100 Jahre Amalienbad in Wien  |  | Vor 100 Jahren wurde das Amalienbad in Wien eröffnet | |
Das Amalienbad gilt als Prunkstück unter allen Wiener Badeanstalten. „Auch für Nichtschwimmer. 100 Jahre Amalienbad und das Bäderwesen im Roten Wien“ lautet der Titel einer Ausstellung im Waschsalon des Karl-Marx-Hofes der österreichischen Metropole. Die Jubiläumsschau nimmt die avantgardistische Architektur, die prächtige Inneneinrichtung, in der besonders die Ausstattung im Sinne des Art Déco kunsthistorisch von Belang ist, sowie den Alltag und die Geschichte des Volksbades in den Blick. Da Architektur schwer ausstellbar ist und das Bad als Hauptexponat selbst besucht werden kann, gestaltete das Kuratorenteam aus Lilli Bauer und Werner T. Bauer die aufschlussreiche Ausstellung in der Form von Textaufstellern, in die die Pläne, historische Fotografien und Dokumente eingefügt sind. Die Geschichte des Bades verfolgt die Schau über zwei Generalsanierungen in den 1980er Jahren und 2012 hinweg bis in die Jetztzeit. Ergänzend geht sie weiter auf die allgemeine Situation des Badewesens in Wien ein, beginnend mit dem seit 1822 bestehenden Theresienbad, und nimmt die einzelnen bestehenden Hallen- und Wannenbäderanstalten, Strombäder, Volks-, Sommer- und Strandbäder summarisch in den Blick.
Bereits drei Jahre nach dem Beschluss der Gemeindeverwaltung des zehnten Wiener Bezirkes Favoriten, eine moderne Badeanlage zu errichten, konnte am 8. Juli 1926 Bürgermeister Karl Seitz das nach der Gemeinderätin Amalie Pölzer benannte Schwimmbad eröffnen. Bis heute erfüllt der in einer Stahlskelettbauweise nach Plänen der Architekten Karl Schmalhofer und Otto Nadel errichtete Badepalast seine Bestimmung. Der hohe mittelachsige Wasserturm teilt den Komplex in zwei Bereiche: Links ist der Männer-, rechts der Frauentrakt. Die monumentale, im Stil der Neuen Sachlichkeit und des Art Déco gehaltene Hauptfront zum Reumannplatz zieren zweieinhalb Meter hohe Frauengestalten des Bildhauer Karl Stemolak. Die Figuren an den Seitenfassaden schuf Theodor Igler. Schon im Foyer zeugt leuchtend bunte Keramik von der luxuriösen Ausstattung, die sich in der Verwendung von Kupfer, Messing oder weißem Marmor fortsetzt. Genau dies brachte dem Bau viel Kritik von konservativen Seite ein, die dies für ein Proletarierviertel als nicht adäquat ansah.
Herzstück im Innern ist die große Schwimmhalle mit einem 33 Meter langen, zwölfeinhalb Meter breiten und bis zu fast fünf Metern tiefen Becken, das auf massiven Stahlbetonträgern ruht und auch für Sportwettkämpfe ausgelegt war. Zusätzlich ist ein Kinderbassin vorhanden. Früher ließ sich das Glasdach bei heißen Temperaturen im Sommer elektrisch öffnen. An den Seiten finden sich neben Tribünen zwei Galerien mit 553 Umkleidekabinen. Dem nicht genug: Der voluminöse Baukomplex besaß ursprünglich einen Wannenbädertrakt mit 250 Brausen und 70 Wannen, da die meisten Wohnungen seinerzeit noch kein eigenes Bad besaßen. Für 20 Groschen, heute rund ein Euro, konnte man damals duschen. Auch Bäder mit Heißdampf- und Heißluftkammern, Kalt- und Warmbecken sind bis heute vorhanden. Im Dampfbad sind die das runde Wasserbecken umgebenden, palmenartig im Stil des Art Déco verzierten Säulen ein besonderer Blickfang. Die farbige Innenausstattung und die prächtigen Mosaikfliesen stammen aus den kunstkeramischen Werkstätten der Brüder Schwadron. Eine Heil- und Kurabteilung mit Schlamm- oder elektrischen Bädern und ein Friseursalon fehlten ebenfalls nicht. Insgesamt für 1.300 Besucher konzipiert, galt es seinerzeit als größte Badeanstalt in Mitteleuropa. Pro Tag wurden im Kesselhaus 25 Tonnen Kohle verheizt.
Die Ausstellung „Auch für Nichtschwimmer. 100 Jahre Amalienbad und das Bäderwesen im Roten Wien“ ist noch bis zum 5. September zu sehen. Der Waschsalon Nr. 2 im Karl-Marx-Hof hat donnerstags von 13 bis 18 Uhr, sonntags von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der an der Kasse 38 Euro kostet.
Das Rote Wien – Waschsalon Nr. 2
Karl-Marx-Hof
Halteraugasse 7
A-1190 Wien
Telefon: +43 (0)664 – 88 54 08 88 |