Zurich Art Prize geht an Kerstin Brätsch  |  | Kerstin Brätsch ist die Gewinnerin des Zurich Art Prize 2027 | |
Kerstin Brätsch erhält den Zurich Art Prize 2027, den das Museum Haus Konstruktiv in Zürich gemeinsam mit der Zurich Insurance Company jährlich vergibt. Für die 1979 in Hamburg geborene Künstlerin, die in den Bereichen Malerei, Installation, Skulptur, Kunsthandwerk und Performance gleichermaßen arbeitet, spreche ein vielfältiges wie tiefgründiges, verschachteltes wie flirrendes Werk. Besonders beeindruckt zeigte sich die Jury von ihrer Fähigkeit, Malerei, Handwerk und konzeptuelle Kunst miteinander zu verbinden. Dass sie sich dabei auf Hilma af Klint und die Schweizerin Emma Kunz bezieht, die beide als Pionierinnen der abstrakt-geometrischen Kunst gelten, ist für das Museum Haus Konstruktiv von besonderer Relevanz: Das Erbe der frühen abstrakt-geometrischen Künstler*innen in der Gegenwartskunst weiterzudenken, gehört zu den zentralen Anliegen des Museums.
Weiter heißt es in der Jurybegründung: „Malerei versteht Brätsch nicht als abgeschlossenes Medium, sondern als offenes Feld ohne feste Gattungsgrenzen. Sie fragt, was dieses Medium eigentlich ausmacht, und findet darauf ungesehene Antworten. Diese Suche führt sie tief ins Material: in die Glasmalerei, die Marmorierung, den Stucco, das Mosaik. Für solche Techniken muss sich die Künstlerin jeweils mit entsprechenden Handwerksmeistern zusammentun und sich deren Wissen aneignen. Damit knüpft sie an eine Zeit an, in der die Beziehung zwischen Kunst und Handwerk neu verhandelt wurde: an die Arts-and-Crafts-Bewegung und die Moderne. … Brätschs Arbeiten kreisen thematisch um Transformation, Wahrnehmung und Psychologie, um Parapsychologie ebenso wie um naturwissenschaftliche und soziale Fragestellungen. Malerei selbst begreift die Künstlerin wie einen Stoffwechsel: als etwas, das sich fortwährend verändert und erweitert. Wie eine Archäologin gräbt sich Brätsch dabei Schicht um Schicht vor oder legt in ihren Arbeiten selbst Schicht um Schicht an, sodass die Betrachter*innen eine Ahnung des nicht Greifbaren entwickeln können.“
Das Museum Haus Konstruktiv hat den Zurich Art Prize 2007 gemeinsam mit der Zurich Insurance Company ins Leben gerufen. Die Auszeichnung richtet sich an eine eigenständige künstlerische Position, die das Erbe der konstruktiv-konkreten und konzeptuellen Kunst mit gegenwärtigen Tendenzen verbindet. Dazu lädt Museumdirektorin Sabine Schaschl Kunstsachverständige ein, die jeweils eine Künstlerin oder einen Künstler nominieren. Neben Kerstin Brätsch kamen diesmal noch das 2012 gegründete neuseeländische Mataaho Collective, das aus Erena Baker, Sarah Hudson, Bridget Reweti und Terri Te Tau besteht, die Schweizerin Claudia Comte, die Ägypterin Iman Issa, der Kambodschaner Sopheap Pich und die Deutsche Liesl Raff in die engere Auswahl. Das Preisgeld wurde heuer auf 130.000 Franken erhöht, wobei 30.000 Franken direkt an die Gewinnerin gehen und 100.000 Franken für die Produktion einer Einzelausstellung im Museum Haus Konstruktiv zur Verfügung stehen. |