KI, Kunst und Gesang mit Herndon und Dryhurst in K21  |  | in der Ausstellung „Holly Herndon & Mat Dryhurst. Starmirror“ | |
Für ihre aktuelle Schau „Starmirror“ in der Düsseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen haben Holly Herndon und Mat Dryhurst eine Klang- und Rauminstallation kreiert, in der sie erneut die Verbindungslinien von Kunst, Musik, maschinellem Lernen und experimentellen Organisationsformen in den Blick nehmen. In Zusammenarbeit mit dem Berliner Architekturbüro Sub verwandelten sie dazu die Ausstellungsräume von K21 in ein Trainingsgelände für die kollaborative Produktion von Musik und Kunst zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz. Ihre Arbeit „Starmirror“ dient dabei sowohl als Aufnahmestudio und Hörumgebung als auch als lebendiges Archiv, womit Herndon und Dryhurst die Verbindung von Gesang als kollektivem gemeinschaftlichem Musizieren zur kollektiven Natur von KI greifbar machen wollen.
So lädt das US-amerikanisch-englische, in Berlin lebende Duo Besucher*innen dazu ein, an mehreren Sonntagen mit lokal ansässigen Chören an öffentlichen Gesangsaufnahmen teilzunehmen. Im Wechselspiel von Ruf und Antwort werden hierbei Gestänge aus einem eigens für dieses Projekt entwickelten Gesangsbuch aufgeführt, das auf dem geistlichen Moralitätenspiel „Ordo virtutum“ der heiligen Hildegard von Bingen basiert. Die Benediktineräbtissin und Universalgelehrte des 12. Jahrhunderts thematisierte darin die Wahl der Seele zwischen dem Guten und dem Bösen. Bereits in der ersten Phase des Projekts haben Holly Herndon und Mat Dryhurst im Berliner KW Institute for Contemporary Art Aufnahmen aus Performances mit Besucher*innen gesammelt und nach Ausstellungsende im Januar in den Trainingskorpus des KI-Modells integriert. Diese Gesänge bilden die Grundlage für den KI-Chor, der neben einer Auswahl früherer kollektiver Gesangsprojekte in K21 jetzt erstmals zu hören ist.
Für die Schau hat Kuratorin Agnieszka Skolimowska weitere Arbeiten von Holly Herndon und Mat Dryhurst ausgewählt, die ebenfalls die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz und die damit verbundenen aktuellen gesellschaftlichen Fragen untersuchen. So basiert „Arboretum“ aus dem Jahr 2025 auf dem Bildmodell „Public Diffusion“, das mit gemeinfreien Daten trainiert wurde und daher auf einer rechtlich unbedenklichen Datenbasis beruht. Mit Hilfe der „Starmirror“-App können Besucher*innen den Bilddatensatz von „Public Diffusion“ aktiv mit eigenem Bildmaterial ergänzen. Herndon und Dryhurst bauen hiermit ein öffentliches KI-Protokoll auf, in dem sowohl menschliche Stimmen, Bilddaten, technische Systeme und maschinelle Prozesse miteinander interagieren, und machen KI als einen kollektiven Prozess erfahrbar, der auf der Partizipation vieler beruht. „Wir wollen nicht nur eine neue Art von Ausstellung präsentieren, sondern auch eine Infrastruktur – ein offenes Protokoll – bereitstellen, das andere in Zukunft nutzen können“, formuliert das Duo seinen Anspruch an die Schau.
Die Ausstellung „Holly Herndon & Mat Dryhurst. Starmirror“ ist bis zum 11. Oktober zu sehen. K21 hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, an jedem ersten Mittwoch im Monat bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 14 Euro, ermäßigt 12 Euro; für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre ist er frei. Die Ausstellung wird von zahlreichen Workshops und Führungen begleitet.
K21 – Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
Ständehausstraße 1
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