Simone Forti gestorben  |  | Simone Forti ist mit 91 Jahren gestorben | |
Simone Forti ist tot. Die Performance-Pionierin, die seit mehreren Jahren an einer Parkinson-Erkrankung litt, starb in der vergangenen Woche in Los Angeles. Sie wurde 91 Jahre alt. Die als Tänzerin ausgebildete US-Amerikanerin, die auch als Malerin und Choreografin tätig war, entwickelte in New York eine eigene Ausdrucksform zwischen Tanz, Skulptur und Performance. Forti arbeitete unter anderem mit Dan Graham, Robert Morris, Yvonne Rainer, Nam June Paik, Steve Paxton, Robert Whitman und anderen Fluxus-Künstlern zusammen. Gemeinsam mit Whitman entwickelte Forti die Aktionskunst der „happenings“, bei der eine Aktion vorbereitet wird, der genaue Ablauf aber offen bleibt und das Publikum einbezogen wird. Darüber hinaus war sie die Begründerin des Minimalismus im Tanz und eines neuen Körperbewusstseins. In ihren „Dance Constructions“ prägte sie zu Beginn der 1960er Jahre die Entwicklung der Performance- und Tanzkunst. Anstelle einer festen Choreografie setzte Forti auf minimale Anleitungen, Improvisation und Zufall wie auch auf alltägliche Materialien, darunter Seile, Bretter oder Kisten. Es gelang ihr damit, das Verständnis von Tanz als alltägliche Bewegung einzuführen.
Im März 1935 als Simonetta Forti in Florenz geboren, musste sie Ende der 1930er Jahre gemeinsam mit ihrer jüdischstämmigen Familie aus dem faschistischen Italien flüchten. Über die Schweiz emigrierten sie in die USA. Ihre Ausbildung zur bildenden Künstlerin begann Forti am Reed College in Portland und traf dort auf den Minimalisten Robert Morris, den sie heiratete. 1956 zog sie nach San Francisco und begann, gemeinsam mit ihrem Mann in Anna Halprins „Dancer’s Workshop“ eine Tanzausbildung. Weitere Lehrer Fortis waren Martha Graham oder Merce Cunningham.
Im Loft von Yoko Ono in Manhattan führte Simone Forti im April 1961 ihr Programm „An Evening of Dance Constructions“ auf. Im Stück „Herding“ wurden dabei die anwesenden Zuschauer durch die Performer mehrere Male von einem Ende des Raumes zum anderen herumgetrieben. „Diese ungewöhnliche Performance wirkte aufgrund ihrer unaufdringlichen Demonstration eingeschränkter Macht skurril und nicht grob. Daher protestierte niemand“, schrieb ihre damalige Studienkollegin Yvonne Rainer. Ihre ebenfalls 1961 uraufgeführte Choreografie „Huddle“ war entscheidend für die Entwicklung der Konzeptkunst, des Minimalismus und der Performance: Die Akteure bilden eine Struktur aus ihren Körpern, von der sich einige in steter Bewegung lösen, um dann wieder an ihr hochzuklettern und erneut Teil der Gruppe zu werden.
Die Basis für Fortis Performances bildet das Bedürfnis, das eigene körperliche Unbehagen zu nutzen. So bestehen ihre Tanzkonstruktionen zunächst nur aus knappen Textanleitungen, die von den Performern zu bildhauerischen Arbeiten geformt werden. Allerdings sollen sich die Stücke nicht entwickeln, sondern nur gleichbleibend im Raum platziert werden und ähnlich einer Skulptur erfahrbar sein. So wurde auch bei „Huddle“ eine Menschengruppe zu einer Skulptur, in der die Bündelung der Kräfte wirksam wird. Später integrierte Simone Forti etwa noch Tierbeobachtungen, Sprache, Zeitungslektüre und Improvisation in ihre Werke.
Forti, die sich selbst als Bewegungskünstlerin bezeichnete, unterrichtete unter anderem an der School of Visual Arts in New York, beim American Dance Festival in Durham oder an der University of California in Los Angeles. Das Salzburger Museum der Moderne widmete der Künstlerin 2014 eine Werkschau, im Folgejahr erwarb das New Yorker Museum of Modern Art die „Dance Constructions“ von Forti. 2023 wurde Simonetta Forti während der Tanzbiennale in Venedig für ihr Lebenswerk mit dem Goldenen Löwen geehrt und erhielt eine Retrospektive im Museum of Contemporary Art in Los Angeles. |