Gallery Weekend in Frankfurt  |  | Wolfgang Oppermann, Hommage an Bruce Nauman, 1972 | |
Nach der Sommerpause geht es an diesem Wochenende nun auch für die Frankfurter Kunstwelt in die Herbstsaison. Zum Gallery Weekend präsentieren ab heute 36 Galerien, zehn Off-Spaces und drei Kunststiftungen ihre neuen Ausstellungen und laden Kunstbegeisterte bis Sonntag und darüber hinaus zum Streifzug durch verschiedene Sphären und Genres ein: Es gibt junge, internationale, queere und multimediale Positionen aus Frankfurt, es treten bekannte und unbekannte Protagonisten der jüngeren deutschen Kunstgeschichte auf, die Malerei aus wichtigen deutschen Kunstakademien in Frankfurt, Düsseldorf oder Leipzig redet ein Wörtchen mit, aber auch Arbeiten aus Seoul, Paris, Mailand und London.
Wiederentdeckungen versprechen die Galerien Grässlin und Bekker vom Rath. Während Bärbel Grässlin auf die vier frühen, großformatigen Farbfotografien des 2013 verstorbenen Künstlers Günther Förg verweist, die er 1985 im Haus Lange in Krefeld aufgenommen und mit ihnen das Thema des Fensters als Raumöffnung erkundet hat, dreht sich bei Hanna Bekker vom Rath alles um Wolfgang Oppermann. Der 2001 ebenfalls früh verstorbene Maler, Grafiker und Bildhauer nahm in seiner plakativen Bildsprache Elemente der Pop Art auf und verdichtete zugleich konzeptuell Begriffe, Codes und Rituale der Kunst zu reduzierten Bildzeichen, die die Sprache des Kunstsystems präzise und spielerisch-ironisch beleuchten, etwa die abgetrennten und verschränkten Arme auf seiner „Hommage an Bruce Nauman“ von 1972. Oppermanns Ausstellung „Les étoiles de la peinture“ findet in Kooperation mit dem saasfee*pavillon statt, wo das Werk seiner bereits 1993 verstorbenen Ehefrau Anna Oppermann zu sehen ist. Unter dem Titel „Das Blaue vom Himmel“ präsentiert der Ausstellungsraum Ensembles der Konzept- und Installationskünstlerin, die als offene Kommunikationssysteme für eine kritische und reflexive Gestaltungspraxis dienen können.
Die Pangallery greift ebenfalls auf einen bekannten Namen der deutschen Nachkriegszeit zurück und hat sich dem Fotografen Lothar Wolleh verschrieben. Neben ikonischen Künstlerportraits von René Magritte, Joseph Beuys oder Günther Uecker stehen seine farbigen abstrakten Arbeiten im Zentrum, die Wollehs experimentelles Verständnis von Fotografie als eigenständiges künstlerisches Medium belegen. Ein besonderer Teil der Ausstellung „LichtBilder“ liegt auf der bislang unveröffentlichten Serie „Männer der Wirtschaft“. Entstanden in den 1970er Jahren, konnte Wolleh die Werkgruppe aufgrund der damaligen sicherheitspolitischen Lage und einer erhöhten Terrorgefahr nicht publizieren. In der Edition & Galerie Hoffmann geht es fotografisch weiter. Hier treffen die ungegenständlichen, konstruktiv-konkreten Bildwelten Anton Stankowskis der 1920er und 1930er Jahre auf die subtile und poetische Dokumentarfotografie der Nachkriegschronistin Abisag Tüllmann.
Junge Malerei hat die Galerie die Galerie Jacky Strenz zu bieten. Zum Saisonstart gibt hier die in Düsseldorf lebende Österreicherin Sophie Esslinger ihr Solodebüt und stellt unter dem Titel „stella maris“ neue farbtrunkene Gemälde vor, in denen sie Traumwelten, Natur und Figur, Himmel und Hölle, Tag und Nacht, Schlaf und Bewusstsein vielschichtig oszillieren lässt. In der Galerie Schierke Seinecke entfaltet Theresa Möller, Absolventin der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, unter dem Titel „Fragmental Fields“ eine Welt aus dichten, vegetativen und menschenleeren Fantasielandschaften, die in ihrer Buntheit und Verworrenheit klassische Naturmotive unterlaufen. Den Mittelpunkt der Schau „Gefundene Welten“ in der Galerie Jörg Schuhmacher bilden die keramischen Arbeiten von Kati Jünger, deren Oberflächen von Erinnerungen, Fundstücken, Ornamenten und erzählerischen Fragmenten durchzogen sind. Figuren, Tiere, florale Motive und kulturelle Zeichen verbinden sich bei ihr zu poetischen Kompositionen, die zwischen Traum, Mythos und gelebter Erfahrung pendeln. Jüngers Arbeiten stellt Jörg Schuhmacher Klassiker von Pablo Picasso, Henri Matisse, Marc Chagall oder Rolf Hans gegenüber.
Der Saisonstart beginnt heute Abend und dauert bis zum 6. September. Die Ausstellungen in den Galerien und Off-Spaces sind über diesen Zeitraum weiterhin zu sehen. Eine Einführung in das vielschichtige und auf fünf Stadtviertel verteilte Programm bieten insgesamt 30 Art Walks. Nähere Informationen unter |