Stuttgart erwirbt Bruyckere-Arbeit  |  | Berlinde de Bruyckere, Need III, 2023/24 | |
Mit Hilfe ihres Freundeskreises hat die Staatsgalerie Stuttgart die Arbeit „Need III“ von Berlinde de Bruyckere angekauft. Der Neuzugang unterstreiche das kontinuierliche Engagement der Freunde der Staatsgalerie Stuttgart e.V., herausragende künstlerische Positionen für die Sammlung zu sichern und aktuelle Perspektiven in den Museumsdialog einzubringen, teilte das Stuttgarter Museum mit. Die alte Glasvitrine, in der ein fahler Unterleib hängt, gehört zur Werkreihe „Need“, in der sich die belgische Künstlerin mit der fragilen Leiblichkeit des Menschen beschäftigt. Dazu formt Bruyckere aus in Wachs Körperfragmente, arrangiert sie präzise mit gefundenen Materialien und präsentiert die Kombination in zu Vitrinen umgebauten alten Glasfenstern. Das Wachs erscheint durch seine Brüche, Verletzungen und Abformungen fast wie Fleisch, wodurch die Grenze zwischen Belebtem und Unbelebtem, zwischen Realität und Imagination aufgehoben wird. Die Vitrine mit ihren brüchigen Streben und dem alten Glas gehört zum Gesamtensemble und versetzt die Objekte zu körperhaften Erscheinungen, die ein Nachdenken über Verletzlichkeit, Tod und Transzendenz evozieren.
Die 1964 geborene Berlinde de Bruyckere gehört zu den international renommiertesten belgischen Künstlerinnen der Gegenwart. Seit den frühen 1990er Jahren entwickelt sie ein eindringliches Werk, in dem die menschliche Existenz, die Hinfälligkeit des Körpers und die Spannung zwischen Leben und Tod im Zentrum stehen. Ihr Schaffen zeichnet sich durch eine tiefe Sensibilität für Bilder aus der Kunstgeschichte oder von aktuellen Ereignissen aus und spiegelt sowohl kollektive als auch intime Erfahrungen wider: von Leid, Vergänglichkeit und Traumata zu Geborgenheit und Schönheit. Im Rahmen der aktuellen Sammlungspräsentation „This is tomorrow“ wird die Skulptur „Need III“ in Gegenüberstellung mit Werken von Doris Salcedo und Teresa Margolles gezeigt. Die gemeinsamen Themen dieser drei Künstlerinnen sind Gewalt, Verlust und Trauer. Daher wählte De Bruyckere spezifische Werke der Alten Meister aus, stellte sie in einen neuen Kontext und eine Verbindung zu ihren eigenen Arbeiten her: die traditionelle Kreuzigung Christi hat sie so in einen Dialog mit modernen Tragödien wie die Waffengewalt in amerikanischen Städten, die Brutalität von Kartellen und Femizide gebracht. |