Hannah Witte in Leipzig ausgezeichnet  |  | Bei der Preisverleihung an Hannah Witte | |
Hannah Witte hat heute den diesjährigen Meisterschüler*innen-Preis der G2 Kunsthalle in Leipzig erhalten. Steffen Hildebrand, Sammler und Geschäftsführer der G2 Kunsthalle, sowie Leo Wedepohl, Direktor der Kunsthalle, überreichten der 1993 in Herdecke geborenen Künstlerin die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für Absolventen der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Gewonnen hat Witte den Preis für ihre Abschlussarbeit „Queering Dis/ability Design“, in der sie ein praxisorientiertes Handbuch für Gestalter*innen vorgelegt hat, das sich mit Barrierefreiheit, Zugänglichkeit und Inklusion im Grafikdesign auseinandersetzt.
In der Jurybegründung heißt es: „Die Arbeit vereint queere, feministische und be_hinderte Perspektiven und überführt diese in eine konkrete gestalterische Praxis. Dabei setzt sie nicht erst bei der nachträglichen Anpassung von Gestaltung an, sondern versteht inklusives Denken als grundlegenden Bestandteil des Entwurfsprozesses. Witte verbindet Designpraxis mit künstlerischer Forschung und Theorie. Dabei geht es nicht allein darum, bestehende Barrieren zu beseitigen, sondern auch darum, sie sichtbar zu machen, zu hinterfragen und neue Perspektiven auf Gestaltung zu eröffnen. Ergänzt wird die Publikation durch eine Workshopreihe, in der Gestalter*innen experimentelle und partizipative Strategien entwickeln und erproben. Die Publikation versteht Barrierefreiheit nicht als ergänzende Maßnahme, sondern als zentrale Gestaltungsaufgabe und eröffnet damit Impulse für eine zugänglichere und inklusivere Zukunft. Ihre Relevanz reicht dabei über die Designpraxis hinaus und versteht sich als Einladung für die gesellschaftliche Öffentlichkeit, sich mit Themen des Barriereabbaus zu beschäftigen.“
Hannah Witte ist Grafikdesignerin und lebt in Leipzig. Zunächst studierte sie Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste in Essen und schloss ihr Studium dort 2020 ab. Dann wechselte sie an die Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) nach Leipzig, wo sie nun ihr Meisterschülerinnen-Studium in der Klasse für Typografie bei Anna Lena von Helldorff beendete. In Wittes gestalterischer Praxis liegt der Schwerpunkt auf Printmedien, experimenteller Typografie und visuellen Identitäten, überwiegend im Kunst- und Kulturbereich. Dabei erforscht sie queerfeministische Strategien, um diskriminierende Strukturen und Leerstellen in Designprozessen sichtbar zu machen und zu dekonstruieren. Ihr Buch „Typohacks – Handbuch für Typografie und gendersensible Sprache“ erschien 2021 im Form Verlag.
Der Meisterschüler*innen-Preis der G2 Kunsthalle fördert junge Künstler*innen der HGB am Beginn ihrer Laufbahn und wurde in diesem Jahr zum zehnten Mal vergeben. Er geht auf eine Initiative des Leipziger Immobilienentwicklers und Kunstsammlers Steffen Hildebrand, der seit 2015 Werke aus seiner Privatsammlung mit Gegenwartskunst in seiner G2 Kunsthalle öffentlich zugänglich macht. Sein Ziel ist die Unterstützung und Entwicklung zeitgenössischer Kunstproduktion vor Ort. Dazu stellt Hildebrand neben dem Preisgeld auch ein Atelier für den Zeitraum von zwölf Monaten zur Verfügung. Voraussetzung für die Bewerbung ist der erfolgreiche Abschluss der Meisterschüler*innen-Prüfung an der HGB Leipzig. Eingereicht wurden in diesem Jahr Arbeiten aus den Bereichen Buchkunst, Grafikdesign, Malerei, Grafik, Fotografie und Medienkunst.
Hannah Wittes Buch und die Arbeiten der anderen Meisterschüler*innen sind ab heute in der Schau „M26 - Ausstellung der Meisterschüler*innen“ bis zum 8. Oktober zu sehen. Die Werkschau Halle 12 in der Baumwollspinnerei hat dienstags bis samstags von 12 bis 18 Uhr geöffnet.
Werkschau Halle 12
Baumwollspinnerei
D-04179 Leipzig |