Hamburger Kunsthalle erwirbt Runge-Zeichnung  |  | Philipp Otto Runge, Bildnis des Bruders Jakob, 1801 | |
Als Vorbote der großen Runge-Schau im kommenden Jahr hat die Hamburger Kunsthalle ein Werk von Philipp Otto Runge erworben. Mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Campe’schen Historischen Kunststiftung gelang der Ankauf der Zeichnung „Bildnis des Bruders Jakob“ aus Privatbesitz. Auf dem Blatt aus dem Jahr 1801 schildert Runge seinen Bruder Jakob als nach oben blickenden, in Gedanken versunkenen jungen Mann im Profil nach links. Seine Gesichtszüge sind markant, der beseelt erscheinende Ausdruck wird durch den meisterhaften Einsatz der weißen Kreide erzielt. Das Halstuch des Mannes leuchtet hell, die Haare und die mit Knöpfen versehene Jacke sind überaus weich und fließend mit feinen und detaillierten Kreidestrichen wiedergegeben.
Diese für seine frühe Porträtkunst wichtige Zeichnung ergänzt die überlieferten großformatigen Porträts in schwarzer und weißer Kreide, die Runge für seine letztendlich nicht ausgeführte Komposition „Heimkehr der Söhne“ im April oder Mai 1801 im heimatlichen Wolgast angefertigt hat. Er plante spätestens seit August 1800 dieses private Familiensujet, das als großformatiges Wandbild im Wolgaster Haus seines Bruders Jakob gedacht war. Runge wollte eine freudige Begrüßungsszene im Familienkreis schaffen, mit der die liebevolle Innigkeit der beiden in Hamburg lebenden Brüder Daniel und Philipp Otto zum Ausdruck kommen sollte.
Ein wesentlicher Teil des Rungeschen Œuvres zählt bereits zu den Beständen der Hamburger Kunsthalle. Anlässlich des 250. Geburtstags von Runge im kommenden Jahr widmet das Museum dem Künstler, der zu den Wegbereitern der Romantik zählt, eine umfangreiche Ausstellung. „Philipp Otto Runge – Romantisch. Radikal. Modern“ präsentiert ab September 2027 seine Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken und stellt sie in einen Dialog mit Werken seiner Zeitgenossen und mit künstlerischen Positionen des 20. und 21. Jahrhunderts. |