und sich zwischen Mythologie, persönlicher Erinnerung und kollektiver Geschichte bewegen. Bei Karma International geht es zum einen um einen Rückblick auf das Schaffen der vor kurzem verstorbenen Valie Export, die in ihren Fotografien von Performances und plastischen Arbeiten mit radikalen Ansätzen traditionelle Rollenbilder sprengte und feministische Ideen verfolgte. Den zweiten Ausstellungsraum hat Karma International dann der Malerin Kateryna Lysovenko überlassen. In farbintensiven figurativen Bildern, in denen Menschen, Tiere und hybride Wesen auftreten, thematisiert die Ukrainerin die Gewalt des Krieges, machtpolitische Strukturen, Traumata und den Wunsch nach Frieden.
Alle Veranstaltungen und weitere Informationen zum Zurich Art Weekend unter zurichartweekend.com und www.dzg.ch. |