Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Das flanierende Paar / Max Stern

Das flanierende Paar / Max Stern
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Portraits

Aktuellzum Archiv:Künstler-Portrait

Seine Kunst war nie nur bloße Abbildung, sondern eine Erforschung der Wirklichkeit und ihrer Wahrnehmung. Nun ist David Hockney gestorben

Paint your own life



David Hockney beim Malen von „Winter Timber“, 2009

David Hockney beim Malen von „Winter Timber“, 2009

Mit David Hockney ist einer der bedeutendsten und gefeiertsten Künstler der Gegenwart gestorben. Der britische Maler, Grafiker, Bühnenbildner und Fotograf schied am 11. Juni friedlich zuhause in London aus dem Leben. Er wurde 88 Jahren alt. Bis in höchste politische und gesellschaftliche Kreise löste sein Tod in Großbritannien Bestürzung aus. König Charles III. lobte Hockneys außergewöhnlichen Beitrag zur zeitgenössischen Kunst, seine Innovationskraft und seinen „unwiderstehlichen Charme“ und sprach von einem „engen Freund“ und einem „wahren Original“, womit er nicht zuletzt auf dessen bevorzugte gelbe Crocs anspielte, die er selbstverständlich zur Schau trug und die die Veranstaltungen im Buckingham Palace immer wieder zum „Leuchten gebracht hätten“. Seine umwerfende Kreativität werde in Museen und Galerien auf der ganzen Welt weiterleben. Auch Premierminister Keir Starmer würdigte den Verstorbenen als einen der berühmtesten Künstler Großbritanniens. Hockneys Tod mache ihn traurig, so Starmer.


Mit seinem außergewöhnlichen Talent, seiner Liebe zur Kunst und zum Leben sowie seinen profunden und unkonventionellen Einsichten habe David Hockney viele Menschen berührt, ergänzte Alex Farquharson, Direktor der Tate Britain. „David war ein unermüdlich erfinderischer Künstler mit einer ganz eigenen Sicht auf die Welt. Er war stets ganz und gar er selbst und zeigte dabei großen Mut, sowohl in seiner Kunst als auch in seinem Leben. Er lehrte uns die Freude am Betrachten und sah Dinge, die anderen entgingen. Seine geistreichen und scharfsinnigen Beobachtungen waren in seinem Werk und in seiner Person stets präsent“, so Farquharson weiter. Die internationale Wertschätzung schlug sich auch in den Preisen für Hockneys Kunst nieder. Mit seinem großformatigen Gemälde „Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)“ von 1972 aus der berühmten Werkreihe der Swimmingpool-Bilder avancierte Hockney bei einem Nettoergebnis von 80 Millionen US-Dollar im November 2018 bei Christie’s in New York zum teuersten lebenden Künstler. Diesen Wert stellte sechs Monate später auch Jeff Koons mit seiner scheinbar aufblasbaren Edelstahlskulptur eines überdimensionierten „Rabbit“ von 1986 ein.

David Hockney, geboren am 9. Juli 1937 in der Industriestadt Bradford in Yorkshire, studierte nach dem Besuch des Bradford College of Art ab 1959 am Londoner Royal College of Art und nahm dort 1961 neben Peter Blake, Allen Jones und R.B. Kitaj an der von Peter Phillips organisierten Akademieschau „Young Contemporaries“ teil, die als Initialzündung der britischen Pop Art gilt. Nicht zuletzt da seine frühen Arbeiten auch von expressiven Elementen der Art Brut durchsetzt waren, lehnte er die Festlegung auf diesen Stil stets ab. Schon in seinen Zeichnungen und „Love Paintings“ aus dieser frühen Schaffensphase trat seine Homosexualität offen zutage, obwohl sie bis 1967 in Großbritannien unter Strafe stand. So zeigt sein Gemälde „We Two Boys Together Clinging“ von 1961, das auf einem Gedicht Walt Whitmans basiert, zwei junge Männer eng umschlungen beim Küssen. Mit seinen „Homosexuell Propaganda Paintings“ vollzog Hockney ein freimütiges „Coming Out“. Das hatte ihm auch sein Studienfreund Kitaj geraten hatte: „Why don’t you paint your own life?“ Noch während seiner Studienzeit trat der Londoner Galerist John Kasmin an ihn heran und organisierte 1963 für den 26jährigen die erste Einzelausstellung.

1964, zwei Jahre nach seinem Abschluss am Royal College of Art, brach David Hockney dann zu neuen Ufern auf. Er kehrte dem prüden England den Rücken und zog über New York weiter nach Kalifornien. Dort ließ er sich vom Licht, der Wärme und dem ungezwungenen entspannten Lebensstil der Westküste gefangen nehmen: „Innerhalb einer Woche nach meiner Ankunft in dieser seltsamen Großstadt, in der ich keine Menschenseele kannte, hatte ich die Führerscheinprüfung bestanden, ein Auto gekauft, war nach Las Vegas gefahren und hatte etwas Geld gewonnen, hatte mir ein Atelier besorgt und angefangen zu malen – das alles in einer Woche. Und ich dachte: Genau so habe ich es mir vorgestellt.“ Fotos zeigen den 27jährigen mit strohblond gefärbten Haaren, breitem Lächeln und seiner dicken schwarzen Hornbrille in einem Ford Falcon posierend, im gestreiften Shirt in der Wüste von Nevada oder in knackig kurzen Shorts neben einem Swimmingpool.

„Als ich nach Los Angeles kam“, erinnerte sich Hockney, „war es wirklich dreimal besser, als ich es mir vorgestellt hatte.“ Kalifornien bot ihm die Zugehörigkeit zu einer extravaganten Schwulenszene und schien auf den weltgewandten Engländer gewartet zu haben. Die Rolle des schillernden dandyhaften Fremden füllte Hockney perfekt aus. Er wurde zu glamourösen Partys in Beverly Hills eingeladen, schwamm in den Swimmingpools der Prominenten, die das ganze Jahr über glitzerten, und löste nebenbei die künstlerische Aufgabe, die Bewegung des Wassers in seinen Bildern mit weißen mäandernden Linien zwischen blauen Farbzonen einzufangen. Mit einer zuvor nicht gekannten Leichtigkeit, Lebensfreude und Souveränität verquickte er abstrahierte Flächen mit figürlicher Malerei, kunstgeschichtliche Motive mit persönlich Erlebtem. Er veränderte Maßstäbe, positionierte Blumentöpfe und Gartenliegen in delikate ungegenständliche Farblandschaften, liebte helle freundliche Farben, verkürzte Gliedmaßen surreal und verschob Perspektiven. Damit machte David Hockney deutlich, dass orthodoxe Haltungen dazu da sind, gebrochen zu werden, und dass Gegensätze koexistieren können – in der Kunst wie im Leben.

Sein frühes rastloses Tun zog ihn dann schon 1966 nach Beirut, später dann auch noch nach Paris, Marokko, New York, Ägypten, Südfrankreich, Hawaii, Japan, Australien und Südostasien. 1965 unterrichtete Hockney zunächst an der University of Colorado in Boulder, ab 1966 an der University of California in Los Angeles, wo er Peter Schlesinger kennenlernte, der sechs Jahre lang bis zu dem Abschiedsbildnis „Portrait of an Artist“ sein Geliebter und Lieblingsmodell war, 1969 sogar an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. 1967 malte er sein legendäres Poolbild „A Bigger Splash“, das ohne ein menschliches Wesen auskommt, aber dennoch das hedonistische Lebensgefühl der Westküste feiert, heute als Ikone der Pop Art in der Londoner Tate Gallery hängt und 1974 den Titel für Jack Hazans halbdokumentarisches filmisches Hockney-Portrait stellte.

In dieser Phase rückten auch seine Familie, Freunde, Sammler und wichtige Wegbegleiter in den Mittelpunkt seines Schaffens, etwa in den Portraits des schwulen Paars „Christopher Isherwood and Don Bachardy“ von 1968 oder „American Collectors“ mit den fast beziehungslosen Gestalten von Fred und Marcia Weisman, denen zahlreiche fotografische und zeichnerische Studien vorausgingen. Dabei ging David Hockney raffiniert auf zwischenmenschliche Ebenen ein. So hielt Hockney 1971 etwa auch das befreundete Designerpaar „Mr. and Mrs. Clark and Percy“ nach deren Eheschließung fest, bei der 1969 er Trauzeuge war. Beide fixieren die Betrachter, Celia Birtwell mit leicht melancholischem, Ossie Clark mit lasziv herausforderndem Ausdruck. Die weiße Katze „Percy“, umgangssprachlich für „Penis“, ein Symbol für Untreue und Neid, sitzt auf Mr. Clarks Schoß. Das feinnervige Doppelportrait scheint das Scheitern der Ehe im Jahr 1974 wegen Clarks ausschweifenden Affären mit anderen Frauen und Männern vorwegzunehmen.

1968 war David Hockney erstmals Teilnehmer an der Documenta in Kassel, ein zweites Mal 1977. In dieser Zeit experimentierte er mit auch mit Fotografie und Film und setzte seine „Pictures“ zeitweilig aus über 100 einzelnen Bildern zu einer Fotocollage zusammen. Weil er diese Fotos aus verschiedenen Perspektiven und zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen hatte, erinnert das Ergebnis an kubistische Werke. Damit wollte Hockney die Funktionsweise des menschlichen Sehens und Fragen der Wahrnehmung erforschen. Daneben arbeitete er auch immer wieder an grafischen Zyklen, etwa „A Hollywood Collection“ von 1965, „Illustrations for Six Fairy Tales from the Brothers Grimm“ von 1969 oder „The Weather Series“ von 1973, und kreierte Bühnenbilder und Kostüme, so 1975 für Strawinskys „The Rake’s Progress“ und 1978 für Mozarts „Zauberflöte“ beim Glyndebourne Festival oder 1987 für Wagners „Tristan und Isolde“ in Los Angeles. Für die Wiener Staatsoper gestaltete er in der Ausstellungsreihe „Eiserner Vorhang“ 2012 die Überblendung der baulichen Brandschutzeinrichtung mit einem freundlichen farbleuchtenden Großgemälde mit Bühnenelementen, auf dem der Schriftzug „Wien Musik“ prangte.

Stets interessiert an neuen technischen Möglichkeiten, arbeitete David Hockney in den 1980er Jahren für seine „Home Made Prints“ auch mit Bilder aus dem Farbkopierer und übertrug sie mit Faxgeräten. Später kamen Computerprogramme als Hilfsmittel hinzu. Zudem wuchsen sich seine Formate ins Gigantische aus. Für „A bigger Grand Canyon“ fertigte er 1997/98 sechzig einzelne Ölbilder, die zusammengesetzt ein farbintensives Panorama der Schlucht von fast 7,5 Metern Breite ergeben. Er beschäftigte sich zunehmend mit dem Stillleben und der Landschaft, vor allem ab den 1990er Jahren, als er sich aus familiären Gründen vermehrt in seiner Heimat Yorkshire aufhielt. Dabei zog es ihn in die Natur, der er Plein Air unter freiem Himmel wie die Impressionisten auf großen Leinwänden verewigte. Dann legte sich Hockney noch ein iPad samt Zeichenprogramm zu und begann darauf, zu arbeiten. So entstanden Hunderte von stilisierten Porträts, Stillleben und Landschaften, die er auch für großformatige Drucke verwendete.

Für seine 18teilige Videoarbeit „Seven Yorkshire Landscape Videos“ von 2011 ließ er Kameras an seinem Auto befestigen, fuhr durch die nordenglische Landschaft und nahm sie aus verschiedenen Blickwinkeln auf. Die beschaulichen Szenen vermitteln verständliche Sujets: Äcker im Wechsel der Tageszeiten, Bäume im Wechsel der Jahreszeiten. Zusammengesetzt auf den 18 Bildschirmen erzeugte Hockney mit ihnen ein leicht versetztes Bild aus verzögerten Ausschnitten, das zeitliche Sprünge impliziert. Für David Hockney ermöglicht das ein Nebeneinander von mehr als einem Moment innerhalb eines Mediums, das eigentlich nur einen einzigen Augenblick kennt. Gerade diese multiplen Perspektiven geben „dem Betrachter die Wahl zurück und schaffen Möglichkeiten für neue Erzählungen“. Virtuos demonstrierte Hockney noch in diesem Alterswerk die komplexen Wirklichkeiten des Lebens, die auch schon sein frühes Schaffen geprägt haben, und behielt auch hier seinen Optimismus bei.



15.06.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 31

Seiten: 1  •  2  •  3  •  4

Kunstsparten (3)Stilrichtungen (3)Berichte (5)Variabilder (18)Kunstwerke (1)Künstler (1)

Kunstsparte:


Malerei

Kunstsparte:


Fotografie

Kunstsparte:


Grafik

Stilrichtung:


Pop Art

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Bericht:


Maler der frühen Morgenstunde

Bericht:


Ironie in der Idylle

Bericht:


Multiple Perspektiven







David Hockney, Pearblossom Hwy. (Second Version), 1986

David Hockney, Pearblossom Hwy. (Second Version), 1986

David Hockney,  Portrait of an Artist (Pool with Two Figures), 1972

David Hockney, Portrait of an Artist (Pool with Two Figures), 1972

Taxe: 80.000.000,- USD

Zuschlag: 80.000.000,- USD

Losnummer: 9C

David Hockney in seinem Studio, Los Angeles, 2016

David Hockney in seinem Studio, Los Angeles, 2016

David Hockney, Mr. and Mrs. Clark and Percy, 1970/71

David Hockney, Mr. and Mrs. Clark and Percy, 1970/71

David Hockney, Christopher Isherwood and Don Bachardy, 1968

David Hockney, Christopher Isherwood and Don Bachardy, 1968

David Hockney, A Bigger Splash, 1967

David Hockney, A Bigger Splash, 1967

David Hockney beim Malen von „Woldgate Woods III“, 20. und 21. Mai 2006

David Hockney beim Malen von „Woldgate Woods III“, 20. und 21. Mai 2006

David Hockney, Kerby (After Hogarth) Useful Knowledge, 1975

David Hockney, Kerby (After Hogarth) Useful Knowledge, 1975

David Hockney, Beverly Hills Housewife, 1966/67

David Hockney, Beverly Hills Housewife, 1966/67

David Hockney, London, 1967

David Hockney, London, 1967

David Hockney mit seiner Serie „82 Portraits and 1 Still Life“, 2016

David Hockney mit seiner Serie „82 Portraits and 1 Still Life“, 2016

David Hockney, Los Angeles, 1964

David Hockney, Los Angeles, 1964

David Hockney mit „Christopher Isherwood and Don Bachardy“, London 1968

David Hockney mit „Christopher Isherwood and Don Bachardy“, London 1968




Copyright © '99-'2026
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce