Simon Hantaïs Farbfest in Baden-Baden  |  | Simon Hantaï, Étude pour Pierre Reverdy, 1969 | |
„Entfaltung der Farbe“ heißt die Ausstellung, mit der das Museum Frieder Burda in Baden-Baden ab diesem Wochenende einen wichtigen Vertreter der internationalen Nachkriegsmoderne würdigt, der gegenüber seiner Wahlheimat Frankreich in Deutschland unterrepräsentiert ist: Simon Hantaï. Der 1922 geborene ungarische Maler, der 1948 nach Paris emigrierte, leistete dort einen eigenständigen Beitrag zur Entwicklung der freien Abstraktion. Für die Werkschau, die erste seit mehr als 25 Jahren in einem deutschen Museum, konnte sich Kurator und Museumsdirektor Daniel Zamani auf die Archives Simon Hantaï in Paris stützen und hat rund 40 teils monumentale Werke aus vier Jahrzehnten ausgewählt, die einen Überblick über das Schaffen von Hantaï geben, der bereits 1959 mit seinem Frühwerk an der Documenta in Kassel teilnahm, 1980 mit dem Grand Prix national des Arts Plastiques ausgezeichnet wurde und zwei Jahre später Frankreich auf der Biennale in Venedig vertrat.
Nach seiner Ankunft in Paris arbeitete Simon Hantaï Ende der 1940er Jahre zunächst im surrealistischen Stil und experimentierte mit unterschiedlichen Techniken wie Collage, Frottage und Décalcomanie. Bald löste er sich aber schon aus dem Umfeld des Surrealismus und ging zu einer gestischen Abstraktion über. Neben der Auseinandersetzung mit der Malerei des Informel spiegeln die Werke aus dieser Periode seine Faszination für den Abstrakten Expressionismus in den USA wider, insbesondere das Action Painting Jackson Pollocks. Das Jahr 1960 markierte einen weiteren Wendepunkt in Hantaïs Schaffen: Fortan konzentrierte er sein künstlerisches Tun auf die sogenannte „Pliage“, auf Werke, in denen er die gefaltete, zerknitterte oder geknotete Leinwand mit Öl- oder Acrylfarbe bedeckte, um beim Entfalten und Glattziehen des Stoffes farbig leuchtende Zufallsmuster zu erzeugen. Neben einzelnen Arbeiten aus Hantaïs Phase der gestischen Abstraktion liegt der Fokus in Baden-Baden auf den „Pliage“-Werken, deren Entwicklung Zamani von den frühen „Mariales“ bis zu den späten „Tabulas“ nachverfolgt und damit nach seinen Worten ein „sinnlich bewegendes Fest der Farbe“ feiert.
Die Ausstellung „Entfaltung der Farbe. Simon Hantaï“ läuft vom 15. August bis zum 10. Januar 2027. Das Museum Frieder Burda hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 16 Euro, ermäßigt 12 Euro. Für Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren kostet der Besuch 6 Euro, ab 6 Jahren 2 Euro, darunter ist er kostenlos. Der Katalog aus dem Hirmer Verlag in deutscher und englischer Sprache ist im Museum für 39 Euro zu haben.
Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8b
D-76530 Baden-Baden
Telefon: +49 (0)7221 – 39 89 80 |