 |  | Zuzanna Czebatul, My Heart Goes Boom, 2026 | |
Mit einem gemeinsamen Eröffnungswochenende starten Köln und Düsseldorf bei der DC Open in die Herbstsaison. Vom 4. bis zum 6. September laden rund 80 Galerien, Off-Spaces und Museen aus beiden Städten zu Ausstellungen ein, bieten ein vielfältiges Programm und wollen das Rheinland mit junger Kunst wieder zum Treffpunkt der internationalen Szene machen. Als Neuzugang in Köln präsentiert sich die Galerie Dittrich & Schlechtriem aus Berlin. Sie hat Räume in der Roonstraße im Belgischen Viertel bezogen, die bereits mehrere Galeristen und Initiativen, darunter Jan Kaps, Echo und zuletzt Gathering, bespielt haben. Lars Dittrich und André Schlechtriem wollen die Kölner Dependance mit ihrer Ecklage und den beiden großzügigen Fensterfronten, die die Sichtbarkeit eines Ladenlokals mit der räumlichen Autonomie eines eigens dafür errichteten Ausstellungsortes verbindet, parallel zum Berliner Hauptsitz führen. Los geht’s am Freitagabend mit der Ausstellung „Zuzanna Czebatul – In This Economy!?“ Mit ihren Lebkuchenherzen, beschnittenen Fotografien von Politikermündern und einer aufblasbaren Panzerattrappe untersucht die polnische Künstlerin und Aktivistin, wie Sprache, Bilder und Symbole produziert, verbreitet und konsumiert werden und wie Mächtige auf Bilder, emotionale Ökonomien und kollektiv aufrechterhaltene Fiktionen einwirken.
Klassisch wird’s beim Kölner Galeristenurgestein Karsten Greve, der Mitte September seinen 80. Geburtstag feiert. Mit Louise Bourgeois setzt er auf die internationale Avantgarde nach 1945 und versammelt rund 50 Arbeiten aus ihrem skulpturalem und zeichnerischem Œuvre zwischen 1947 und 2008. Ältestes Werk ist die stelenartige Skulptur „Woman with a Secret“ aus ihrer Werkreihe „Personnages“, in der sich Bourgeois an Familie und Freunde erinnerte, die sie nach ihrer Emigration aus Frankreich in die USA zurücklassen musste. Auch in den anderen Arbeiten thematisierte Bourgeois ihre eigene Lebensgeschichte, gepaart mit universellen Fragen nach Identität, Körper, Begehren, Verlust und menschlicher Beziehung.
Die Galeristin Gisela Capitain feiert ihr 40jähriges Firmenjubiläum mit einem Überblick über ihre Künstlerequipe, angefangen bei Karla Black und Barbara Bloom über Luke Fowler, Martin Kippenberger, Zoe Leonard, Lukas Quietzsch, Monika Sosnowska bis zu Samson Young und Heimo Zobernig. Außerdem widmet Capitain Jadé Fadojutimi die dritte Einzelausstellung ihrer Galerie, die mit neuen farbstarken Gemäldeabstraktionen bestückt und in der Michael Horbach Stiftung zu sehen ist. In der Galerie Clages wird es traumhaft und etwas surreal. Denn Isabella Fürnkäs’ großformatige Zeichnungen mit einem malerischen Ansatz, die zwischen Traumsequenz und Porträt angesiedelt sind, erkunden Momente der Wiederannäherung an Erinnerungen, innere Bilder und zwischenmenschliche Beziehungen, in denen Realität und Imagination ineinander übergehen.
Bei der Galerie Ludorff in Düsseldorf treffen zwei Künstlerpaare aufeinander: Bernd und Hilla Becher sowie Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff. Beide haben sich in ihrem Werk mit Struktur, Form und seriellen Ordnungen beschäftigt. Während bei den Bechers schwarzweiße fotografische Typologien von Industriebauten im Zentrum stehen, ging es dem Bildhauerpaar Matschinsky-Denninghoff in ihren farbspektrumähnlichen metallgrauen Arbeiten um Gleichgewicht, Verdichtung und der Beziehung von Körper und Raum. Ihren zweiten Ausstellungsraum Caprii hat die Galerie Sies + Höke der 1961 in Athen geborenen Christiana Soulou überlassen, die ihn mit feinen poetischen Zeichnungen bestückt. In Soulous Schaffen vermischen sich historische, literarische und mythische Bezüge, die die Betrachter*innen in einen Raum der Kontemplation einladen wollen. So versteht Soulou auch ihren Ausstellungstitel „The Virtues of Hesitation“ als Haltung, sich sowohl spontanen Ausbrüchen als auch dem rastlosen Tempo des Lebens zu widersetzen.
Die Galeristin Clara Maria Sels setzt auf die 1933 in Buenos Aires geborene Eva Rubinstein, Tochter des berühmten Pianisten Arthur Rubinstein. Die heute 93jährige Fotografin, die zunächst als Schauspielerin und Tänzerin in New York reüssierte, griff Ende der 1960er Jahre zur Kamera und arbeitete anfangs als Fotojournalistin für die Zeitschrift Vogue. Mit ihren unaufgeregten Porträts, Stillleben, Interieurs und Landschaftsausschnitten der 1970er und 1980er Jahre, die nun in der Düsseldorfer Galerie zu sehen sind, wirft Rubinstein grundlegende Fragen menschlichen Lebens auf und blickt unter die Oberfläche der äußeren Realität. In der Galerie Petra Rinck treffen erstmals kollaborative Arbeiten der beiden Künstler Johannes Bendzulla und Andreas Breunig aufeinander. Ihre neue Werkgruppe vereint die jeweilige Bildauffassung, die bei Bendzulla im Digitalen und bei Breunig im Malerischen verwurzelt ist. Doch beide verfolgen in ihrer jeweils eigenen Praxis einen medienreflexiven Ansatz, der in ihrem gemeinsamen Tun zum verbindenden Element wird.
Die Galerie PAW aus Karlsruhe hat nun ein zweites Standbein in Düsseldorf und startet hier mit einer Ausstellung zu Iris Helena Hamers. Die 1988 geborene Künstlerin kreiert aus vorgefundenem Material Collagen, die sich als sinnliche Bildwelten oft dreidimensional in den Raum ausdehnen. Dabei greift sie auf einen über Jahre gewachsenen Fundus an Fotos, Memes, Screenshots oder Ergebnissen von Suchmaschinen zurück, die Hamers aus den Weiten des Internets extrahiert hat, und gibt damit einen Kommentar auf das aktuelle Zeitgeschehen. Mit Inge Schmidt hat die Produzentengalerie Basedonart eine übersehene Künstlerin der vergangenen Jahrzehnte hervorgeholt und gibt einen Einblick in das Schaffen der 1944 geborenen Bildhauerin, die bei Michael Croissant an der Städelschule in Frankfurt am Main studiert hat. Ihre oft filigranen Arbeiten zeichnen sich durch eine Konzentration auf Material, Form und räumliche Präsenz aus. Ohne auf vordergründige Effekte und große Gesten zu setzen, entwickelt Schmidt ihre Objekte aus einfachen, alltäglichen Materialien, wie dünne Bauhölzer, Karton, Wellpappe, Leim, Klebeband, Schnur oder Draht, die ihr ein freies und unvoreingenommenes Arbeiten ermöglichen.
Die Galerierundgänge der DC Open 2026 finden vom 4. bis zum 6. September statt. Das vollständige Programm ist auf der Webseite www.dc-open.de einsehbar.
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