Weststern-Preis vergeben  |  | in der Ausstellung „___Stadt“ | |
Die Gewinner des zum zweiten Mal vergebenen Förderpreises „*Weststern“ für Kunstvereine in Nordrhein-Westfalen stehen fest: Heuer werden der Kunstverein Siegen, der Westfälische Kunstverein Münster, der Kunstverein Unna und der Neue Aachener Kunstverein ausgezeichnet. Der Kunstverein Siegen überzeugte in der Kategorie „Jahresprogramm“ mit seinem Fokus auf die Themen urbane Transformation, Öffentlichkeit und Teilhabe. Die Jury lobte die kuratorische Haltung, die zeitgenössische Kunst konsequent mit Fragen des urbanen Zusammenlebens verbinde: „Indem der Kunstverein Siegen den Ausstellungsraum immer wieder verlässt und den Stadtraum als Ort künstlerischer Auseinandersetzung erkundet, schafft er neue Formen von Öffentlichkeit – etwa mit der Gruppenausstellung „___Stadt“, die im leerstehenden Karstadt-Kaufhaus stattfand.“ Dafür erhält er nun 40.000 Euro.
In der Kategorie „Ausstellung“, die mit 30.000 Euro dotiert ist, sicherte sich der Westfälische Kunstverein in Münster für die Schau „Julia Heyward: Voices of Many Voices“ den Preis. Dies sei eine längst überfällige institutionelle Auseinandersetzung mit dem Werk einer Künstlerin gewesen, die trotz ihres Einflusses auf die New Yorker Kunstszene in Deutschland bislang kaum präsent war, so das Preisgremium. Heywards multimediale Praxis verknüpft Stimme, Körper, Text, Musik und elektronische Medien und eröffnet damit eine vielschichtige Auseinandersetzung mit Identität, Öffentlichkeit und gesellschaftlichen Machtverhältnissen. „Julia Heywards ‚Voices of Many Voices‘ erweitert maßgeblich das Bild, das hierzulande von der New Yorker Kunstwelt seit den 1970er Jahren existiert. Die US-amerikanischen Obsessionen, die Heywards Figuren buchstäblich zur Sprache bringen, sind nach wie vor beunruhigend aktuell“, so Jurymitglied Barbara Hess.
Der Preis in der Kategorie „Engagement“ und 20.000 Euro gehen an den Kunstverein Unna. Die Jury lobte den ehrenamtlichen Einsatz des Vorstands und des Teams, der seit 1968 für zeitgenössische Kunst und kulturelle Teilhabe zwischen Ruhrgebiet und Münsterland stehe, und hob besonders den Umzug an den neuen Wirkungsort mitten im Zentrum von Unna hervor. Als unabhängiger Ort für zeitgenössische Kunst sei der Kunstverein damit noch stärker im Stadtraum präsent. Das zur Straße ausgerichtete Schaufenster mache Kunst auch außerhalb der Öffnungszeiten sichtbar und lade Passant*innen dazu ein, einen unmittelbaren Zugang zu aktuellen künstlerischen Positionen zu finden. Die große Schaufensterfläche soll nicht nur für Kunst genutzt werden, sondern auch das Team und die Arbeit mit den Künstler*innen transparent werden lassen.
Eine „Besondere Anerkennung“, verbunden mit einem Preisgeld von 10.000 Euro, sprach die Jury dem Neuen Aachener Kunstverein (NAK) für künstlerische Vielfalt, queere Sichtbarkeit und programmatische Haltung zu. Inmitten des Aachener Stadtparks gelegen, zeichne sich der NAK als einzigartiger Ausstellungsort aus, der als unabhängige Plattform internationale Gegenwartskunst präsentiere, die sich mit visueller (Pop-)Kultur, Identität und (queeren) Lebensrealitäten auseinandersetze und aktuelle gesellschaftliche Diskurse reflektiere. „Mit dem Ort zu arbeiten, ihn durch die Kunst in einen Imaginations-Raum zu verwandeln, sensibilisiert unsere Sinne und unser Denken. Wenn Zeichen subversiv gelesen und interpretiert sein wollen, öffnen sich Welten… nicht nur in stark codierten Toiletten-, Dusch- und Kellerräumen“, gab Jurymitglied Stefanie Zanon ihre Wertung ab.
Der Ratinger Geschäftsmann und Kunstsammler Jan Fischer, Mehrheitseigner des Familienunternehmens DKV Mobility Group, gründete 2024 zusammen mit der Leap Art Foundation den neuen Förderpreis für Kunstvereine in Nordrhein-Westfalen. Mit dem „*Weststern“ wollen die Stifter außergewöhnliche kuratorische Leistungen sowie herausragende künstlerische Einzelpräsentationen und ein lebendiges gesellschaftliches Engagement auszeichnen und damit öffentlich die wichtige Rolle der Kunstvereine in Nordrhein-Westfalen für die zeitgenössische Kunstproduktion anerkennen. Dafür stellen sie jährlich 90.000 Euro zur Verfügung, die in den drei Kategorien „Bestes programmatisches Jahreskonzept“, „Herausragende Einzelausstellung“ und „Gesellschaftliche Engagements und gemeinschaftliche Teilhabe“ vergeben werden. Hinzu kann die „Besondere Anerkennung“ kommen. Im vergangenen Jahr wurden erstmals der Kunstverein Bielefeld, der Dortmunder Kunstverein, die Temporary Gallery in Köln und der Neue Essener Kunstverein ausgezeichnet. |