Botticelli, Landseer oder der Hamilton-Laokoon bei Sotheby’s in London  |  | Rembrandt, Lasst die Kinder zu mir kommen, wohl 1627 und später | |
Ein seltenes frühes Historiengemälde von Rembrandt, eine von zwei bekannten Versionen der Botticelli-„Madonna del Roseto“ und eine 2,7 Meter große Schwesterversion des „Monarch of the Glen“ des britischen Malers Edwin Landseer warten in London diesen Mittwochabend auf Käufer. Am 1. Juli startet bei Sotheby’s die Versteigerung „Old Master & 19th Century Paintings and Sculpture Evening Auction“. Als Auftakt vor den Werken der Malerei gibt es eine der wenigen Bronzekopien der antiken Laokoon-Gruppe der Vatikanischen Sammlungen in Originalgröße.
Den sogenannten „Hamilton Laocoön“, der von 1848 bis 1882 im Besitz der schottischen Herzöge von Hamilton war, schuf 1817 in Paris der Bildhauer und Gießer Auguste-Jean-Marie Carbonneaux, der vor allem für seine Großplastiken in der Napoleon-Ära bekannt war. Der aus einer privaten englischen Sammlung eingelieferte, über 2,3 Meter hohe Bronzeguss soll eine Auftragsarbeit des Schriftstellers, Politikers und Plantagenbesitzers George Watson-Taylor gewesen sein. Da Napoleon die originale Laokoon-Gruppe aus dem Vatikan für sein Musée Napoléon nach Frankreich verschleppt hatte, kannte Carbonneaux die antike Skulptur zweifelsohne. Die klassizistische Bronze steht das erste Mal seit 150 Jahren wieder auf dem Auktionsmarkt zum Verkauf und geht mit 2 bis 3 Millionen Pfund Sterling ins Rennen.
Bei den Gemälden Alter Meister bildet Rembrandt van Rijns frühe, wohl 1627 in Leiden begonnene, erst später von einem Mitarbeiter vollendete und noch recht farbenfrohe Arbeit „Lasst die Kinder zu mir kommen“ das Toplos. Die teils unfertige neutestamentliche Szene erlaubt Einblicke in den Malprozess des Barockmeisters, der hier vom detailreichen Hintergrund nach vorne zum unfertigen Vordergrund arbeitete. In dem jungen Mann mit entblößter Schulter präsentiert sich Rembrandt selbst und hat vermutlich auch Bildnisse seiner Eltern und enger Familienfreunde im Bildpersonal verarbeitet. Das Gemälde, das zuletzt bei Lempertz in Köln als „Niederländische Schule“ im Mai 2014 für 1,25 Millionen Euro netto gehandelt und nach der Restaurierung als eigenhändiger Rembrandt identifiziert wurde, will nun 8 bis 12 Millionen Pfund sehen.
Weitere Werke des Goldenen Zeitalters der niederländischen Malerei umfassen Paulus Potters ruhige rurale „Landschaft mit Kühen und Milchmagd“ von 1646, die erstmals seit 140 Jahren wieder für 2 bis 3 Millionen Pfund zu haben ist, ein leckeres Frühstücksstillleben mit gebratenem Fisch, Shrimps, Orange, Brot und Wein von Pieter Claesz aus seinem Frühwerk um 1624, Philips Wouwermans Panoramalandschaft mit einer Falkenjagd (Taxe je 300.000 bis 400.000 GBP) und Salomon van Ruysdaels Flussmündung mit Segelbooten und weidenden Kühen unter hohem Himmel um 1655/60 (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP). Mit Pieter Breughel d.J. springt man während der 1620er Jahre in die freudige Dorfszene tanzender Bauern um einen Maibaum (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen GBP). Der Höhepunkt eines deutschen Künstlers ist das spätgotische Tondo einer Maria lactans, die Hans Memling um 1485/90 noch auf Goldgrund gemalt hat. Die innige Beziehung der Jungfrau mit dem Jesuskind ist in hoher Qualität erhalten und auf 3 bis 4 Millionen Pfund angesetzt.
Eine Rarität bildet die von Sandro Botticelli und einem unbekannten Kollegen gemalte zweite Version der „Madonna del Roseto“. Botticellis bekannte Rosenmadonna befindet sich im Louvre und ist in ihren Maßen etwas größer als die zum Verkauf stehende Variante. Beide entstanden wohl gleichzeitig in den später 1460er Jahren (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP). Für Venedig und die stimmungsvollen architektonischen Schönheiten der Lagunenstadt interessierten sich 1785 Francesco Guardi in seiner Ansicht des Markusplatzes bei azurblauem Himmel von (Taxe 150.000 bis 250.000 GBP), Friedrich Nerly mit seinem abendlichen Blick von der Riva degli Schiavoni über das Markusbecken auf den Dogenpalast und Santa Maria della Salute (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP) und Ivan Konstantinovich Ajvazovskij 1847 mit seiner nächtlichen Vedute von San Giorgio Maggiore in goldweißem Mondglanz (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP). Bei den englischen Künstlern führt der Tiermaler Sir Edwin Henry Landseer mit seinem monumentalen Hirschportrait „Scene in Braemar – Highland Deer“ die Preisliste mit 3 bis 4 Millionen Pfund an. Eine geisterhaft luftige Erscheinung schuf Thomas Gainsborough 1787 mit dem „Portrait of Mrs Sloper ‚Spiritualised‘“ von, die bei 40.000 bis 60.000 Pfund schnell entschweben will. |