Yayoi Kusama ist tot  |  | Yayoi Kusama with "Yellow Tree / Living Room" at the Aichi Triennale, 2010. | |
Ihre farbenfrohen Kürbisse, ihre kaleidoskopartigen „Infinity Rooms“, ihre poppigen und abstrakten Bilder gehören zum ikonischen Bestand der Kunst der Moderne. Yayoi Kusama hat zuletzt mit ihrer Schau im Museum Ludwig in Köln alle Besucherrekorde gebrochen. Nun ist die japanische Kunstlegende gestorben. Die 97-Jährige erlag schon am 14. August in einem Krankenhaus in Tokio einem multiplen Organversagen.
Die 1929 geborene Künstlerin litt seit ihrer schweren Kindheit in einem autoritären Elternhaus an Halluzinationen und Depressionen, die sie nach eigenen Worten mit Glauben und Ehrfurcht vor dem Wunder des Lebens überwunden hat. Seit 1977 lebte und arbeitete Yayoi Kusama freiwillig in einer psychiatrischen Klinik in Tokio. „Durch die Zeit zu rasen bis zum Tod und dann ewig weiterzuleben in schöner Liebe für den Ruhm der Menschheit: Das ist das höchste Ziel meiner Kunst“, ließ Kusama 2021 anlässlich einer Retrospektive im Berliner Gropius-Bau erklären.
Yayoi Kusama gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen Künstlern der Welt. Ihr Einfluss auf Richtungen wie Pop-Art oder Minimal Art ist kaum zu überschätzen. Ihre internationale Karriere ist über die Bildende Kunst hinaus geprägt von Performances, Dichtung und Literatur. Ihre „Polka Dots“ faszinierten ein internationales breites Publikum: Die farbigen Punkte sind eine Reflexion ihrer kindlichen Erinnerungen. Damals fürchtete sie, sich in einem Muster von Punkten und Netzen aufzulösen. Die Muster sah sie nach eigenen Angaben auch im hohen Alter noch.
Ab 1948 besuchte Kusama die Kyoto School of Arts and Crafts und schuf unter dem Einfluss europäischer Surrealisten und avantgardistischer japanischer Kunst Gemälde mit Feldern aus Punkten und Linien. 1952 erhielt sie in ihrer Heimatstadt Matsumoto ihre erste Einzelausstellung. 1955 zeigte das Brooklyn Museum erstmals drei ihrer Aquarelle. Ab 1958 arbeitete sie in New York, wo die Avantgarde rasch auf die abstrakten „Infinity Nets“ der asiatischen Außenseiterin aufmerksam wurde. Ihre phallischen Stoffskulpturen, ihre Happenings, bei denen nackte Haut mit Punkten bemalt wurde, und ihre gezielte Marketingstrategie machten Yayoi Kusama bald berühmt.
Ihre internationale Bekanntheit stieg an, als sie 1966 vor dem Gelände der Biennale in Venedig ihre Arbeit „Narcissus Garden“ aus 1.500 spiegelnden Kugeln aufbaute, weil ihre Arbeiten nicht zur Teilnahme ausgewählt worden waren. Sie verkaufte die Kugeln einzeln für 1.200 Lire, bis die Polizei einschritt. Auch in New York kam sie im Zuge der Hippie-Bewegung und des Protestes gegen den Vietnamkrieg Ende der Sechziger Jahre mit ihren Aktionen einige Male in Konflikt mit staatlichen Autoritäten.
Yayoi Kusama kehrte 1973 nach Japan zurück und arbeitete zunächst vornehmlich im Bereich der Malerei. In den neunziger Jahren kamen raumfüllende Installationen wie die „Infinity Mirrors“ dazu. 1993 konnte sie mit „Narcissus Garden“ als Vertreterin Japans offiziell an der Biennale in Venedig teilnehmen. Ihre Ausstellungen, zum Beispiel „Infinite Obsession“ (2012-2015), erreichten international ein Millionenpublikum; gefördert wurde der Kusama-Hype auch durch die Verbreitung ihrer Werke in den sozialen Medien. Das Time Magazin zählte die vielfach ausgezeichnete Japanerin 2016 unter die 100 einflussreichsten Menschen auf der Welt.
2025 zeigte die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel als erste Retrospektive in der Schweiz die Ausstellung „Yayoi Kusama“, die anschließend bis 2. August 2026 im Museum Ludwig in Köln die Rekordzahl von 480.335 Besuchern anzog. Die Ausstellung wird ab 11. September im Stedelijk Museum Amsterdam gezeigt und ist dort bis 17. Januar 2027 zu sehen.
Stedelijk Museum Amsterdam
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Telefon: +31 (0)20 5732 911
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