Tina Blau in Ahlen  |  | Tina Blau, Spätnachmittag am Palatin. Rom , 1886 | |
Nach dem Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern widmet nun auch das Kunstmuseum Ahlen Tina Blau die erste museale Ausstellung in Deutschland. Während die 1845 in Wien geborene Malerin in ihrer Heimat zum festen Künstlerkanon des 19. Jahrhundert gehört, ist sie außerhalb Österreichs weitgehend vergessen, obwohl ihre Werke zu Lebzeiten auf Weltausstellungen und weiteren internationalen Präsentationen zu sehen waren und die Künstlerin mit Auszeichnungen geehrt wurde. Mit rund 40 Leihgaben beleuchtet Kuratorin Martina Padberg nun das Œuvre und das Leben von Tina Blau, die zu den beutenden Vertreterinnen der jungen Freilichtmalerei gehörte und damit die Kunst der Moderne vorbereitete. Den Ausflug ins 19. Jahrhundert kombiniert Padberg mit zeitgenössischen Arbeiten von Rosa M Hessling, die als „Gärtnerin des Lichts“ ungegenständliche Gemälde mit zarten leuchtenden Farbnuancen zeigt, die auf Naturbeobachtungen beruhen und aus speziellen Pigmenten entwickelt sind.
Da Frauen im 19. Jahrhundert noch keine Kunstakademie besuchen durften, nahm Tina Blau, die später vor allem mit Landschaften und Stillleben reüssieren sollte, privaten Malunterricht. Schon 1860 ging sie zu dem Landschaftsmaler August Schaeffer, der sie bereits zum Malen in der freien Natur motivierte. Später wechselte sie in die private Malschule von Wilhelm Lindenschmit d.J. nach München und besuchte hier die I. Internationale Kunstausstellung im Glaspalast, bei der sie vor allem die Kunst der Schule von Barbizon beeindruckte. In ihren eigenen Werken, die zwischen Realismus und Impressionismus stehen und zum sogenannten „Stimmungsimpressionismus“ gerechnet werden, fing Blau naturgetreu und meisterhaft das Licht ein, wie es etwa im „Apriltag im Prater“ von 1889 durch Wolkenschichten bricht und Schatten unter Bäumen wirft.
Der Rundgang der Ausstellung folgt wichtigen Lebensstationen der Künstlerin und startet mit frühen Werken aus den 1870er Jahren, als Tina Blau bereits auf erste Erfolge zurückblicken konnte. Ein Interieur von 1872 mit zartem Lichtspiel auf einer von der Sonne beschienenen Zimmerwand zeigt vermutlich einen Ausschnitt ihres Münchner Ateliers. In den Sommermonaten malte sie mit dem befreundeten Emil Jakob Schindler und seinem Malerkreis im Wiener Umland. Neben idyllischen Naturlandschaften interessierte sich Tina Blau dabei für Orte, an denen sich die Landschaften durch Baumaßnahmen oder die voranschreitende Industrialisierung veränderten. Studienreisen führten sie unter anderem nach Italien, Frankreich, Holland oder Ungarn. Auch hier traf Blau stets auf neue Motive und Lichtverhältnisse, die sie als Freilichtmalerin reizten. Sie fertigte Skizzen im Freien an und gab Landschaftsfotografien in Auftrag, um später im Atelier danach zu arbeiten. Vor allem das südliche Licht Italiens hellte ihre Farbpalette auf. So tauchte sie antike Stätten in Rom, wie bei ihrem „Spätnachmittag am Palatin“ von 1886, oder kleine, von Spaziergängern belebte Gassen in Venedig in helles Sommerlicht.
Die Ausstellung „Im Freien. Tina Blau – Eine Impressionistin aus Wien“ ist bis zum 1. November zu sehen. Das Kunstmuseum Ahlen hat mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr, am Samstag, Sonntag und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Der begleitende Katalog kostet im Museum 34 Euro, im Buchhandel 42 Euro.
Kunstmuseum Ahlen
Museumsplatz 1
D-59227 Ahlen
Telefon: +49 (0)2382 – 91 830 |