Hodler ist wieder Star bei Koller in Zürich  |  | Ferdinand Hodler, Sonnenuntergang am Genfersee von Caux aus, 1917 | |
In seiner aktuellen Auktionsrunde kann der Züricher Versteigerer Koller ein kapitales Werk von Ferdinand Hodler präsentieren. In gelbem, blauem und orangefarbenem Kolorit entwickelte der große Schweizer Symbolist 1917 seine rhythmisierte Landschaft „Sonnenuntergang am Genfersee von Caux aus“. Für derartig stilisierte Naturdarstellungen, die eindrucksvoll Hodlers Weg zur Abstraktion in seinen letzten Lebensjahren illustrieren, sind Millionenpreise üblich. Koller rechnet für das Gemälde aus Schweizer Privatbesitz mit 3 bis 4,5 Millionen Franken. Auch das drei Jahre ältere, winterlich verschneite, von Nebelschwaden durchzogene und fahle „Jungfraumassiv von Mürren aus“ deutet bereits Hodlers Auseinandersetzung mit den ungegenständlichen Tendenzen der Zeit an (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen SFR).
Die Schweizer Kunst, die am 26. Juni aufgerufen wird, vereint über Holder hinaus eine hochkarätige Auswahl. Zum Zug kommt etwa Albert Anker mit seinem charmanten freudigen Kinderbildnis „Der kleine Bruder“ von 1883 (Taxe 1,5 bis 2,5 Millionen SFR) oder dem ähnlich gestimmten Doppelportrait „Schreibunterricht II“ aus dem Jahr 1865, in dem sich zwei Mädchen auf die Hausaufgaben konzentrieren (Taxe 600.000 bis 900.000 SFR). Félix Vallottons Rückenakt „Femme nue couchée de dos“ aus dem Jahr 1897 zeugt von der Hinwendung des Künstlers zur Reduzierung der Mittel. Mit großen Farbflächen erzeugt Vallotton eine Atmosphäre, die das Unterbewusstsein des Betrachters anspricht und eine geheimnisvolle, faszinierende Wirkung entfaltet (Taxe 700.000 bis 1,2 Millionen SFR). Der Kraft der Farbe frönen Cuno Amiet bei seinem Gemälde „Im Garten“ von 1912, das seine Frau Anna Amiet-Luder bei der sommerlichen Gartenarbeit zeigt (Taxe 300.000 bis 500.000 SFR), und Giovanni Giacometti bei seinem frontalen Doppelbildnis „Annetta und Alberto“ um 1904 mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn vor der Alpenkulisse (Taxe 300.000 bis 400.000 SFR).
Die Moderne Kunst strebt ebenso Millionenwerte an. Mit seiner komprimierten Venedig-Vedute, in der Paul Signac die markante Kirche Santa Maria della Salute hinter einigen Segelbooten in den Mittelpunkt rückt, hat er 1906 ein Meisterwerk des Pointillismus geschaffen. Die aus vielen kleinen schimmernden Tupfern in pastelligen Farbtönen aufgebaute Ansicht, die seit ihrem Ankauf 1913 bei dem Pariser Kunsthändler Jos Hessel in einer deutschen Familiensammlung verblieb, will ebenfalls am 26. Juni 2 bis 3 Millionen Franken sehen. Dazu gesellen sich Pierre-Auguste Renoirs „Jeune fille lisant“ um 1890, die seine Rückkehr zu einer weichen, lichtdurchfluteten Malweise markiert (Taxe 900.000 bis 1,4 Millionen SFR), und René Magrittes nur wenig surreales „Portrait d’Arlette Magritte“ um 1950 mit der Nichte des Malers (Taxe 1,1 bis 1,6 Millionen SFR). Im französischen Dunstkreis bleibt es mit Claude Monets dunstiger und daher fast abstrakter Ansicht der „Waterloo Bridge“ in London, einem Pastell von 1900/01 für 350.000 bis 450.000 Franken, und Ossip Zadkines vom Kubismus, Expressionismus und Futurismus geprägter Bronzeskulptur „Les trois grâces“ von 1926 (Taxe 250.000 bis 350.000 SFR). Aus Deutschland beteiligt sich Heinrich Campendonk mit seiner verwunschenen traumartigen Landschaft mit dem Titel „Blumenbild“ um 1918 bei 450.000 bis 700.000 Franken. |