Walter Schels-Retrospektive in Berlin  |  | Walter Schels, Schwarzes Schaf, 1984 | |
Zusammen mit der Stiftung F.C. Gundlach richtet die C/O Berlin Foundation Walter Schels derzeit eine Retrospektive aus. Anlass ist der 90. Geburtstag des Fotografen, dessen Schaffen zwischen dokumentarischen Ansätzen und künstlerischer Fotografie pendelt. Für die Schau mit dem Titel „16° Fische“, der sich auf Schels’ Sternekonstellation zum Zeitpunkt seiner Geburt bezieht – die Sonne stand damals im Tierkreiszeichen Fische bei 16 Grad – und für ihn eine poetische Selbstverortung zwischen Sensibilität und Intuition sowie seinem Interesse am Menschen und an existenziellen Fragestellungen ist, hat das Kuratorenquartett Sophia Greiff, Beate Lakotta, Sebastian Lux und Franziska Mecklenburg über 300 Arbeiten ausgewählt und will mit zentralen Werkgruppen, aber auch bislang unbekannten Seiten neue Einblicke in sein Schaffen geben.
Walter Schels, 1936 in Landshut geboren, arbeitete zunächst als Schaufensterdekorateur in Barcelona, Genf und Toronto. Ab 1965 wandte er sich in New York der Fotografie zu. 1970 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde hier durch seine eindrücklichen schwarzweißen Porträts von Persönlichkeiten wie Joseph Beuys, Angela Merkel oder dem Dalai Lama, aber auch mit Bildern von Tieren und Blumen bekannt. Mit dokumentarischem Interesse an Extremsituationen des menschlichen Lebens realisierte er zahlreiche fotografische Serien. So ging er in Langzeitprojekten wie „Blind“, „Noch mal leben“ oder „trans*“ auf Grundfragen der menschlichen Existenz ein und beschäftigte sich mit Präsenz und Wahrnehmung, mit Identität und existenziellen Übergängen. Meist vor neutralem Hintergrund kreierte Schels unmittelbar wirkende Begegnungen mit einem eigenständigen Gegenüber.
Die Schau setzt ein mit Arbeiten aus den 1960er und 1970er Jahren in New York. Neben Street Photography nahm Walter Schels etwa Kanaldeckeln aus der Nähe auf und überführte das vermeintlich Funktionale in eine eigenständige Bildsprache. Seine Ansichten von Hochhäusern verdichten sich in analogen Fotomontagen, Doppelbelichtungen und Überzeichnungen zu surrealen urbanen Landschaften, die das Verhältnis von Individuum und Stadt ausloten. Überarbeitungen, Weiterentwicklungen und Transformationen erscheinen bei ihm sowohl als inhaltliches Motiv als auch als künstlerische Methode. Mit Übermalungen, Solarisationen und Collagen überschreitet Schels die Grenzen der Fotografie hin zum Malerischen, etwa bei aktuellen abstrakten Bildern, in denen er unmittelbar mit Fotochemikalien und Pflanzenfragmenten arbeitet und die Materialität des fotografischen Prozesses selbst zum Bildgegenstand macht.
Die Ausstellung „Walter Schels – 16° Fische . Retrospektive“ ist bis zum 2. September zu sehen. Das C/O Berlin im Amerika Haus hat täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der Katalog zur Ausstellung kostet im Haus 55 Euro.
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