Emilio Vedova in Hagen  |  | Emilio Vedova, Omaggio a Dada Berlin ’64/’65 n. 13, 1964/65 | |
Das Emil Schumacher Museum in Hagen widmet sich in der Schau „Emilio Vedova. Mehr als Bewegung um ihrer selbst willen“ einem der wichtigsten Vertreter des italienischen Informel. Den Fokus bilden Werke der 1960er Jahre, die während seines 18monatigen Aufenthalts im geteilten Berlin entstanden. Zu sehen sind etwa 30 Arbeiten aus den Jahren 1963 bis 1965, die einen entscheidenden Wendepunkt im Schaffen des Venezianers markieren. Neben Collagen und Papierarbeiten präsentiert Museumsleiter Rouven Lotz auch Vedovas „Plurimi“, bewegliche mehrteilige Bildobjekte, und will mit der Schau aufzeigen, dass die abstrakte Kunst der Nachkriegszeit nicht nur eine neu gewonnene Freiheit in der Malerei thematisiert, sondern auch politische und gesellschaftliche Erfahrungen formuliert. Emilio Vedova verband zudem eine Freundschaft und gegenseitige Wertschätzung mit Emil Schumacher, die sich in den 1950er Jahren kennenlernten.
1963 konnte Emilio Vedova im Rahmen eines Stipendienprogramms der Ford Foundation nach West-Berlin reisen. Die Stadt war geprägt von den Spannungen des Kalten Krieges, der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und den daraus resultierenden gesellschaftlichen Umbrüchen. Diese Erfahrungen flossen auch in seine Kunst dieser Periode ein. Vedova entwickelte eine Bildsprache mit kraftvollen Gesten, dynamischen Bildräumen und einer außergewöhnlichen Materialität, die über eine rein formale Abstraktion hinausweist. So erklärte der Künstler 1964 selbst: „Mein Werk ist alles andere als eine Spielerei, Bewegung um ihrer selbst willen, ganz im Gegenteil.“ Vedovas Werke sind ein Ausdruck von Freiheit, Widerspruch und Verantwortung.
In diese Zeit fallen auch die ausdrucksstarken Bildobjekte „Plurimi“, in denen Emilio Vedova zwischen Malerei, Skulptur und Raum wechselt. Greifbar wird dies etwa in einer Studie für „Plurimo“ von 1963/64. Unregelmäßige bemalte Kartonteile sind mit Metallscharnieren verbunden, der rechte Flügel besitzt eine D-förmige Aussparung und dient selbst zugleich als Standstütze. Diese Werke sind nicht nur formale Experimente, sondern beziehen sich auf die damaligen Erfahrungen und gesellschaftspolitische Spannungen. Bewegung ist hier kein rein künstlerisches Gestaltungsmittel, sondern ein Bedeutungsträger, eine visuelle Entsprechung zu Unruhe, Konflikt und Veränderung.
Die Ausstellung „Emilio Vedova. Mehr als Bewegung um ihrer selbst willen“ ist bis zum 1. November zu sehen. Das Emil Schumacher Museum hat täglich außer montags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4,50 Euro; für Personen unter 18 Jahren ist er frei. Der begleitende Katalog kostet im Museum 15 Euro. Zur Ausstellung ist ein 104seitiger Katalog für 15 Euro erschienen.
Emil Schumacher Museum Hagen
Museumsplatz 1-2
D-58095 Hagen
Telefon: +49 (0)2331 – 30 60 066 |