Pedersen und Alfelt in Lübeck  |  | Else Alfelt, Universets blomst nr. 22. Med blomsterlignende cente (Blume des Universums Nr. 22. mit blumen-ähnlichem Zentrum), 1966 | |
Während Carl-Henning Pedersen einer der bekannteren Künstler der europäischen Nachkriegsmoderne ist, geriet seine Ehefrau Else Alfelt nicht zuletzt wegen ihres frühen Todes im Jahr 1974 schnell in Vergessenheit. Für eine Würdigung des Künstlerpaares hat sich die Kunsthalle St. Annen in Lübeck nun mit der Carl-Henning Pedersen Stiftung, ihrem Vorsitzenden Finn Poulsen, mit Christian Gether, dem ehemaligen Direktor des Arken Museums, und dem Institut für Kulturaustausch zusammengetan und richtet ihm eine großangelegte Retrospektive aus. Zu sehen sind über 150 Arbeiten aus vier Jahrzehnten, die die Entwicklung einer Bildsprache nachzeichnen, die aus Widerstand, radikaler künstlerischer Selbstermächtigung und kollektiver Kreativität hervorging.
Die Begegnung von Else Alfelt und Carl-Henning Pedersen markierte den Beginn einer intensiven künstlerischen wie persönlichen Partnerschaft. Sie lernten sich 1933 an der Hochschule „Den Internationale Højskole“ in Helsingør kennen und heirateten schon ein Jahr später. In der Folge war es Alfelt, die eine wichtige Rolle für Pedersens Hinwendung zur Bildenden Kunst spielte. Beide lehnten früh akademische Traditionen ab und schlossen sich den avantgardistischen Gruppen „Høst“ und „Helhesten“ an, die während der deutschen Besatzung Dänemarks aktiv Stellung gegen die nationalsozialistische Ideologie bezogen und sich mit den verfemten Positionen der „Entarteten Kunst“ solidarisierten.
1948 wurden beide Teil der internationalen CoBrA-Bewegung, die nach den Traumata des Zweiten Weltkriegs eine Kunst jenseits gesellschaftlicher und akademischer Zwänge vertrat. Als Gründungsmitglied beeinflusste Pedersen mit seinem farbintensiven, gestisch-expressiven, von nordischer Mythologie, Folklore und Kinderzeichnungen geprägten Stil die Bewegung nachhaltig. Alfelt hingegen blieb ihrer eigenen Bild- und Formensprache treu. Ihre Arbeiten übersetzen Natur, Spiritualität und kosmische Vorstellungen in reduzierte und kristalline Bildräume aus Bergen, Monden und Sonnen, die sich bewusst von der Ästhetik von CoBrA unterschieden. Aufenthalte unter anderem in Island, Italien, Indien und Japan erweiterten ihre Motivwelten und führten zu formalen und thematischen Transformationen. Die Schau schließt mit Pedersens Spätwerk, das nach Alfelts Tod noch über drei Jahrzehnte aus dieser künstlerischen Verbindung schöpfte und sie zugleich reflektierte.
Die Ausstellung „Dimensionen der Freiheit. Carl-Henning Pedersen und Else Alfelt“ ist bis zum 25. Oktober zu sehen. Die Kunsthalle St. Annen hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Lübeck Day Pass ist die Tageskarte für alle im Verbund der Lübecker Museen zusammengeschlossenen Häuser und kostet 14 Euro; für Personen bis zu 18 Jahren, Schüler*innen, Student*innen und Auszubildende ist der Eintritt kostenlos.
Kunsthalle St. Annen
St. Annen-Straße 15
D-23552 Lübeck
Telefon: +49 (0)451 – 122 4137 |