Die ferne Welt im Fokus der Albertina  |  | Anton Silberhuber, Die Sphinx und die Pyramiden, Ägypten, um 1890 | |
Die Albertina in Wien widmet sich ab heute in der Schau „Die Welt im Fokus“ der Reise- und Expeditionsfotografie des 19. Jahrhunderts. Kuratorin Anna Hanreich versammelt dazu 107 Fotografien aus der hauseigenen Sammlung sowie Projektionen von mehreren Autochromen. Anhand der Aufnahmen stellt sie unterschiedliche Regionen der Welt vor und erzählt von den wechselnden Machtansprüchen, dem Ausbruch der Mobilität oder der Erschließung von abgelegenen Landschaften und dem aufkommenden Tourismus. Zugleich veranschaulicht Hanreich jedoch auch die Gründe, warum Fotografen auf diese Reisen geschickt wurden, die Bedingungen, unter denen die Aufnahmen entstanden, sowie die Art und Weise, wie diese damals ausgestellt wurden, damit dem Wissenstransfer dienten und die Vorstellungen über entfernte Territorien maßgeblich prägten.
Der militärische Feldzug Napoleon Bonapartes nach Ägypten entfachte im 19. Jahrhundert eine regelrechte „Ägyptomanie“. So wurden ab der Jahrhundertmitte Fotografen beauftragt, Expeditionen zu begleiten, wie Francis Bedford, oder sie reisten aus intrinsischer Motivation dorthin. Das Besondere an diesen frühen Bildern besteht unter anderem darin, dass sie den Zustand von Bauwerken zeigen, bevor weitreichende Veränderungen vorgenommen wurden. Zudem wurden die Fotografien auch im Zusammenhang mit internationalen Ausstellungen präsentiert, wie die Ägypten-Ansichten von Henry Cammas, die er im großen Format für die Erste photographische Ausstellung 1864 in Wien herstellte. Doch nicht nur Ägypten diente als Fotomotiv. Hanreich weist ebenso auf die technischen Herausforderungen anhand des Expeditionsfotografen Wilhelm Burger hin, der 1868/69 die k.k. Ostasienexpedition mit einer schweren Holzkamera sowie einer mobilen Dunkelkammer begleitete.
Das Heilige Land etablierte sich ab den 1830er Jahren als beliebtes Fotomotiv, wie sich am Mappenwerk von Christian Paier ablesen lässt, das er 1864 Kaiser Franz Joseph I. widmete. Hierbei richtete er sein Augenmerk nicht nur auf die heiligen Stätten der drei monotheistischen Religionen, sondern auch auf Denkmäler und Orte, die im Zusammenhang mit biblischen Erzählungen standen. Ein weiteres Themenfeld eröffnet Hanreich mit dem Ausbau der Mobilität, zum einen als Voraussetzung für die Fotografen, um an die abgelegenen Orte zu kommen, zum anderen als Fotomotiv. So ist in der Ausstellung eine umfangreiche Dokumentation von neugeschaffenen Bahnanlagen, von umliegenden Landschaften und der Bevölkerung von Andreas Groll zu sehen. Doch Hanreich denkt nicht nur an die Berufsfotografen, sondern auch Künstlerkreise und Laien, etwa den Amateurfotografen Nathaniel von Rothschild, der 1893/94 eine Reise entlang beliebter Mittelmeerrouten unternahm und mit seinen farbigen Lichtdrucken die gängigen Darstellungsklischees aus dem Orient bediente.
Die Ausstellung „Die Welt im Fokus“ läuft vom 22. Juli bis zum 26. Oktober. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am Mittwoch und Freitag bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 20,90 Euro, ermäßigt 17,50 Euro und ist für alle unter 19 Jahren gratis. Der zweisprachigen Katalog „Die Welt im Fokus/The World in Focus“ kostet 29,90 Euro.
Albertina
Albertinaplatz 1
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