Wiener Kunstpreis für Lotti Brockmann und Valentino Skarwan  |  | Valentino Skarwan und Lotti Brockmann haben den Kunsthalle Wien Preis 2026 gewonnen | |
Der Preis der Kunsthalle Wien geht heuer an Lotti Brockmann und Valentino Skarwan. Die Absolvent*innen der Akademie der bildenden Künste Wien und der Universität für angewandte Kunst Wien erhalten nun Preisgeld von je 3.000 Euro, das von dem Logistikunternehmen Kunsttrans und der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft smc Steirer Mika & Comp zur Verfügung gestellt wird, und werden ihre Arbeiten ab Dezember gemeinsam in der Dependance der Kunsthalle Wien am Karlsplatz präsentieren. Für die beiden sprach sich die Jury aus, nachdem sie über 100 Diplomarbeiten aus dem Institut für bildende Kunst der Akademie sowie dem Institut für bildende und mediale Kunst der Angewandten gesichtet hatte.
Lotti Brockmann, geboren 1995 in Cuxhaven, die „Kunst und Raum | Raumstrategien“ sowie „Skulptur“ an der Akademie der bildenden Künste studiert hat, wurde für ihre Performance und Installation „Ten Agents of Deterioration“ ausgewählt. Geleitet von der These „Form follows conditions“, betrachtet Brockmann die Form ihrer Arbeit nicht als feststehend, sondern als etwas, das durch die klimatischen, körperlichen, technischen, ökonomischen und institutionellen Bedingungen ihrer Produktion konditioniert wird. In der Arbeit messen die Performer*innen kontinuierlich Luftfeuchtigkeit und Temperatur mithilfe analoger und digitaler Ablesegeräte sowie anhand ihrer eigenen körperlichen Wahrnehmung. Diese Messungen dienen als Grundlage für choreografierte Bewegungen, die aus dem Cheerleading-Hintergrund der Künstlerin stammen. Besucher*innen, Wetter, Zeit, Materialien und die Bedürfnisse der Performer*innen bestimmen dabei fortwährend die Gestalt der Arbeit. Im Raum verteilte Texte vermitteln einen Einblick in die persönlichen, wirtschaftlichen, institutionellen und emotionalen Produktionsbedingungen sowie in die Infrastrukturen, die das Werk erst möglich machen.
Der 1998 in Wien geborene Valentino Skarwan, der Malerei und Animationsfilm an der Universität für angewandte Kunst Wien studiert hat, beteiligte sich mit der Arbeit „There is nothing new under the sun, but there are new suns“, die ebenfalls Elemente von Performance und Installation miteinander verknüpft. Dafür hat Skarwan architektonische Fragmente einer abgerissenen Tankstelle in Guatemala anhand eines Fotos rekonstruiert. Skulpturale Elemente erinnern an Benzinschläuche und Kanister, während eine Aufnahme der hallenden Umgebungsgeräusche die Ausstellungsarchitektur ergänzt, die zugleich als Kulisse für die Performance dient. Die Installation untersucht stillgelegte Infrastrukturen und deren andauernde Rolle bei der Gestaltung des Alltags. Skarwan befasst sich mit den oft verborgenen Systemen, die sowohl menschliches als auch nicht-menschliches Leben stützen, und reflektiert gleichzeitig darüber, wie Wissen, Objekte und Geschichten durch Zirkulation, Zusammenarbeit und wiederholte Begegnungen fortbestehen.
Der Kunsthalle Wien Preis hat das Ziel, aufstrebende Künstler*innen, die in Wien leben und arbeiten, zu unterstützen und den Diskurs über zeitgenössische Kunst im Rahmen einer jährlichen Zusammenarbeit mit den beiden Wiener Kunstuniversitäten zu fördern. Der gemeinsam von der Kunsthalle Wien, der Akademie der bildenden Künste und der Universität für angewandte Kunst vergebene Preis, deren Mitglieder auch die Jury stellen, will die Absolvent*innen kurz nach Studienende unterstützen, ihre Arbeiten einem breiten Publikum bekanntmachen und so eine Brücke zwischen dem Studium und der professionellen künstlerischen Laufbahn schlagen. |