Schlosser-Auktion zu den Bamberger Antiquitätenwochen  |  | Peter Baumgartner, Der erhörte Bittgang | |
An den aktuell laufenden Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen beteiligt sich auch das Auktionshaus Schlosser und lädt am kommenden Wochenende zu seiner Sommerversteigerung. Zum Verkauf stehen rund 1.900 Positionen an europäischer Kunst und Kunsthandwerk, Schmuck und Uhren, aber etwa auch Asiatika. Los geht es am 24. Juli bei den Gemälden mit einer spätgotischen Kreuzigungsszene aus dem Rheinland samt Maria, dem Lieblingsjünger Johannes, Johannes dem Täufer und dem Apostel Andreas und vier weiteren anbetenden Ordensleuten als Stifterfiguren für 9.000 Euro. Eine büßende Maria Magdalena in einer Felsengrotte, die eben von ihrer Andacht vor einem Steinblock mit Kruzifix und Totenschädel aufblickt, lässt sich Josse de Momper d.J. und David Teniers d.J. nur zuschreiben (Taxe 5.500 EUR). In diese Preiskategorie reiht sich Herman Saftleven d.J. mit seiner kleinen, charakteristischen Flusslandschaft mit vollgeladenem Lastkahn bei 5.000 Euro ein. Günstig erscheinen die 1.000 Euro für Francesco Fidanzas frühklassizistischen Blick aus einer Grotte auf den Vesuv mit Fischern an einem Lagerfeuer.
Eine Hauptgattung des 19. Jahrhunderts ist das Genre. Hier stellt uns Heinrich Bürkel eine seiner typischen Prügelszenen vor einem Wirtshaus in den Bergen unter dem Titel „Heißes Blut“ vor (Taxe 6.000 bis 12.000 EUR). Robert Eberle beteiligt sich mit einem „Jungen Hirten bei der Rast“ mit ebenso müdem Schaf und Widder (Taxe 1.000 bis 2.000 EUR) und Carl Triebel mit einer jungen Frau beim Sparziergang an einem Gartentor (Taxe 600 bis 1.200 EUR). Die verschiedenen Gefühlsregungen einer ganzen Dorfgesellschaft aus der Miesbacher Gegend, die auf dem Gemälde „Der erhörte Bittgang“ vom Regen überrascht werden, hat Peter Baumgartner trefflich eingefangen (Taxe 3.500 bis 7.000 EUR). Johan Christian Dahl schickt eine „Küstenlandschaft im Morgengrauen“ unter rotem Wolkenhimmel ab 750 Euro ins Rennen, Alfred de Dreux den „Spazierritt“ eines vornehmen Herren mit zwei Pferden und zwei Hunden von 1852 ab 7.500 Euro und Oswald Achenbach eine illustre Runde auf dem sommerabendlichen Weg nach Castel Gandolfo ab 15.000 Euro. Der preisliche Höhepunkt der Auktion hat sich bei der Kunst der Moderne versteckt: Alfons Waldes „Weiber am Kirchweg“, die sich 1932 in Sonntagstracht im verschneiten Tirol trafen, sollen mindestens 60.000 Euro einspielen. Dagegen nehmen sich die 400 Euro für Max Olderocks Gouache einer „Konstruktivistischen Komposition“ von 1956 geradezu bescheiden aus.
Gut bestückt ist die Auktion mit Skulpturen, darunter einer spätgotischen heiligen Barbara mit dem Turm, die die Experten im Umkreis Tilman Riemenschneiders verorten (Taxe 16.000 bis 32.000 EUR), oder die Figur eines Engels mit ausladenden Gewandfalten aus der Hand eines Nürnberger Meisters vom Ende des 15. Jahrhunderts (Taxe 18.000 bis 32.000 EUR). Im Fränkischen bleibt es mit einer gleichaltrigen heiligen Maria Magdalena samt Salbgefäß (Taxe 7.500 bis 15.000 EUR) und dem heiligen Urban mit Traubenbündel und Bischofsstab (Taxe 9.500 bis 19.000 EUR). Bei den Möbeln hat Schlosser eine elegant geschwungene Aufsatzschreibkommode aus der Mitte des 18. Jahrhundert mit einer auffälligen Marketerie in Nusswurzel zu bieten, die in die Werkstatt Berner Ebenisten Matthäus Funk weist (Taxe 9.000 bis 18.000 EUR), beim Silber einen Traubenpokal mit Deckel des Nürnberger Meisters Hans Reinhold Mühl um 1655 (Taxe 4.900 bis 9.800 EUR) oder einen Augsburg Miniaturhumpen, dessen Wandung Jonas Laminit wenige Jahre später mit durchbrochen gearbeiteten geschweiften Barockblumen ummantelt hat (Taxe 5.900 bis 11.800 EUR).
Für die Bamberger Uhrmacherkunst steht eine Stockuhr von Leopold Hoys um 1765, deren ebonisiertes Holzgehäuse noch mit feuervergoldeten Bronzeapplikationen des Rokoko verziert ist (Taxe 2.400 bis 4.800 EUR). In den 1760er Jahren erdachte sich Jean Jacques Louis für die Ludwigsburger Porzellanmanufaktur einen Metzger mit geschulterter Keule (Taxe 220 bis 440 EUR), Peter Reinicke 1743 für Meißen einen Japaner mit Tablett, der ebenfalls als Tafelzier diente und zur unterhaltenden Konversation anregen sollte (Taxe 2.600 bis 5.200 EUR). Ansonsten hält die Keramikabteilung noch einen Deckelkrug aus Dippoldiswalde um 1680/90 mit umlaufenden, reliefierten und farbigen Bändern sowie Granatapfelfries (Taxe 1.200 bis 2.400 EUR) oder Rudolf Marcuses badende Frauenfigur „Im Wind“ von 1913 bereit (Taxe 600 bis 1.200 EUR). Die Asiatika treten etwa mit dem braun-goldenen Paar Balustervasen aus der japanischen Meiji-Periode vom Ende des 19. Jahrhunderts an, das mit seinem Pflanzen- und Vogeldekor den europäischen Jugendstil beeinflusst hat. Die Bronzevasen mit Einlagen aus Gold-, Silber- und Kupferlegierungen sollen 1.500 bis 3.000 Euro erwirtschaften.
Die Auktion beginnt am 24. Juli um 14 Uhr und wird am 25. Juli ab 11 Uhr fortgesetzt. Die Besichtigung ist bis zum 23. Juli täglich von 10 bis 18 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.kunstauktionshaus-schlosser.de.
Kunstauktionshaus Schlosser
Karolinenstraße 11
D-96049 Bamberg
Telefon: +49 (0)951 – 20 85 00 |