Graz blüht  |  | in der Ausstellung „Hybrid Pleasures. Helen Chadwick Supported by Liesl Raff“ | |
Unter dem Titel „Bloom“ widmet sich das Universalmuseum Joanneum in Graz aktuell in zehn Ausstellungen an acht Standorten mithilfe verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen der Botanik. Auch das Kunsthaus und die Neue Galerie beteiligen sich daran mit Präsentationen zu Helen Chadwick und Markus Huemer sowie der Gruppenschau „30% Löwenzahn“ und stellen dabei, indem sie Wissenschaft, Gesellschaftskritik und eine sinnliche Ästhetik miteinander verknüpfen, das Gegenüber von Natur und Kultur infrage. Laut Katrin Bucher Trantow, Projektleiterin und Chefkuratorin am Kunsthaus Graz, gehe es bei diesem Themenschwerpunkt um nichts Geringeres, als neue Wege zu finden, sich als Gesellschaft zu begegnen. „Bloom ist eine Einladung, Perspektive zu wechseln und Verbundenheit zu erfahren: als Museumsprojekt, das über den Tellerrand hinausdenkt – und für ein breites Publikum, das in ein vielstimmiges Bouquet verwobener Welten eintauchen kann.“ So macht sie deutlich, wie Blumen und Pflanzen Kulturen verbinden, aber auch den Kolonialismus antreiben, wie sie die Wissenschaften inspirieren, dabei Mythen erschaffen und wie sie die Menschen von der Geburt bis in den Tod begleiten.
Im Kunsthaus Graz wird die Britin Helen Chadwick mit einer umfassenden Retrospektive unter dem Titel „Hybrid Pleasures“ gewürdigt und in einen Dialog mit der österreichischen Bildhauerin Liesl Raff gesetzt. Die 1953 geborene und breits 1996 verstorbene Chadwick gilt als Wegbereiterin der „Young British Artists“ und wurde als eine der ersten Frauen für den Turner Prize nominiert. In ihrem radikal sinnlichen Werk erforscht sie mit provokanten Materialien wie Fleisch, Schokolade, Urin und einer Vielzahl von Blumen Körper jenseits von binären Grenzen. Die 1979 geborene Liesl Raff schuf speziell für die Ausstellung eine immersive Installation aus teils händisch gegossenem, organischem Latex, kombiniert mit standardisierten Bühnenelementen, die als weiche Stützen dienen und dadurch auch Plattformen für Live-Performances bieten. Damit erzeugt sie ein physisch erfahrbares Ausstellungsereignis, das traditionelle Schönheitsbegriffe sprengt und sich zugleich in Dialog mit Werken von Chadwick, wie den „Piss Flowers“ aus dem Jahr 1994, stellt.
Die Gruppenschau „30% Löwenzahn“, mit über 30 internationalen Positionen, unter anderem von Karl Blossfeldt, Claude Cahun, Anna Jermolaewa, Jonas Mekas, Sanja Ivekovic, Agnieszka Polska, Ugo Rondinone und Elfie Semotan, weitet sich über das Kunsthaus Graz bis in den Stadtraum aus und plädiert dabei mit verschiedenen Werken, wie dem monumentalen metallenen Löwenzahn von Thomas Stimm, für die Aufgabe des menschenzentrierten Weltbildes. Als Grundlage gilt die Erkenntnis der Bio-Art-Pionierin Suzanne Anker, dass der Mensch rund ein Drittel seines Erbgutes mit der Pflanzenwelt teilt. Zudem werden nicht nur die visuellen und haptischen Reize angesprochen, sondern auch der Geruchssinn dank einer eigens von Nina Schuiki entwickelten Raumduft-Installation. Ergänzt wird der biologisch-sinnliche Schwerpunkt durch die Einzelausstellung „Ein Fußballfeld muss baumfrei sein“ von Markus Huemer, der in der Neuen Galerie durch rund 80 Werke eine konsequente Dekonstruktion des Naturbegriffes herbeiführt. Seine vermeintlichen Pflanzenstillleben und Landschaften basieren gänzlich auf algorithmischen Prinzipien und Bildern aus dem Internet. Somit führt Huemer den Betrachter*innen eine Natur vor Augen, die längst von Algorithmen kolonisiert wurde.
Die Ausstellung „Hybrid Pleasures. Helen Chadwick Supported by Liesl Raff“ ist bis zum 20. September, die Ausstellung „30% Löwenzahn“ bis 8. November zu sehen. Das Kunsthaus Graz hat von Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. In der Neuen Galerie Graz wird die Schau „Markus Huemer: Ein Fußballfeld muss baumfrei sein“ bis zum 30. August ebenfalls dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr präsentiert.
Universalmuseum Joanneum – Kunsthaus Graz
Lendkai 1
A-8020 Graz
Telefon: +43 (0)316 – 8017 9200
Neue Galerie Graz
Joanneumsviertel, Zugang Kalchberggasse
A-8010 Graz
Telefon: +43 (0)316 – 8017 9100 |