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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Gemälde bei Koller

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Über ihr Haus ist viel geschrieben worden. Da gibt es lange Abhandlungen und in den Bibliotheken finden sich etliche Bücher. Aber über die Kunstsammlung, die die belgische Bankiersfamilie Stoclet in ihrem berühmten Brüssler Palais beherbergte, ist nur wenig bekannt. Immer noch hütet die Familie das Juwel der Wiener Werkstätte, das unter den Händen Josef Hoffmanns zwischen 1905 und 1911 als Gesamtkunstwerk Gestalt annahm und zu den bedeutendsten Bauten der Architekturgeschichte zählt. Die Kunstschätze, die Adolphe und Suzanne Stoclet dort zusammentrugen, sind lediglich im einem Katalog aus dem Jahr 1956 verzeichnet. Sechs Werke aus dieser Sammlung bilden nun den Höhepunkt in der Gemäldeauktion am 26. März bei Koller in Zürich. Die vier altitalienischen Tafelbilder, die gotische Marmorskulptur einer „Maria lactans“ und ein „Christus mit der Dornenkrone“ von Aelbert Bouts sollen zusammen mindestens zwei Millionen Franken einbringen. Schon im vergangenen März brachte Koller archäologische und frühmittelalterliche Objekte aus der Sammlung Féron-Stoclet, die er als Enkel von Suzanne und Adolphe Stoclet geerbt hatte, zur Auktion.



Alle sechs Stücke sind kunsthistorisch bedeutend. Gegenüber dem Katalog von 1956 konnten aufgrund neuerer Forschungsergebnisse einige Zuschreibungen verändert werden. So stammt die kleine Tafel mit dem letzten Abendmahl, angesiedelt in einer edlen Palastarchitektur, aller Wahrscheinlichkeit nach vom dem Aretiner Maler Andrea di Nerio aus der Mitte des 14. Jahrhunderts (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR) und das noch ältere, bemalte Passionskreuz von dem umbrischen Maestro Espressionista di Santa Chiara (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Die verhalten und doch auch lebhaft geschilderte „Geburt Christi“ des Maestro dell’ Annunciazione Spinola lässt sich ebenfalls in den Umkreis Giottos einordnen. Die kleine, auf Goldgrund gemalte Weihnachtsgeschichte soll 500.000 bis 900.000 Franken einspielen.

Als teuerstes Werk ragt unter den vier altitalienischen Tafelbildern die „Verkündigung“ von Lorenzo Monaco heraus. Gerade in dem delikaten Spiel der Gesten und in der psychischen Reaktion der beiden Protagonisten erweist sich auch Monaco als feinsinniger später Interpret der Kunst Giottos. Die 140 Zentimeter hohe Tafel, die laut Katalog zu den „Meisterwerken der florentinischen Spätgotik“ gezählt werden darf, ist mit 1,2 bis 1,8 Millionen Franken veranschlagt und damit das Highlight der Auktionsfolge bei Koller. Bleiben noch die strenge Skulptur der stillenden „Maria lactans“ aus Verona um 1250, die mit 80.000 bis 150.000 Franken zu Buche schlägt, und Aelbert Bouts eindrucksvolle „Ecce homo“-Darstellung um 1500, die in ihrer Drastik mit Mel Gibsons aktueller Verfilmung gut mithalten kann dazu aber noch eine tiefe innere Religiosität bietet (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR).

Auch außerhalb der Stoclet-Provenienz gibt es qualitätvolle altitalienische Malerei. Als Fragment aus einem großen Zusammenhang, wahrscheinlich einer Sacra Conversazione, erweist sich Benozzo Gozzolis Darstellung der Heiligen Lucia mit ihren Attributen, der Martyrerpalme und den beiden Augen (Taxe 40.000 bis 70.000 SFR). Als eine eigenhändige Replik nach einem Bild in der Pinacoteca Capitolina in Rom weist der Katalog den „Besuch Annas und Joachim mit dem Johannesknaben bei Maria, Joseph und den Christuskind“ von Garofalo Tisio aus (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Barocke italienische Malkunst findet sich in Giovanni Battista Salvis inniger Darstellung „Madonna mit Kind“, die in der Tradition Rafaels steht (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Und schließlich rundet die erheiternde Karikatur eines dicken Mönches, eine lavierte Tuschezeichnung von Giovanni Antonio Burrini, den italienischen Bereich ab (Taxe 4.500 bis 6.500 SFR).

Gegenüber Aelbert Bouts’ Christusdarstellung bieten die anderen flämischen und holländischen Meister gefälligere Kost für den heimischen Salon. Jan Brueghel II. arrangierte um die Mitte des 17. Jahrhundert seine Blumen in einer glasierten Tonschale. In der Anlage des Bildes und in der weichen, teils verwischten Art mancher Blüten nimmt die Holztafel schon das 19. Jahrhundert vorweg (Taxe 150.000 bis 200.000 SFR). Ebenfalls von Jan Brueghel II. samt Werkstatt stammt die mythologische Szene „Venus in der Schmiede des Vulkan“ als Allegorie auf die Luft und das Feuer. Bereits im vergangenen September war die Feinmalerei bei Koller im Angebot, fand aber keinen Liebhaber. An Qualität hat sie in der Zwischenweit nichts eingebußt, aber etwas an Wert. Sollte sie damals mindestens 140.000 Franken erreichen, gibt es sie jetzt schon für 120.000 Franken. Von ausgesuchter, beinahe französischer Farbraffinesse zeugt die biblische Szene „Christus und der Hauptmann von Kapernaum“. Sie entstand um 1631/34 und gilt als Hauptwerk des Niederländers Bartholomeus Breenbergh (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR). Unverkennbar schimmert in Willem de Poorters Gemälde „Mardochai belauscht Bigthan und Theres beim Komplott gegen Ahasver“ der Lehrer Rembrandt durch (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR).

Als kunsthistorische Neuentdeckung preist der Katalog zwei kleine Blumenstillleben in einer Steinnische an. Die identisch großen Kupfertafeln stammen von Johann Rudolf Byss und Johann Adalbert Angermeyer. Erstaunlich ist außerdem die selbe Anlage der Komposition, eine fast übereinstimmende Farbwahl, die selben Lichtverhältnisse, die selbe Vase und die selbe Nische. Wie die Kunsthistorikerin Hana Seifertova jetzt feststellte, stammen beide Gemälde aus der Sammlung des Grafen Wrschowetz in Prag. Da in den Kunstgalerien der Prager Paläste im ausgehenden 17. Jahrhundert eine strikt symmetrische Hängung en vogue war, gab der Graf bei Malern gleich ganze Serien in Auftrag. Byss und Angermeyer mussten daher in Gleichklang arbeiten und folgten hier einem Prototyp von Roelant Savery (Taxe je 50.000 bis 70.000 SFR).

An deutscher Kunst verzeichnet der Katalog dann noch vier Studien verschiedner Tulpenarten. Die aufrechten Solitäre brachte Jacob Marrel mit Aquarell und Feder zu Papier (Taxe je 8.000 bis 12.000 SFR). Klassizistischen Gedanken hängen zwei Aquarelle über Feder und Bleistift von Jean-Baptiste Isabey an. Seine Parklandschaft lässt Erinnerungen an Arkadien wach werden und die junge Dame des zweiten Blattes schaut versonnen durch den Betrachter in eine ferne Welt (Taxe je 4.000 bis 5.000 SFR). Anton Graffs typisches Portrait des Dresdner Arztes, Ratsbaders und Stadtchirurgen Johann Michael Eltz führt ins 19. Jahrhundert. Hier gibt es dann von Carl Spitzweg eine vortrefflich geschilderte „Heuernte im Gebirge“ vor einer steilen Felswand, die aber nichts von seinen tragisch-ironischen Subtilitäten der bekannten Gemälde hat (Taxe 150.000 bis 200.000 SFR). Gustave Courbet steuert eine ruhige Küstenlandschaft mit zwei Booten und einem Fischerjungen bei (Taxe 70.000 bis 90.000 SFR), Albert Anker das Brustbild eines zarten Bauernmädchens (Taxe 200.000 bis 300.000 SFR) und der Bologneser Orientalist Fabio Fabbi eine erotische Szene vom Sklavenmarkt (Taxe 220.000 bis 250.000 SFR).

Die Auktion beginnt am 26. März um 14:30 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.galeriekoller.ch abrufbar.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch

Startseite: www.kollerauktionen.com



24.03.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Aelbert Bouts, Ecce homo. Christus mit der Dornenkrone, um 1500
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Bartholomeus Breenbergh, Christus und der Hauptmann von Kapernaum,
 um 1631/34
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Jan Breughel d.J., Blumen in einer glasierten Tonschale
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 Anker, Bildnis eines Mädchens
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Albert Anker,  Bildnis eines Mädchens

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Taxe: 200.000 - 300.000 SFR

Zuschlag: 220.000,- SFR

Losnummer: 3084

Johann Rudolf Byss,  Blumenstrauss in einer Steinnische, 1693

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Taxe: 50.000 - 70.000 SFR

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Jan Breughel d.J.,  Blumen in einer glasierten Tonschale

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Taxe: 150.000 - 200.000 SFR

Zuschlag: 185.000,- SFR

Losnummer: 3018

Aelbert Bouts,  Ecce homo. Christus mit der Dornenkrone, um 1500

Aelbert Bouts, Ecce homo. Christus mit der Dornenkrone, um 1500

Taxe: 100.000 - 150.000 SFR

Zuschlag: 100.000,- SFR

Losnummer: 3012

Jean-Baptiste Isabey,  Parklandschaft

Jean-Baptiste Isabey, Parklandschaft

Taxe: 4.000 - 5.000 SFR

Zuschlag: 4.000,- SFR

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Meister der Spinola-Verkündigung,  Die Geburt Christi

Meister der Spinola-Verkündigung, Die Geburt Christi

Taxe: 500.000 - 900.000 SFR

Zuschlag: 800.000,- SFR

Losnummer: 3009

Bartholomeus Breenbergh,  Christus und der Hauptmann von Kapernaum, um 1631/34

Bartholomeus Breenbergh, Christus und der Hauptmann von Kapernaum, um 1631/34

Taxe: 70.000 - 100.000 SFR

Zuschlag: 70.000,- SFR

Losnummer: 3017




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