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Wien nimmt den Sonderweg des österreichischen Möbeldesigns zwischen barocker Tradition und minimalistischem Habitus in den 1950er Jahren in den Blick

Im sicheren Fahrwasser ästhetischer Traditionen



in der Ausstellung „Made in Austria. Möbeldesign 1948-1960“

in der Ausstellung „Made in Austria. Möbeldesign 1948-1960“

Wer in der Ausstellung „Made in Austria. Möbeldesign 1948-1960“ eine Auswahl schwungvoll gestalteter Möbel mit organischen Nierenformen, unaufdringlichen Fleckenmustern oder Schirmen in Eistütengestalt erwartet, wird wohl weitgehend enttäuscht werden. Im Vergleich zu dem, was gemeinhin mit dem fantasievollen Design der Nachkriegszeit in Deutschland verbunden wird, setzte sich die Raumausstattung bei den Österreichern in eher traditionellen und starren Entwürfen ab. Die Vielfalt der Möbelformen zu jener Zeit macht einen Überblick über diese Periode denn auch nicht gerade einfach. Nun widmet sich das Möbel Museum im Wiener Hofmobiliendepot in einer Ausstellung erstmals umfassend diesem Thema. In der Person von Eva B. Ottillinger fand sich eine fachkundige Kuratorin, die am Beispiel von rund 120 Exponaten in sechs thematischen Gruppen eine übersichtliche Struktur in das weit aufgesplitterte Metier bringt.


Einleitend geht die Ausstellung auf das Fundament und die Besonderheiten des österreichischen Möbeldesigns ein. Exemplarisch steht dafür der 1948 von Hans Wölfl entworfene Armlehnsessel mit Korbgeflecht und Sitzpolster aus Baumwolle samt einem erdfarben abgetönten Blattmuster, das Josef Frank Ende der 1920er Jahre arrangiert hatte. Bereits hier zeigt sich das Beharren auf der Formenwelt der 1930er Jahre. Als Anregung diente dabei das wirkmächtige Schaffen des bedeutenden Wiener Architekten und Designers Josef Frank, obgleich er seit 1933 in Schweden arbeitete. Charakteristisch für die ersten Nachkriegsjahre waren zudem zylinderförmige Luster aus bronziertem Drahtgitter, Glasbehang und Bronzeblech, wie sie Carl Appel schuf. Vor allem die Neugestaltung öffentlicher Bauten gab damals wichtige Impulse für die Innenarchitektur und den Möbelbau. Allen voran gilt dies für die Ausstattung der Präsidentschaftskanzlei im Leopoldinischen Trakt der Hofburg, die Vorbildfunktion genoss. Sie erfolgte aus vorhandenen kaiserlichen Beständen sowie mit neu gefertigten, an die Bedürfnisse des Alltags angepassten Möbeln, darunter großen, weiß-golden gefassten Neorokoko-Schreibtischen.

Dagegen entwickelte Oswald Haerdtl, ein in der Tradition Josef Hoffmanns stehender, zu den produktivsten Architekten und Designern der Nachkriegsjahre zählender Gestalter, für die Leitungsetage im Bundeskanzleramt im teilzerstörten Ballhaus ein modernes Ambiente. Zu den Höhepunkten zählen hier der mit den Wappen der Bundesländer verzierte Aktenschrank im Arbeitsraum des Sekretärs, klobige Schreibtische, mit Samt bezogene schwere Sitzgruppen sowie mit Messingteilen verzierte Beistelltische, die mit ihren kunstvollen Holzmarketerien etwas sonderbar an das Rokoko denken lassen. Haerdtls Entwürfe wurden als Leistungsschau des österreichischen Kunsthandwerks und als politisches Statement gleichermaßen verstanden. Die Pulte im neuen Nationalratssaal des Parlaments gestalteten die Architekten Max Fellerer und Eugen Wörle mit Messingbeschlägen in klarer und ernster Ausprägung und gaben ihnen Ledersessel bei.

Abseits der repräsentativen Staatsbauten erwies sich das Café „Arabia Espresso“ als Vorzeigeort für das neue Design. Leichte Stühle mit Kunstleder- oder Stoffbezügen, kleine Tischchen mit Resopalflächen und Füßen aus Aluminium bildeten das durch blütenförmige Kristallglas-Wandleuchter oder Luster sowie Vorhänge mit Blütenmustern ergänzte Flair, mit dem Oswald Haerdtl in der Nachkriegszeit südliche Unbeschwertheit und Lebensfreude nach Wien holte. Die vielen kleinen Cafés und Lokale für den schnellen Kaffeegenuss nach dem Büroalltag oder dem Einkauf, die die italienische Espresso-Kultur in die traditionelle Kaffeehaus-Metropole importierten, sorgten damals für angeregte Diskussionen.

Dann kommen die Einrichtungen für neue Wohnungen zum Zug. Trotz Kriegszerstörungen, Mangelwirtschaft und Materialknappheit war die von den Handelskammern und den Gewerkschaften etablierte Initiative „Soziale Wohnkultur“, abgekürzt SW, bemüht, erschwingliche Möbel für breite Schichten zu schaffen. Ein neu gegründeter „Verein für soziale Wohnkultur“ legte Qualitätsmaßstäbe fest, übernahm die Vorfinanzierung von Serien und nahm Produzenten unter Vertrag. Ziel einer Serienproduktion von Entwürfen ausgewählter Architekten waren erschwingliche, zeitgemäße Wohn-, Schlafzimmer- oder Küchenmöbel, die der Verein in Katalogen und Ausstellungen propagierte. Das leichte Design orientierte sich wiederum an Vorläufer aus der Zwischenkriegszeit, speziell an Josef Frank. Zweckmäßige Kastenmöbelsysteme und leichte Stühle mit klaren Formen aus heimischen Hölzern waren den Bedürfnissen neuer Wohnungen angepasst. Ab 1958 wurden auch sie dekorativer und teurer; der wirtschaftliche Aufschwung nach 1960 ließ die Initiative dann überflüssig werden.

Ein großer Abschnitt widmet sich im Anschluss Möbelproduzenten und Architekten, die in Österreich fast ausschließlich Mobiliar entwarfen. Ein ausgesprochen textlastiges Kaleidoskop stellt sie ausführlich vor. Noch aus dem SW-Möbelprogramm stammen die vom Hersteller Franz Lausch aus vorgefertigten Massivholzteilen produzierten Hocker und kleinen Tischchen der Marke „Connexi“, deren runde, drei- oder viereckige Tischoberflächen mit farbigem Kunststoff überzogen sind. In vielen Varianten zeigen sich Sprossenstuhltypen. Die Stühle, die sich durch markante, aus Holzstäben bestehende Rückenlehnen auszeichnen, waren vielfach als Lese-, Schreib- oder Esstischsessel einsetzbar. Von den Architekten Franz Schuster und Oskar Payer gestaltet, wurde das auch unter der Bezeichnung „Austro-Sessel“ firmierende Möbel vom Bautischlerbetrieb Wiesner-Hager schon als Teil des SW-Programms produziert.

Zu den erfolgreichsten Unternehmen der Branche gehörte die Werkstätte Hagenauer. Die Einfachheit ihrer Möbelformen stand in der Tradition des Biedermeiers und des „Neuen Wiener Wohnens“ der 1930er Jahre. Neben Hockern oder Standspiegeln sind aus ihrem Sortiment dekorative Metallarbeiten, etwa besonders extravagant gebogene Leuchter, zu sehen. Unter den vielen Sitzmöbeln ist der vom Architekten Roland Rainer entworfene und von der Firma Emil & Alfred Pollak produzierte Stadthallensessel hervorzuheben, der in vielen öffentlichen Einrichtungen Wiens vorhanden war. Der stapelbare Armlehnstuhl bestach durch eine perforierte und gebogene Sitz- und Rückenlehne. Der in Deutschland vor allem durch das „Vierzylinder“-Hochhaus von BMW in München bekannte Architekt Karl Schwanzer entwickelte als Gegenmodell den von der traditionsreichen Wiener Firma Thonet gefertigten Stapelstuhl A 364 mit gepolsterter Sitzfläche und Rückenlehne. Das Spektrum der Schau reicht bis zu Möbeln aus Stahldraht, Stabeisen oder Rohrgeflecht für Gärten, Krankenanstalten oder Terrassen. Durch ihren skelettartigen Duktus nahmen die Entwürfe von Carl Auböck III. eine eigenständige Formensprache ein. Der Spezialhersteller kombinierte seine Hocker, Servierwagen Metallschalensessel teils auch mit Rohrgeflecht.

Den Ausklang der Ausstellung bestreiten dann komplette Einrichtungen von Zimmern, die im Laufe der Jahre Eingang in den Museumsfundus fanden. Da trifft man zunächst auf eine klare, kantige Arbeits- und Wohnzimmereinrichtung von Margarete Schütte-Lihotzky, die als Erfinderin der „Frankfurter Küche“ berühmt wurde. Ihr Trio aus Bücherschrank, Klapptisch und Anrichte in glattem Nussbaumholz steht zum Zeitpunkt der Fertigung im Jahr 1952 noch in der Tradition der 1920er Jahre. Den Sprung zum Ende des Jahrzehnts offenbart augenfällig eine vom Innenarchitekten Oskar Riedel 1959 ersonnene Esszimmer-Sitzecke. Farbige Polsterungen, geschweifte Stuhl- und Tischbeine, Zierleisten, Messingbeschläge oder Intarsia demonstrieren den aufkommenden Wohlstand und die gehobenen Ansprüche. Doch auch hier tritt die Grundtendenz der gesamten Möbelproduktion dieser Zeit deutlich hervor: Weniger Verspieltheit, dafür Solidität, Pragmatismus und Zeitlosigkeit beherrschen durchgängig die Marke „Made in Austria“.

Die Ausstellung „Made in Austria. Möbeldesign 1948-1960“ ist noch bis zum 8. Dezember zu sehen. Das Möbel Museum Wien hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 20 Euro, ermäßigt 12 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 35 Euro kostet.

Kontakt:

Hofmobiliendepot. Möbel Museum Wien

Andreasgasse 7

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 524 33 57

Telefax:+43 (01) 524 33 57 666

E-Mail: info@hofmobiliendepot.at

Startseite: www.hofmobiliendepot.at



19.08.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


15.04.2026, Made in Austria. Möbeldesign 1948-1960

Bei:


Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.

Kunstsparte:


Lampen

Kunstsparte:


Möbel

Kunstsparte:


Design

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Stilrichtung:


Design des 20. Jahrhunderts

Bericht:


Zappel Philipp

Variabilder:

Margarete Schütte-Lihotzky, Klapptisch, Wandschrank und Betthaupt, 1952
Margarete Schütte-Lihotzky, Klapptisch, Wandschrank und Betthaupt, 1952







Margarete Schütte-Lihotzky, Klapptisch, Wandschrank und Betthaupt, 1952

Margarete Schütte-Lihotzky, Klapptisch, Wandschrank und Betthaupt, 1952

Oskar Riedel, Pfeilerschrank für das Wohnzimmer, 1959

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Oskar Riedel, Esszimmer, 1959

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Verschiedene Lampenkreationen von J.T. Kalmar, Karl Hagenauer und Rupert Nikoll aus den 1950er Jahren

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in der Ausstellung „Made in Austria. Möbeldesign 1948-1960“

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Max Fellerer und Eugen Wörle, Abgeordnetenbank und Lederfauteuils, um 1955/56

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