Preis für Kunstkritik an Sarah Alberti  |  | Sarah Alberti erhält den ADKV-Art Cologne Preis für Kunstkritik 2026 | |
Der ADKV-Art Cologne Preis für Kunstkritik geht heuer an Sarah Alberti. Die promovierte Kunsthistorikerin und freie Journalistin bearbeite die Brüche und Leerstellen der deutschen Kunstgeschichte in der Wochen- und Tagespresse ebenso wie in Kunstmagazinen, in Interviewreihen, Ausstellungs- und Vermittlungsprojekten, so die Jury, die zugleich die Konsequenz ihrer über anderthalb Jahrzehnte aufgebauten Arbeit hervorhob. Im Zentrum ihrer Praxis stehe ein Feld, das der bundesdeutsche Kunstbetrieb bis heute nur selektiv bearbeite: die Kunst und Kultur der DDR und ihr Weiterleben in Sammlungen, Institutionen und Erinnerungsdebatten der Gegenwart. Ebenso konsequent widme Alberti ihr Schreiben dem aktuellen Kunstgeschehen in Ostdeutschland und seiner überregionalen Relevanz. So brächten ihre Auseinandersetzung mit dem Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal und ihre Rezension des deutschen Pavillons der diesjährigen Biennale in Venedig präzise historische Kenntnis mit einem Urteil zusammen, das nicht im Beschreibenden verharrt.
Sarah Alberti, geboren 1989 in Leipzig, verfasst ihre Texte von ihrer Heimatstadt aus und hat sich denselben historischen Einschnitt zweifach erarbeitet, wissenschaftlich in ihrer Promotion über das Ausstellungsprojekt „Die Endlichkeit der Freiheit“, das 1990 in Ost- und West-Berlin stattfand und von BRD und DDR gemeinsam finanziert und realisiert wurde, und journalistisch in ihrer laufenden Berichterstattung. „Ostdeutschland erscheint bei ihr nicht als Sonderthema mit Nachholbedarf, sondern als Prüfstein für jene Erzählungen, die sich das gesamtdeutsche Kunstsystem über sich selbst zurechtgelegt hat“, führte die Jury weiter aus. „Vom Umgang mit Monumenten im öffentlichen Raum bis zur Frage, welche Biografien und welche Werke in den Kanon gelangen, verfolgt sie diese Perspektive mit einer Kenntnis des Feldes, die im deutschsprachigen Kunstjournalismus derzeit nur selten Platz findet. Es sind Texte zu Themen, die vermutlich nur deshalb erscheinen, weil es diese Autorin gibt.“
Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird seit 1999 durch die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) ausgelobt und seit 2006 in Kooperation mit der Kölner Kunstmesse Art Cologne vergeben. Er würdigt das Engagement frei arbeitender Kunstkritiker*innen, die sich in der Fach- und Tagespresse oder in anderen Medien mit zeitgenössischer Kunst und ihrem sozialen Kontext auseinandersetzen. Die Auszeichnung ging bisher unter anderem an Stefan Römer, Renate Puvogel, Gregory Williams, Catrin Lorch, Rudolf Schmitz, Jens Kastner, Astrid Mania, Stefan Kobel, Kito Nedo, Antje Stahl, Magdalena Kröner, Martin Conrads und im vergangenen Jahr an Noemi Y. Molitor. |