 |  | Dorothy Iannone, Lady at Mirror, 1966 | |
Ferdinand Hodler war wieder einmal der Star bei der letzten Auktionsrunde von Koller in Zürich. Dafür hatte der große Schweizer Symbolist mit seinem „Sonnenuntergang am Genfersee von Caux aus“ auch ein Meisterwerk aufgefahren. In gelbem, blauem und orangefarbenem Farbklang schuf Hodler 1917 diese rhythmisierte Landschaft, die seinen Weg in die Abstraktion illustriert. Wären da nicht einige Bäume am linken unteren Bildrand und die stark konturierte dunkelblaue Uferlinie, könnte das Gemälde als eine ungegenständliche Farbsymphonie durchgehen. Ist das Kolorit hier schon bestimmendes Element der Komposition. Für derartig stilisierte Naturdarstellungen aus seinem Spätwerk sind Millionenpreise üblich. Mit 3 bis 4,5 Millionen Schweizer Franken hatte Koller für das Gemälde, das seit Mitte der 1970er Jahre in Schweizer Privatbesitz beheimatet war, eine marktkonforme Preisvorstellung abgegeben. Nach einem intensiven Bietgefecht blieb er aber nicht dabei. Mit einem Zuschlag bei 6 Millionen Franken reiht sich der „Sonnenuntergang am Genfersee von Caux aus“ nun unter die teuersten Hodler-Werke ein.
Damit aber nicht genug. Das drei Jahre ältere, winterlich verschneite, von Nebelschwaden durchzogene und von seiner Farbigkeit eher grau-fahle „Jungfraumassiv von Mürren aus“, das ebenfalls auf Hodlers Auseinandersetzung mit den neuen ungegenständlichen Tendenzen seiner Zeit hindeutet, schlug sich mit 1,5 Millionen Franken innerhalb der Taxierung wacker. Mit insgesamt neun Arbeiten, von denen sieben einen Käufer fanden, gehörte Ferdinand Hodler am 26. Juni zu den Favoriten der Auktion. Während sein Bildnis der Tänzerin Francine Meylach aus dem Jahr 1916, das in der geneigten Kopfhaltung dabei stark an die Figurenstudien zu seinem berühmten Wandbild „Blick ins Unendliche“ erinnert, bei 220.000 bis 320.000 Franken liegenblieb, freute sich sein farbintensives „Bildnis einer Unbekannten“, hinter der eine „Holländerin“ vermutet wird, über 130.000 Franken (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR). An der oberen Schätzgrenze von 120.000 Franken platzierte sich dann die aquarellierte Figurenstudie zu Hodlers umstrittenem Historiengemälde „Der Rückzug von Marignano“ für die Ausstattung des Schweizerischen Nationalmuseums.
Mit neun Gemälden und Aquarellen war zudem Giovanni Giacometti bei Koller zugegen und wurde alles zu guten Ergebnissen los. Auf die erste Position hievte sich unerwartet das winterliche Motiv seines heimischen Gartens, der in einen geheimnisvollen violetten Nebel gehüllt ist. Das danach benannte Gemälde „Nebbia“ von 1912 verdoppelte seinen Wert auf 450.000 Franken. Sein farbenfroher „Mattino d’estate a Maloggia“ von 1927 tat es ihm ähnlich und zog mit seiner stilisierten vorbeiziehenden Kuhherde von gleicher Basis in Höhe von 200.000 Franken auf 400.000 Franken an. Eigentlich hätte das frontale Doppelbildnis „Annetta und Alberto“, in dem Giacometti um 1904 seine Frau und seinen kleinen Sohn vor der Alpenkulisse charmant festhielt, bei 300.000 bis 400.000 Franken der Spitzenreiter sein sollen, doch trotz der guten 380.000 Franken kam es nicht an die Landschaften heran. Respektable Wertzuwächse gab es dann noch für das koloristisch aufbrausende Portrait seiner ebenfalls künstlerisch tätigen Söhne „Alberto und Diego“ von 1919 mit 360.000 Franken (Taxe 70.000 bis 120.000 SFR) und sein in extravaganten Valeurs schwelgendes Stillleben „Vase mit Feuerlilien vor ‚Fanciulli al Bagno‘“ aus dem Jahr 1910 mit 200.000 Franken (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR).
Blumenexperimente
Zahlenmäßig war den beiden nur der Vielmaler Cuno Amiet überlegen: Dreizehn Werke fuhr er bei Koller auf, zwölf gab er ab. Allerdings ging es bei ihm nicht über 250.000 Franken hinaus. Zudem hätte sein Gemälde „Im Garten“, in dem Amiet 1912 seine Frau Anna bei der sommerlichen Gartenarbeit in leuchtendem Kolorit porträtierte, mindestens 300.000 Franken einbringen sollen. 50.000 Franken waren es dann für Amiets ebenso farbtrunkenen expressiven „Hühnerhof auf der Oschwand“ von 1921, 35.000 Franken für seinen „Blumenstrauss“ in zurückhaltender Farbigkeit von 1917 (Taxe je 30.000 bis 40.000 SFR). Aus der künstlerreichen Giacometti-Familie beteiligte sich noch Augusto Giacometti an der Versteigerung, unter anderem mit seinen Blumenstillleben „Mairiesli und Vergissmeinnicht“ von 1940. Für das unaufgeregte Beispiel einer Gattung, die für Giacometti zu einem Experimentierfeld des Malerischen etwa in der Farbe als wichtigstem Ausdrucksträger avancierte, kamen gute 78.000 Franken zusammen (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR).
Mit dem Rückenakt „Femme nue couchée de dos“ aus dem Jahr 1897, in dem Félix Vallotton eine geheimnisvolle, faszinierende Atmosphäre erzeugt, hätte ein weiterer Millionenzuschlag erzielt werden sollen. Doch bei der Erwartung von 700.000 bis 1,2 Millionen Franken wollte niemand mitgehen. Seine genau konstruierte und etwas distanzierte Landschaft „Le golfe Juan“ an der Côte d’Azur ging gleichfalls an den Einlieferer zurück (Taxe 300.000 bis 500.000 SFR). Daher ging es bei Vallotton nicht über die 80.000 Franken hinaus, die seine Parkszene „Jardin des Tuileries“ an einem Vorfrühlingstag des Jahres 1901 in Paris einfuhr (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR). Wenigstens bezauberte seine frühe, noch dem Realismus des 19. Jahrhunderts verpflichtete Kreidezeichnung „Femme dans sa cuisine“ zu 55.000 Franken, mit der der 19jährige 1884 seine Mutter bei der Arbeit in der Küche einfing und schon sein Talent unter Beweis stellte (Taxe 35.000 bis 45.000 SFR).
Ernest Biéler, der einen Großteil seines Schaffens der Darstellung von Bewohner des Dorfes Savièse im Kanton Wallis widmete, transzendierte in seinem gemäldehaften Aquarell „Le mendiant aux cannes“ die reine naturalistische Beobachtung durch eine streng komponierte Ordnung von Licht, Materie und Raumstruktur. Der eindrucksvolle alte Bettler, der sowohl im Realen verankert ist, aber auch als bewusst konstruierte bildnerische Erscheinung auftritt, erreichte nur 100.000 Franken (Taxe 150.000 bis 200.000 SFR). Es waren oft die weniger geläufigen Künstler, die die Kundschaft bei Koller überzeugten, etwa Hans Emmenegger mit zwei auf wenige rote und gelbe Früchte konzentrierte, nüchterne Stillleben zu 44.000 Franken respektive 42.000 Franken (Taxen 15.000 bis 25.000 SFR und 20.000 bis 30.000 SFR) oder Max Buri mit seinem im Geist des Jugendstil schematisierten Vasenduo samt „Feuerbusch und Stiefmütterchen“ zu 50.000 Franken (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR). Otto Morach hatte mit seinen beiden geometrisch und kristallin stilisierten Traumlandschaften „Das Dorf am Tyrrhenischen Meer“ und „Südliche Nacht“ aus den frühen 1920er Jahren ebenfalls Glück: Aus 25.000 Franken wurden 44.000 Franken, aus 18.000 Franken gar 48.000 Franken.
Ähnlich erging es Ricco Wassmers zwischen Naiver Malerei, Neuer Sachlichkeit und Magischem Realismus angesiedeltem Fernwehmotiv „Afrika I“ aus dem Jahr 1962: Der schlanke junge Schwarze, der etwas surreal neben dem Stoffbild eines Tigers in weiter Palmenlandschaft steht, verdoppelte seinen Wert auf 30.000 Franken. Der nachfolgende „Stehende männliche Akt“, die attraktive Bronzefigur eines Heranwachsenden von Karl Geiser, tat sich ebenfalls leicht. Hier schnellten die Gebote von 3.500 Franken auf 19.000 Franken. Mit Paul Camenisch und Hermann Scherer waren zwei Künstler der Gruppe „Rot-Blau“ vertreten, die im Umfeld Ernst Ludwig Kirchners in der Schweiz den malerischen Expressionismus vorantrieb. Camenischs großformatige idealisierte „Herbstlandschaft Mendrisiotto“ von 1925 hielt sich mit 80.000 Franken an die Vorgaben, während Scherers gleichaltriges Figurenbild „Zwei Frauen mit zwei Kindern“ in existenziell zugespitzter unnatürlicher Farbigkeit mit 135.000 Franken mehr Zuspruch generierte (Taxe je 80.000 bis 120.000 SFR). Von den wenigen Frauen ragten die Heilpraktikerin Emma Kunz mit ihrem bildnerischen Energiefeld, einer mit Lineal und Zirkel angefertigten blütenartigen Zeichnung auf Millimeterpapier, bei 40.000 Franken an der untern Taxgrenze und Sonja Sekula mit ihrer dichten Abstraktion „Fast-Nacht, oder sogar der Freuden-Tanz“ von 1956 bei 16.000 Franken heraus (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR).
Millionen für einen Schweizer Realisten
Bei der Schweizer Kunst des 19. Jahrhunderts gab es nochmals einen Millionenwert. Den erreicht in der Regel nur Albert Anker: Sein aufgewecktes freudiges Genrebild „Der kleine Bruder“ von 1883 mit seiner einige Jahre älteren Schwester in der guten Stube orientierte sich mit 1,5 Millionen Franken an der unteren Erwartung, ebenso wie Ankers ähnlich intim gestimmtes Doppelportrait „Schreibunterricht II“ aus dem Jahr 1865, in dem sich zwei Mädchen auf die Hausaufgaben konzentrieren, an 600.000 Franken. Eine Steigerung erfuhr dagegen Ankers typisches Aquarell „Seeländer Bauer beim Zeitunglesen“ aus dem Jahr 1909 von 15.000 Franken auf 46.000 Franken. Edmond Jean de Pury punktete mit dem ärmlichen, aber feschen „Pêcheur“ aus dem Jahr 1904 und heimste für das marktfrische Gemälde gute 22.000 Franken ein (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR).
In einer bäuerlichen, aber verklärten Lebenswelt bewegten sich zudem Robert Zünd und Rudolf Koller. So hatte Zünd in seine nun 90.000 Franken teure „Landschaft am Vierwaldstättersee“ eine Hirtin mit ihrem Kind sowie Schafe und Ziege integriert (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR), während sich Koller wohl 1869 auf die „Kühe am Zürichhorn“ konzentrierte und den Hütejungen lässig am Seeufer liegend an den Bildrand rückte. Von 8.000 Franken kletterte hier der Preis auf 30.000 Franken. Schon zu Beginn der Auktion feierte die Ostschweizer Senntumsmalerei Erfolge: Johann Jakob Heuscher reüssierte mit seiner naiven „Wirtschaft zur Ziegelhütte“ von 1865 bei 15.000 Franken (Taxe 7.000 bis 9.000 SFR), Johannes Müller mit seiner gleichfalls auf Papier gemalten „Wirtschaft zum Rossfall mit Säntis“ von 1888 bei 30.000 Franken (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR).
Mit Farbtupfen zur Spitzenleitung
Am 26. Juni standen bei Koller ferner der Impressionismus und die Moderne Kunst auf dem Programm. Höhepunkt war hier Paul Signacs fantasievolle Venedig-Vedute „La Salute“ aus dem Jahr 1906. Das pointillistische Meisterwerk mit der markanten Kirche Santa Maria della Salute im Zentrum, das sich seit über 100 Jahren in deutschem Privatbesitz befunden hatte, begeisterte die Sammler zu 3,55 Millionen Franken (Taxe 2 bis 3 Millionen SFR). Dahinter folgten weitere Franzosen: bei 950.000 Franken Pierre-Auguste Renoir und seine „Jeune fille lisant“ um 1890 in weicher, lichtdurchfluteter Malweise (Taxe 900.000 bis 1,4 Millionen SFR) und Claude Monets dunstige Ansicht der „Waterloo Bridge“ in London. Das blau gesättigte Pastell von 1900/01 hatte im Mai beim Wiener Dorotheum ein formatgleiches, noch etwas abstrakteres Pendant, das damals taxgerechte 470.000 Euro erzielte. Bei Koller lag die Schätzung mit 350.000 bis 450.000 Franken etwa gleichauf, doch hier sprangen die Gebote auf 860.000 Franken.
Bei Jean-Baptiste Armand Guillaumin ließen die Käufer wiederum nicht locker und hoben seine frühe, um 1875 entstandene „Paysage de l’Île-de-France“ mit vornehmen Leuten bei Flanieren am Flussufer von 30.000 Franken auf 85.000 Franken und seinen Sommertag „La ferme“ an einem Bauernhaus um 1883 von 20.000 Franken auf 74.000 Franken. Ein weiterer Aufsteiger war Gustave Loiseau mit zwei ruhigen und unbeschwerten Flusslandschaften in der Tradition Monets und Sisleys: seine Waschstelle „Lavoir sur la Seine à Herblay“ von 1906 kletterte von 80.000 Franken auf 190.000 Franken, der sechs Jahre ältere Lastkahn „Péniche sur l’Oise“ von 120.000 Franken auf 270.000 Franken. Sein Kollege Henry Moret ließ sich desgleichen nicht lumpen und seine bretonische Felsenküste „Le Crom, baie de Douarnenez“ von 1911 in rot-grünem und blau-weißem Farbkontrast erst bei 165.000 Franken von dannen ziehen (Taxe 50.000 bis 80.000 SFR). Aus dem deutschen Impressionismus war Max Liebermann mit seinem Pastell „Nähende Mädchen in Huyzen“ aus der Mitte der 1890er Jahre an den unteren anvisierten 80.000 Franken vertreten, aus dem italienischen Federico Zandomeneghi mit der Rückenansicht mehrerer Zuschauer „Au théâtre“ in gleicher Technik, die allerdings von 60.000 Franken auf 135.000 Franken zulegte.
Kunst im Exil
Der Expressionismus redete in Zürich dann ein Wörtchen mit, darunter mit Heinrich Campendonks verwunschener traumartiger Landschaft unter dem Titel „Blumenbild“ um 1918, die zwar mit 340.000 Franken einen vorderen Rang belegte, aber deutlich von den erwarteten 450.000 bis 700.000 Franken zurücksteckte. Auch für Erich Heckels „Frau am Tisch“, hinter der sich seine Gattin Siddi Heckel in leidender Pose verbirgt, lief es mit 76.000 Franken nicht optimal (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Hofiert wurden dagegen Emil Noldes ungewöhnliches Motiv auf dem farbgesättigten Aquarell „Kleine Kirche mit rotem Dach“ bei 75.000 Franken (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR) und drei Künstlerinnen. Gabriele Münter hielt sich ab 1916 mit ihrem Lebenspartner Wassily Kandinsky im Exil auf der dänischen Insel Bornholm auf, da er als russischer Staatsbürger aufgrund des Ersten Weltkriegs nicht in Deutschland bleiben konnte. Nach der Trennung von Kandinsky zog sich Münter im Sommer 1919 nach Gudhjem, einem ruhigen und malerischen Ort an der Nordküste, zurück und malte dort einen Blick über die Dächer auf das weite Meer in einer sommerlichen harmonischen Farbgebung für 120.000 Franken (Taxe 120.000 bis 200.000 SFR).
Wie Münter gehörte Marianne von Werefkin zum Blauen Reiter und auch sie musste 1914 vor dem Weltkrieg mit Alexej von Jawlensky in die Schweiz flüchten. Schon ihre „Abenddämmerung“, die Sicht in einen jüdischen Friedhof mit mehreren statischen Figuren, animierte die Käufer zu 150.000 Franken (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR). Nochmals 10.000 Euro mehr gab es für ihre „Tessiner Landschaft“ von 1919 mit Weinhängen an einem See in dunkler und daher bedrohlicher, gleichzeitig anziehender Atmosphäre (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR). Kriegsbedingt 1941 aus einer Zinklegierung gegossen, trat die schmerzensreiche Skulptur „Der Abschied“ eines Menschenpaares von Käthe Kollwitz zielstrebig bei 70.000 Franken auf (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR). Die deutsche Kunst hatte noch Karl Hofers verhaltene Darstellung „Mädchen mit Katze“ von 1930 bei einer Verdoppelung der Schätzung auf 80.000 Franken, Otto Dix’ 1941 während der Inneren Emigration entstandenes Sinnbild auf das Zeitgeschehen „Sturm am See“ für 70.000 Franken (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR), Kurt Schwitters’ charakteristische titellose Papiercollage mit dem Briefabsender „Frau Helma Schwitters“ von 1937/38 für 45.000 Franken (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR) oder Willi Baumeisters mit Schattenkonturen versehenes, dennoch nur zweidimensionales „Reliefbild farbig“ von 1952 für 85.000 Franken zu bieten (Taxe 60.000 bis 90.000 SFR).
Die mächtigen Franzosen
Doch die französischen Künstler waren deutlich in der Überzahl. Auguste Herbin stellte das frühe, noch gegenständliche Stillleben „Fleurs et fruits“ von 1905 in fauvistischer Farbenpracht für 105.000 Franken zur Verfügung (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR), Louis Valtat die aus bewegten Pinselschwüngen aufgebaute Hochgebirgsansicht „La Mer de Glace à Chamonix-Mont-Blanc“ von 1903 für 100.000 Franken (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR), Maurice Utrillo zu ebendiesem Betrag seine brave Paris-Vedute „La place du Tertre et le Sacré-Cœur“ von 1922 (Taxe 100.000 bis 180.000 SFR), und Serge Charchoune, ein Exponent des Purismus, konnte den Wert seines Stilllebens „Fiasque“ von 1946 mit 26.000 Franken mehr als verdoppeln. Aus Frankreich mischten abermals einige Malerinnen der Moderne mit, darunter Marie Laurencin mit ihrer zarten Frauenschilderung „Jeune fille au bouquet de fleurs“ um 1935/40 bei 90.000 Franken (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR), Sonia Delaunay-Terk mit ihrer repräsentativen Kreisformation „Rhytme colore, Grasse. F 224“ von 1942 bei 34.000 Franken (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR) oder die 1921 geborene Yvonne Canu mit ihrem aus der Zeit gefallenen Pointillismus auf der Stadtansicht „Le coeur de Paris“, die dennoch die Sammler zu einem Schlussgebot von 67.000 Franken bewegte (Taxe 5.000 bis 8.000 SFR).
Als Zeichnerin trat Suzanne Valadon mit ihrem abgewandt hingestreckten Akt „Nu allongé“ samt rotem Haar um 1903 für 10.000 Franken in Erscheinung (Taxe 3.000 bis 5.000 SFR). Zeichnerisch ging es mit Henri Matisse und seiner spannungsvoll Stehenden „Nu debout“ von 1936 für 145.000 Franken (Taxe 120.000 bis 180.000 SFR), Marc Chagalls kolorierten „Amoureux et coq-violiniste au bouquet a Orgeval“ um 1948/49 für 90.000 Franken (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR) und Joan Mirós schnell mit bunter Kreide hingekritzelter Gesichtsabstraktion von 1964 für 60.000 Franken weiter (Taxe 35.000 bis 45.000 SFR). Surrealisten-Kollege René Magritte offerierte sein „Portrait d’Arlette Magritte“, ein um 1950 entstandenes, nur wenig surreales Konterfrei seiner Nichte, das aus ihrem Nachlass 2001 bei Christie’s in London erstmals das Auktionsparkett für 190.000 Pfund betreten hatte. Der damalige Käufer wollte es bereits im Mai 2025 bei Sotheby’s in New York für 1,5 bis 2,5 Millionen US-Dollar loswerden; aber daraus wurde nichts, genauso wie bei Koller für 1,1 bis 1,6 Millionen Franken. Aufmerksamkeit fand hingegen Hans Arp mit seiner amorphen goldenen Bronzeskulptur „Coupe chimérique“ von 1947 bei 170.000 Franken (Taxe 130.000 bis 200.000 SFR) und mit seinem allansichtigen Unikat „Fruit d’étoile“ von 1964 aus Cristallina-Marmor, dem einzigen Marmorsteinbruch der Schweiz, bei 140.000 Franken (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR).
Schmetterlingsvorbehalte
Lag die losbezogene Verkaufsrate für die Schweizer Kunst bei hohen 90 Prozent und für die Modernen bei 84,6 Prozent, rutschte sie in der Auktion „Post-War & Contemporary“ auf 76 Prozent ab. Das ist immer noch ein guter Wert, doch etliche hochpreisige Arbeiten wurden verschmäht, darunter das Titellos, Damien Hirsts schillerndes Dreiecksprisma „The Congregation for the Doctrine of the Faith“ aus irisierenden Schmetterlingsflügeln von 2003 für 400.000 bis 600.000 Franken. Weitere Stars der Gegenwart gingen leer aus, etwa Ai Weiweis Installation „Coloured Vases“ aus 39 neolithischen Gefäßen, die er 2006 mit industriell gefertigten, leuchtenden Acrylfarben überzogen hatte (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR), Ugo Rondinones großformatige Tuschezeichnung eines Waldstücks mit dem Titel des Entstehungstages „Vierzehnteraugustneunzehnhundertneunzig“ (Taxe 50.000 bis 80.000 SFR) oder Barry Flanagans absurde Bronzeplastik „Jackass and Elephant“ von 1995, bei der ein Esel auf einem Elefanten reitet (Taxe 300.000 bis 400.000 SFR).
So blieb es Robert Rauschenberg vorbehalten, mit seiner späten Arbeit „Crosstown“ von 1997 die Favoritenrolle einzunehmen. Der collageartige Farbtransfer aus der Serie „Anagram (A Pun)“, in der sich Rauschenberg durch Fragmentierung und neuer Montage der Bilder sowie durch sprachliche
Mehrdeutigkeit mit der Offenheit der Bedeutungsgenese auseinandersetzt, war bei 360.000 Franken der Überraschungssieger (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Für Josef Albers und seine helle vierfache Quadratstaffelung „Homage to the Square (White Enclave)“ von 1961 lief bei 280.000 Franken ebenfalls alles wie am Schnürchen (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR), zugleich für Serge Poliakoffs frühe und ungewöhnlich bunte „Composition Polychrome“ von 1946 mit 210.000 Franken (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR) oder Günther Ueckers kleines bewegtes Nagelbild „Weißes Feld“ von 1990 mit 160.000 Franken (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR). Dazu gesellte sich noch Nicolas de Staëls abstrahierte Landschaftsformation „Gentilly“ aus dem Jahr 1952, die sich mit 300.000 Franken exakt an die untere Zielvorgabe hielt.
Aber auch bei den Nachkriegsheroen gab es einige Ausfälle, so Hans Hartungs auf schwarzem Grund geritzte Strichbündel „T1963-U27“ von 1963, Heinz Macks dunkelblaue Quadratstruktur „Sternen-Gitter“ von 2007 mit kleinen gelben Leuchtpunkten (Taxe je 70.000 bis 90.000 SFR) oder Arnaldo Pomodoros ausladendes Metallrelief „L’inizio del tempo n. 2“ von 1958 (Taxe 80.000 bis 160.000 SFR). Wenigstens schafften Dan Flavins in den Umraum ausgreifende Leuchtstoffröhrenskulptur von 1995 bei 90.000 Franken (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR) und Richard Princes „Untitled (The Band 2)“, ein monumentaler Textblock von 2007, der auf weiß gefassten Fotografien der Rockgruppe The Band aus den 1960er und 1970er Jahren ruht, bei 240.000 Franken im Nachverkauf den Absprung (Taxe 300.000 bis 400.000 SFR).
Es gab in der Versteigerung aber einige deutlich zu günstig bewertete Überflieger. Dazu gehörten George Condos Fratzengestalt „Night of horrible dreams“ von 1989 mit der mahnenden Aufschrift „Stop the war in the name of freedom“ für 170.000 Franken (Taxe 60.000 bis 90.000 SFR), Richard Longs kunstvoll aus 84 querrechteckigen Steinen gelegter „Cornish Slate Circle“ von 1983 bei 95.000 Franken (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR) und Lee Ufans wundervoll schlichte Strichzeichnung auf einer 5,3 Meter langen Papierrolle zum gleichen Wert (Taxe 8.000 bis 10.000 SFR). Das Schweizer Duo Peter Fischli und David Weiss setzte seine hintergründigen und humorvollen Arbeiten gewinnbringend ab: das verkleinerte, etwas schlampig ausgeführte Gipsmodell eines prototypischen Autos der 1990er Jahre aus der Serie „Cars“ wiederum für 95.000 Franken (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR), die mit 162 Dias bestückte Überblendungsprojektion „Sommer“ von 1997 bei 78.000 Franken (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR). Über mangelnden Zuspruch konnten sich außerdem Richard Paul Lohses genau kalkulierte und farbenfrohe Quadratkomposition „30 Systematic Vertical Color Series“ von 1987/88 bei 75.000 Franken (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR), Dorothy Iannones vergleichbar buntes Wimmelbild „Lady at Mirror“ von 1966 bei 60.000 Franken oder Jean-Paul Riopelles gestische Malerei „Mousse“, eine wilde Pinselkreuzung von 1958, bei 55.000 Franken nicht beklagen (Taxe je 15.000 bis 25.000 SFR). Insgesamt setzte Koller mit seinen Kunstauktionen Ende Juni rund 35 Millionen Franken um.
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |