Bruegel im Städel  |  | in der Ausstellung „Bruegel. Printed“ | |
Das Städel Museum in Frankfurt widmet sich in der aktuellen Schau „Bruegel. Printed“ den Druckgrafiken von Pieter Bruegel d.Ä. Der bedeutende niederländische Künstler des 16. Jahrhunderts entwarf bereits früh Grafiken und machte sich damit einen Namen. Aus seinem Schaffen präsentiert die Kuratorin Astrid Reuter etwa 45 Blätter, 30 davon aus der eigenen Sammlung, nach Zeichnung des Meisters und gliedert die Arbeiten in fünf Kapitel: Ein Einblick in das Leben und druckgrafische Werk Bruegels, die Tätigkeit seines Verlegers Hieronymus Cock, die Motivwahl von Landschaften, die Darstellung der Tugenden und Laster und schließt mit der Rezeption seines Werks. Hierbei zeigt sich die Kraft der Erfindung und der Erzählung des Künstlers. Ergänzend sind zwei Gemälde seines Sohnes Pieter Breughel d.J. sowie weitere Blätter aus dem Museumsbestand von Künstlern wie Frans Floris, Lambert Lombard und Raffael zu sehen.
Pieter Bruegel d.Ä. war ein bereits zu Lebzeiten anerkannter Maler, allerdings ist nur wenig über ihn bekannt. Geboren wurde er um 1525/30 vermutlich in Breda. Bereits 1551 trat er in Antwerpen in die Malergilde ein und reiste auch nach Italien, wo er bis 1554 blieb. Seine ersten künstlerischen Erfolge feierte Bruegel mit seinen Grafiken, der Malerei wandte er sich erst Ende der 1550er Jahre zu. 1563 zog er nach Brüssel und starb dort bereits 1569. Seine Grafiken entstanden in enger Kooperation mit dem Antwerpener Verleger Hieronymus Cock und dessen Frau Volcxken Diericx, die die Zeichnungen Bruegels etwa von Pieter van der Heyden, Philips Galle oder Joannes und Lucas van Doetecum stechen ließen.
Bruegels Bildwelten kombinieren Beobachtungen und Fantasie, die auf seine Vorliebe für die eigenwilligen Sujets aus dem Schaffen Hieronymus Boschs und eine breite Kenntnis von Bild- und Motivtraditionen hinweisen. Hieraus entwickelte Bruegel neue Darstellungsformen für traditionelle Themen. Seine oft mit Übertreibungen gestalteten Kompositionen sollten sowohl erheitern, als auch zum Nachdenken anregen. All dies illustriert etwa der Kupferstich „Patientia“, die Geduld, von 1557: Das zerbrochene Ei auf Beinen erinnert an Bosch, ist aber zugleich modifiziert; das seltsame Fischboot mit mehreren kleinen kurzen Beinchen trägt einen Angler, der möglichst umständlich einen Fisch fängt; ein groteskes Hybridwesen liegt auf dem Rücken, hält eine Laute mit den Füßen und versucht, auf ihr zu spielen. Was in seiner Umständlichkeit zunächst lustig wirkt, wechselt zur Überlegung, wieviel Geduld für derlei Tätigkeiten notwendig ist, die man sich selbst unnötig erschwert.
In seinen Arbeiten wandte sich Pieter Bruegel d.Ä. den menschlichen Schwächen und Missständen zu, verwies in den Landschaften auf die Größe der Natur, blickte auf das alltägliche Miteinander und vermittelte auch für die Gegenwart grundlegende Fragen menschlicher Werte. Die hohe Wertschätzung seiner Werke resultierte in den vielen Wiederholungen, Variationen und Fortentwicklungen seiner Blätter. So waren etwa Szenen aus dem bäuerlichen Landleben sehr beliebt, die sein Sohn Pieter Breughel in seine eigenen Kompositionen aufnahm und die Bildgestaltungen seines Vaters weiterführte.
Die Ausstellung „Bruegel. Printed“ läuft bis zum 20. September. Das Städel Museum hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 19 Euro, ermäßigt 17 Euro; für Kinder unter zwölf Jahren ist er frei.
Städel Museum
Schaumainkai 63
D-60596 Frankfurt am Main
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