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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rückblick: Hohen Steigerungen und einer guten Verkaufsquote standen im Evening Sale bei Lempertz auch einige Schwachpunkte vor allem bei den Klassikern des 20. Jahrhunderts gegenüber

Mathematische Spielfreude



Zdenek Sýkora,  Linie Nr. 145, 1998

Zdenek Sýkora, Linie Nr. 145, 1998

Zdenek Sýkora ist bei Lempertz gut aufgehoben. Schon mehrmals erzielte der Kölner Versteigerer für den tschechischen Maler unerwartet hohe Preise. Die großen internationalen Auktionshäuser konnten erst vor zwei Jahren Lempertz den Rekordwert für die auf den ersten Blick freien, aber genau konstruierten Linienspiele abjagen: Den hält nun Sotheby’s in knappem Vorsprung mit 750.000 Pfund für die „Linie Nr. 94“ aus dem Jahr 1992, nachdem Lempertz im Sommer 2021 mit 860.000 Euro für die „Linien Nr. 31 aus dem Jahr 1985 vorgeprescht war. Aber auch bei der letzten Auktionsrunde in Köln lief für den 2011 verstorbenen Sýkora bei seiner „Linie Nr. 145“ alles glatt. Hier ging es ihm 1998 wiederum um die produktive Verbindung von systematischer Ordnung und kontrolliertem Zufall: Parameter wie Richtungswechsel, Segmentlängen, Krümmungen und Farbintervalle ließ er durch computergestützte Zufallsberechnungen exakt bestimmen. Heraus kam ein Quadrat mit viel leerem Weißraum, auf das Sýkora lediglich fünf, teils schwungvolle Farbadern aufbrachte und einen runden hellblauen Punkt in die Nähe des oberen Bildrands genau kalkuliert setzte. Das überzeugte die Käufer, die den Preis für die Leinwand von 200.000 Euro mit 480.000 Euro mehr als verdoppelten.


Von den 55 Positionen, die Lempertz aus seinem gesamten Angebot an Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts für seinen „Evening Sale“ am 5. Juni zusammengestellt hatte, gingen 37 letztendlich weg, was einer respektablen Verkaufsrate von 67,3 Prozent entspricht. Sie brachten es zusammen auf einen Bruttoumsatz von gut 6,5 Millionen Euro. Dieser Betrag hätte noch etwas höher liegen können, wenn einige der Highlights noch Abnehmer gefunden hätten. So ließ sich etwa der Vorbehaltszuschlag in Höhe von 400.000 Euro für Pierre-Auguste Renoirs Kinderportrait „Coco mangeant sa soupe“ nicht realisieren. Der einfühlsame Blick des Impressionisten auf seinen jüngsten Sohn aus dem Jahr 1905 war für 500.000 bis 600.000 Euro angesetzt. Damit hatte das Worcester Art Museum aus Massachusetts gerechnet, das Lempertz insgesamt vier Werke anvertraut hatte, um seinen Ankaufsetat aufzubessern. Wenigstens kann es jetzt auf die 40.000 Euro für Maurice Utrillos stille Vedute „Église de Murato“ auf Korsika (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR), die 70.000 Euro für Bernard Buffets schlichtes Blumenstillleben „Quatre Zinnias“ von 1967 (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR) und die guten 150.000 Euro für Karl Hofers in sich gekehrtes Mädchen mit Kürbissen um 1929/30 bauen (Taxe 120.000 bis 140.000 EUR).

Gerade im Moderne-Sektor standen sich Soll und Haben öfters gegenüber. So war es für Wilhelm Lehmbruck ein Leichtes, seiner Favoritenrolle gerecht zu werden. Seine „Frauenbüste (Büste Frau L.)“ brachte denn auch mehrere Zutaten für einen gelungenen Verkauf mit: Lehmbruck schuf die Skulptur um 1910 eigenhändig nach dem Modell seiner Frau Anita im selten verwendeten Material Marmor, sie gilt als Wendepunkt im Schaffen des Expressionisten und war 114 Jahre über vier Generationen hinweg in derselben Familie beheimatet, nachdem sie der Kölner Mäzen Hermann Hertz auf der berühmten Sonderbundausstellung 1912 direkt vom Künstler erworben hatte. Die sinnlich Melancholische ergatterte nun 640.000 Euro (Taxe 500.000 bis 700.000 EUR). Ausfälle gab es dagegen bei Erich Heckels farbintensiver konturenreicher „Einfuhr in die Scheune“ aus bester Brücke-Zeit von 1909 (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR) oder zum 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker. Ihre beiden vereinfachten Formen auf den Kinderbildnissen „Brustbildbild zweier Jungen vor Landschaft“ (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR) und „Drei sitzende Kinder in Landschaft“ wollte niemand haben (Taxe 160.000 bis 180.000 EUR).

Auf der Gewinnerseite standen dafür Gabriele Münters Bäuerin mit Harke und ihre Tochter, die sie 1931 „Vor der Kirche“ irgendwo in Oberbayern sah, für 180.000 Euro (Taxe 140.000 bis 160.000 EUR) und Marianne von Werefkins expressiv farbleuchtende und eher mondäne Ansicht des „Lago Maggiore“ um 1922 für den gleichen Wert an der oberen Schätzgrenze. Für das neue Menschenbild des Bauhauses war dann Oskar Schlemmer zuständig. Der mit Öl auf Papier entwickelte „Raum mit sieben Figuren“ von 1937, in dem sich geometrische Strenge und persönlicher Ausdruck verbinden, ließ sich abermals bei 180.000 Euro gut an (Taxe 150.000 bis 180.000 EUR). Da zog auch Ernst Barlach nach und entließ seinen Lebzeitenguss des knienden „Zweiflers“ von 1930 in der Unsicherheit eines Glaubenden erst bei 74.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Bei den Franzosen animierte Henri Le Sidaner mit seiner postimpressionistischen Herbstvedute „Les Petites barques“ von 1923 die Käufer, die für die aus flirrenden Farbpunkten komponierte Ansicht der bretonischen Stadt Quimper 110.000 Euro spendierten (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR).

Die Nachkriegskunst setzte mit ungegenständlichen Positionen ein, darunter mit Josef Albers’ dunkler „Study to homage to the square: Small and large Dark against light Brown“ von 1954, die sich mit 280.000 Euro an die Vorgaben hielt. Richard Paul Lohses „Acht systematische Farbreihen“, ein Paradebeispiel der Konkreten Kunst mit einer exakt ausgerechneten Anordnung bunter Farbquadrate von 1955/67, spielten 75.000 Euro ein (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), Carlos Cruz-Diez’ „Physichromie No. 548“, ein Op-Art-Werk von 1971 mit Kunststofflamellen vor einem Farbgrund und scheinbar schwebenden Rechtecken, desgleichen gute 83.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Für den 2016 in Berlin verstorbenen Syrer Marwan schießen die Preise seit einigen Jahren in die Höhe. Diesmal war es wieder eine seiner zerlaufenden Gesichtslandschaften aus dem Jahr 1977, die anstatt der vorgesehenen 90.000 Euro hohe 200.000 Euro generierte.

Während Hans Arps ausgeschnittener organisch-abstrakter Bronze „Architektonische Skulptur“ von 1958 bei 250.000 bis 300.000 Euro und Max Ernsts Spätwerk „L’Ecclésiaste (Opus Dei)“ von 1963 bei 100.000 bis 150.000 Euro kein Erfolg beschieden war, hatte Georg Baselitz mit seiner radikalen Neubestimmung des Figurativen keine Probleme: Die auf dem Kopf stehende, grobschlächtige Gesichtsform unter dem Titel „Borcke“ von 1986 durfte sich über 420.000 Euro freuen (Taxe 400.000 EUR). Eduardo Chillida folgte mit seiner kleinen Skulptur „Óxido G-196“, einer schwarz bemalten Tonarbeit von 1990, die sein Credo „Die Grenze ist der eigentliche Protagonist des Raums“ deutlich umreißt, bei 130.000 Euro (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR), Imi Knoebel mit einem titellosen Malereirelief, bei dem er 1982 auf verschiedene Materialreste zurückgriff, bei 90.000 Euro (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR).

Auf eine rege Nachfrage stießen zudem die beiden Textilbilder Cosima von Bonins, bei der sie auf die lispelnde Ente Daffy Duck aus der Trickfilmserie „Looney Tunes“ zurückgriff: der exzentrische Antiheld kam in der Stoffarbeit „Dandy Doc (The Apprentice #5)“ von 2009 auf 75.000 Euro (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR), mit hinterlistigem Lächeln bei „Doc Daffy“ von 2025 auf 110.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Ein Tier-Mensch-Mischwesen nutzte gleichfalls Yoshitomo Nara in seinem ikonischen Gemälde „Bunny in Blue“ von 1997. Die Kombination aus kindlicher Bildsprache und psychologischer Tiefe war bei 460.000 Euro gesucht (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). Die Fotokunst vertrat Olafur Eliasson im Evening Sale mit „The Island Series“. Die 56 Bilder unbewohnter, oft bizarrer Felsformationen im Meer vor Island, die von seinem konzeptuellen Interesse an Zeitlichkeit, Wahrnehmung und Räumlichkeit zeugen, konnten 42.000 Euro auf sich vereinen (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



26.08.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Veranstaltung vom:


05.06.2026, Evening Sale - Moderne und Zeitgenössische Kunst

Bei:


Kunsthaus Lempertz

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Textilien

Kunstsparte:


Malerei

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Skulptur

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Arbeiten auf Papier

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Stilrichtung:


Impressionismus

Stilrichtung:


Nachkriegskunst







Oskar Schlemmer,  Raum mit sieben Figuren, 1937

Oskar Schlemmer, Raum mit sieben Figuren, 1937

Taxe: 150.000 - 180.000 EURO

Zuschlag: 180.000,- EURO

Losnummer: 13

Henri Le Sidaner,  Les Petites barques, automne, Quimper, 1923

Henri Le Sidaner, Les Petites barques, automne, Quimper, 1923

Taxe: 70.000 - 90.000 EURO

Zuschlag: 110.000,- EURO

Losnummer: 5

Cosima von Bonin,  Doc Daffy, 2025

Cosima von Bonin, Doc Daffy, 2025

Taxe: 20.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 110.000,- EURO

Losnummer: 24

Josef Albers,  Study to homage to the square: Small and large Dark against light Brown, 1954

Josef Albers, Study to homage to the square: Small and large Dark against light Brown, 1954

Taxe: 250.000 - 350.000 EURO

Zuschlag: 280.000,- EURO

Losnummer: 11

Marianne von Werefkin,  Lago Maggiore, um 1922

Marianne von Werefkin, Lago Maggiore, um 1922

Taxe: 150.000 - 180.000 EURO

Zuschlag: 180.000,- EURO

Losnummer: 12

Gabriele Münter,  Vor der Kirche, 1931

Gabriele Münter, Vor der Kirche, 1931

Taxe: 140.000 - 160.000 EURO

Zuschlag: 180.000,- EURO

Losnummer: 28

Yoshitomo Nara,  Bunny in Blue, 1997

Yoshitomo Nara, Bunny in Blue, 1997

Taxe: 350.000 - 450.000 EURO

Zuschlag: 460.000,- EURO

Losnummer: 22

Karl Hofer,  Mädchen mit Kürbissen, um 1929/30

Karl Hofer, Mädchen mit Kürbissen, um 1929/30

Taxe: 120.000 - 140.000 EURO

Zuschlag: 150.000,- EURO

Losnummer: 29

Wilhelm Lehmbruck,  Frauenbüste (Büste L.), um 1910

Wilhelm Lehmbruck, Frauenbüste (Büste L.), um 1910

Taxe: 500.000 - 700.000 EURO

Zuschlag: 640.000,- EURO

Losnummer: 26

Imi Knoebel,  Ohne Titel, 1982

Imi Knoebel, Ohne Titel, 1982

Taxe: 70.000 - 90.000 EURO

Zuschlag: 90.000,- EURO

Losnummer: 21

Cosima von Bonin,  Dandy Doc (The Apprentice #5), 2009

Cosima von Bonin, Dandy Doc (The Apprentice #5), 2009

Taxe: 30.000 - 50.000 EURO

Zuschlag: 75.000,- EURO

Losnummer: 23

Georg Baselitz,  Borcke, 1986

Georg Baselitz, Borcke, 1986

Taxe: 400.000,- EURO

Zuschlag: 420.000,- EURO

Losnummer: 15




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