Preisträgerschau zu Ishmat Habib in Lingen  |  | Ishmat Habib, Ohne Titel, 2023 | |
Ishmat Habib hat den Lingener Kunstpreis 2026 gewonnen. Aus diesem Anlass richtet ihm die Kunsthalle Lingen seit dem Wochenende die erste institutionelle Personale aus. Unter dem Titel „Codex“ sind Werke des 1998 in Bantul auf Java geborenen und heute in Berlin lebenden Malers aus den letzten Jahren zu sehen. Die farbintensiven und kraftvollen Gemälde, die sich einer gestischen Haltung annähern, gründen auf der javanischen Philosophie, mit der Ishmat Habib aufgewachsen ist. Die über Generationen mündlich überlieferten Erzählungen und Vorstellungen von Harmonie, Respekt und Ausgeglichenheit überträgt er in eine eigenständige, zeitgenössische Bildsprache. Dabei geht es ihm nicht um eine Erklärung oder Rationalisierung dieser Tradition, vielmehr will er seine persönliche Faszination für ihre Inhalte sichtbar machen.
Eine wichtige Rolle nimmt dabei die Natur ein. Ishmat Habib zeigt in seinen Gemälden bunte Landschaften, Pflanzen und andere Naturerscheinungen, die beinahe figürliche Qualitäten einnehmen und somit zu eigenständigen Akteuren werden. Manchmal treten auch Mischwesen aus Mensch, Tieren und Pflanzen in seinen Arbeiten auf. Ausgehend von der Natur reflektiert der Künstler grundlegende gesellschaftliche Fragen zu Machtverhältnissen, Migrationspolitik oder der Zerstörung natürlicher Lebensräume. Dabei verbindet er physische und spirituelle Dimensionen, will das Geheimnisvolle und Mystische in die heutige Welt zurückbringen und löst bei den Betrachter*innen seiner Werke Erkundungen nach den eigenen kulturellen und geistigen Wurzeln aus.
Ishmat Habib studierte zunächst von 2017 bis 2021 am Indonesia Institute of Arts in Yogyakarta und absolvierte ein Semester an der Akademie der bildenden Künste in Prag. Dann wechselte er an die Städelschule nach Frankfurt am Main, wo er sein Studium 2023 als Meisterschüler bei Willem de Rooij abschloss, der Habib auch für den Lingener Kunstpreis vorschlug. Bisher nahm er an Gruppenausstellungen teil, unter anderem in Frankfurt, Prag, den USA oder im heimatlichen Yogyakarta.
Der mit 7.500 Euro dotierte Lingener Kunstpreis richtet sich an junge Malerinnen und Maler, die in der Kunstszene noch nicht etabliert sind. Er will ihnen ein Forum für die Präsentation ihrer Arbeiten bieten und bei der Karriere in der Kunstwelt unterstützen. Die Auszeichnung wird seit 1983 verliehen und ging bisher unter anderem an Henning Rethmeier, Rolf Bier, Karin Kneffel, Ildefons Höyng, Antje Majewski, Cornelius Völker, Birgit Megerle, Matthias Kanter, Kim Nekarda, Marieta Chirulescu, Éder Oliveira, Helen Feifel, Georgia Gardner Gray, Robel Temesgen und zuletzt 2024 an Cudelice Brazelton IV.
Die Ausstellung „Ishmat Habib – Codex“ ist bis zum 10. Januar 2027 zu sehen. Die Kunsthalle Lingen hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenlos sowie freitags für alle. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Kunsthalle Lingen
Kaiserstraße 10a
D-49809 Lingen (Ems)
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