München restituiert Gemälde von Albert Lang  |  | Albert Lang, Die Musik (Arkadische Szene), 1892 | |
Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben gestern ein Gemälde aus der Neuen Pinakothek in der deutschen Botschaft in Washington an die Nachfahren von Sofie Heilbronner zurückgegeben. Dabei handelt es sich um die symbolistische Szene „Die Musik“ von Albert Lang aus dem Jahr 1892, auf dem Frauen und Männer in einer arkadischen Gartenlandschaft bei Musik wandeln und somit die Harmonie zwischen Menschen und Natur in einem Goldenen Zeitalter vergegenwärtigen. Die Herkunft dieses Werks blieb über Jahrzehnte ungeklärt. 2015 wurde es durch die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen als möglicherweise NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut an die Lost Art-Datenbank gemeldet. Eine weiterführende Provenienzprüfung im Jahr 2020 belegte, dass das Werk aus einem Lager in der Lazarettstraße als eine sogenannte „Überweisung aus Staatsbesitz“ in die Sammlung des Bayerischen Landesamts für Vermögensverwaltung und Wiedergutmachung gelangt war. Entscheidende Hinweise lieferten dabei Dokumente der Münchner Galerien Heinemann und Hugo Helbing, die Sofie Heilbronner als rechtmäßige Eigentümerin des Werkes belegen.
Sofie Heilbronner war Witwe des 1929 verstorbenen Münchner Bankiers Hugo Heilbronner, Inhaber des Bankhauses A. M. & J. Heilbronner am Maximiliansplatz. Sie besaß mehrere Immobilien in München und Berlin sowie einen umfangreichen Kunstbestand. Bis 1938 lebte sie mit Unterbrechungen in München; dann gelang ihr als Jüdin, die von Nationalsozialisten verfolgt wurde, die Flucht über Rotterdam nach New York. Schon vorher war sie gezwungen, ihre Immobilien verfolgungsbedingt zu veräußern. Ihr in Deutschland verbliebenes Vermögen wurde vom NS-Regime beschlagnahmt. Ein bedeutender Teil ihres Besitzes bestand aus Kunstwerken. In Vorbereitung ihrer Flucht begann Sofie Heilbronner 1936, ihre Wohnungseinrichtung einschließlich der Kunstsammlung zu verkaufen oder versteigern zu lassen. Ihre Versuche, Albert Langs Gemälde über den Münchner Kunsthandel zu veräußern, sind für die Jahre 1936 und 1938 dokumentiert. 1938 beauftragte sie ein Berliner Speditionsunternehmen mit der Verschiffung ihres Hausrats in die USA. Der Überseecontainer, der auch ihre Kunstwerke enthielt, erreichte jedoch nie sein Ziel: 1943 wurde das Umzugsgut in Berlin durch das NS-Regime versteigert und verwertet. |