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Marktberichte |
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Ergebnisse: Gemälde bei Koller  Keusche 2,1 Millionen Franken

| Kündigen sich neue, bessere Zeiten im Kunstmarkt an? Blickt man auf die Auktionen der vergangenen Woche zurück, scheint dies zuzutreffen. Hohe Zuschlagsquoten, teilweise sehr gute Preise und ein verstärktes Interesse für die Mittelware scheinen die Trendwende zu markieren. Da nimmt es nicht Wunder, dass die Galerie Koller ihren Pressetext mit „Auktionsresultate wie in den besten Zeiten“ überschreibt. Grund dazu hat sie. Von den 1399 Angeboten wurden immerhin 890 verkauft, was einer Zuschlagsquote von knapp 64 Prozent entspricht. Und mit einem Gesamtumsatz von 14,3 Millionen Franken hat man nach Angaben des Hauses mehr als die Summe der unteren Katalogschätzungen eingefahren. 13 Millionen Franken waren hier vorgesehen. Also Grund zur Freude in Zürich.
Einen beträchtlichen Anteil am Umsatz hat das Hauptlos der Auktion. Die „Verkündigung“ von Lorenzo Monaco aus der Sammlung des belgischen Bankiers Adolphe Stoclet ließ die Bieter nicht locker. Im Saal und an den Telefonen stritten sie sich um die gegen 1420 gemalte, keusche neutestamentliche Szene. Im feinsinnigen Spiel der Gesten kostet Monaco darin die psychischen Reaktion von Gabriel und Maria aus. Taxiert mit 1,2 bis 1,8 Millionen Franken fiel der Hammer schließlich bei 2,1 Millionen Franken. Auch die übrigen fünf Werke aus der Sammlung Stoclet fanden ihre Freunde. Mit 800.000 Franken schlug die „Geburt Christi“ des Maestro dell’ Annunciazione Spinola – auch er wie Monaco ein Interpret der Kunst Giottos – um 1310/20 zu Buche (Taxe 500.000 bis 900.000 SFR), mit 48.000 Euro die kleine Tafel mit dem letzten Abendmahl in einer vornehmen Palastarchitektur des Aretiner Malers Andrea di Nerio aus der Mitte des 14. Jahrhunderts (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR), und als letztes der vier altitalienischen Tafelbilder ein an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert gemaltes Passionskreuz. Die Arbeit des umbrischen Maestro Espressionista di Santa Chiara verdreifachte mit einem Zuschlag von 290.000 Franken fast die untere Taxe von 100.000 Franken. Die gotische Marmorskulptur „Maria lactans“ eines Veroneser Meisters um 1250 kam auf 130.000 Franken (Taxe 80.000 bis 150.000 SFR) und Aelbert Bouts’ erschütternder „Christus mit der Dornenkrone“ um 1500 auf die untere Schätzung von 100.000 Franken.
Auch über die Sammlung Stoclet hinaus fanden die Gemälde bei den Kunstfreunden Gefallen. Die losbezogene Zuschlagsquote lag in diesem Bereich bei knapp 63 Prozent, der Umsatz bei 6,7 Millionen Franken. Bei den Italienern reüssierten bei jeweils 43.000 Franken das „Bildnis des Giovanni Picco della Mirandola“, das Sandro Botticelli zugeschrieben wird (Taxe 25.000 bis 30.000 SFR), die „Heilige Lucia“ von Benozzo Gozzoli (Taxe 40.000 bis 70.000 SFR) und vor allem das herrschaftliche Portrait einer edlen, jungen Dame aus dem Umkreis von Alessandro Allori. Es übersprang die veranschlagten 25.000 bis 35.000 Franken mit Leichtigkeit und machte erst bei 60.000 Franken halt. Noch besser schnitt da eine freizügig gemalte „Susanna im Bade“ mit den beiden lüsternen Alten ab. Die Erwartungen der Simone Pignone zugeschrieben Bibelschilderung lagen bei 20.000 bis 30.000 Franken, erreicht wurden schließlich 70.000 Franken.
An die Spitze der Niederländer platzierte sich bei 185.000 Franken Jan Breughel d.J. mit einem Stillleben. Schon in der Mitte des 17. Jahrhundert arrangierte er seine Blumen in einer glasierten Tonschale so, dass die Anlage des Bildes und die weichen, teils verwischt gemalten Blüten schon auf die Kunst des 19. Jahrhundert hinweisen (Taxe 150.000 bis 200.000 SFR). Dagegen spricht aus Simon Pietersz Verelsts Blumenstrauß in einer Glasvase die Genauigkeit und Feinheit der Alten Meister. Das von Mohnblumen dominierte Stillleben kam auf 70.000 Franken (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR). Den gleichen Preis spielte auch das Gemälde „Christus und der Hauptmann von Kapernaum“ um 1631/34 ein, das als Hauptwerk des Niederländers Bartholomeus Breenbergh gilt (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR).
Den Vogel aber schoss eine kleine mit „Brueghel“ bezeichnete Kupfertafel ab. Obwohl Experten für Jan Brueghel und Paul Bril die zart gefasste Landschaft mit dem Heiligen Antonius in einer Höhle als Nachfolgearbeit des Flamen einstuften, ließen zwei Bieter im Saal nicht locker. Sie stritten solange bis sie das Vierzigfache der Taxe von 4.000 Franken erreicht hatten. Zum Schluss lagen sie bei 160.000 Franken. Da konnten die als kunsthistorische Neuentdeckung angepriesenen identisch großen Kupfertafeln von Johann Rudolf Byss und Johann Adalbert Angermeyer mit zwei fast identischen Blumenstillleben nicht ganz mithalten. Die erstaunlichen Ähnlichkeiten erklärt der gemeinsame Auftraggeber, Graf Wrschowetz aus Prag, und dasselbe Vorbild, ein Prototyp von Roelant Savery. Taxiert waren sie je auf 50.000 bis 70.000 Franken und brachten je 135.000 Franken ein.
Den Übergang zur Malerei des 19. Jahrhunderts markierten zwei Bildnisse. Georg Friedrich Adolf Schoener porträtierte Heinrich Pestalozzi 1808 und verbuchte dafür 24.000 Franken (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR), und Anton Graff um 1788 den Dresdner Arzt, Ratsbader und Stadtchirurgen Johann Michael Eltz. Er wurde für 26.000 Franken ausgelöst. Mit Albert Anker war man dann ganz im 19. Jahrhundert gelandet. Sein unverwechselbares Brustbild eines zarten Bauernmädchens bedachten die Bieter im Rahmen der Erwartungen mit 220.000 Franken (Taxe 200.000 bis 300.000 SFR). Ferdinand Georg Waldmüller war mit einem ebenso typischen Kinderbildnis des Grafen Czernin von Chudenice in Kadettenuniform von 1833 dabei, das bei 48.000 Franken den Auktionssaal verließ (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR).
Bei 10.000 Franken unter der Schätzung von 70.000 Franken stoppten die Gebote für Gustave Courbets ruhige Küstenlandschaft mit zwei Booten und einem Fischerjungen. Und auch Carl Spitzwegs „Heuernte im Gebirge“ holte seine Erwartungen nicht ganz ein. Es kam nur auf 120.000 Franken (Taxe 150.000 bis 200.000 SFR). Auch bei der Kunst des 19. Jahrhunderts war es ein Außenseiter, der manche Herzen höher schlagen ließ. Der Franzose Emile Munier steuerte die pittoreske Genreszene „Die zerbrochene Vase“ bei, in der das schuldbewusste kleine Mädchen gar zu treuherzig aus dem Bild blickt. Immerhin erweichte ihr Blick so manches Herz. Statt der geschätzten 15.000 bis 20.000 Franken standen am Schluss 180.000 Franken da. Zum Wiederverkauf sollte man jedenfalls die USA wählen. Dort stehen die gefälligen Bilder Muniers in hohem Kurs, was sich auch finanziell niederschlägt.
Alle Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Koller Auktionen Hardturmstrasse 102 CH-8031 Zürich |
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31.03.2004 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching |  |
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 Johann Rudolf Byss,
Blumenstrauss in
einer Steinnische,
1693 |  | Taxe: 50.000 - 70.000 SFR Zuschlag: 135.000,- SFR Losnummer: 3021 |  |  |  |  |  | 
 Albert Anker,
Bildnis eines
Mädchens |  | Taxe: 200.000 - 300.000 SFR Zuschlag: 220.000,- SFR Losnummer: 3084 |  |  |  |  |  | 
 Alessandro Allori,
Portrait einer Dame |  | Taxe: 25.000 - 35.000 SFR Zuschlag: 60.000,- SFR Losnummer: 3014 |  |  |  |  |  | 
 Meister der
Spinola-Verkündigung,
Die Geburt Christi |  | Taxe: 500.000 - 900.000 SFR Zuschlag: 800.000,- SFR Losnummer: 3009 |  |  |  |  |  | 
 Emile Munier, Die
zerbrochene Vase |  | Taxe: 15.000 - 20.000 SFR Zuschlag: 180.000,- SFR Losnummer: 3113 |  |  |  |  |  | 
 Flämisch, Flämisch,
Landschaft mit dem
heiligen Antonius,
17. Jahrhundert |  | Taxe: 4.000 - 6.000 SFR Zuschlag: 160.000,- SFR Losnummer: 3040 |  |  |  |  |  | 
 Jan Breughel d.J.,
Blumen in einer
glasierten
Tonschale |  | Taxe: 150.000 - 200.000 SFR Zuschlag: 185.000,- SFR Losnummer: 3018 |  |  |
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