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Winterlandschaft, Blick von Hoflößnitz / Theodor Rosenhauer

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Kunst und Antiquitäten bei Neumeister

4.000 Euro für eine Ente von Koester



Sternplatte, Nürnberg, 1. Hälfte 18. Jahrhundert

Sternplatte, Nürnberg, 1. Hälfte 18. Jahrhundert

Das insgesamt aus 773 Losen bestehende Angebot des bekannten Münchener Kunstversteigerers Neumeister setzt sich aus zwei nahezu gleich starken Kompartimenten zusammen. Der erste Teil enthält 388 Positionen aus dem Bereich des Kunstgewerbes, während der zweite Abschnitt aus Grafiken und Gemälden mit 385 Aufrufen zahlenmäßig nur marginal geringer ausfällt. Breit aufgefächert in die Abschnitte Fayencen, Porzellan, Silber, Schmuck, Kunsthandwerk, Varia, Skulpturen, Möbel, Uhren, Einrichtungsgegenstände, Teppiche, Textilien und Oldtimer gibt sich der zuerst zum Aufruf anstehende Kunstgewerbebereich. Erfrischend abwechslungsreich erscheint schon beim ersten Durchblättern des Kataloges die zahlenmäßig nicht überfrachtete Stückzahl in den einzelnen Abschnitten, die zudem durchweg auch durch Facettenreichtum beeindrucken.



Schon die ersten aufzurufenden Teile aus dem Gebiet der Fayencen stellen weit mehr als nur eine Einstimmung dar. Aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammt ein Apostelkrug aus Creußen bei Bayreuth. Das 6.000 Euro teure Behältnis mit Zinndeckel zeigt umlaufend sechs farbig gefasste Apostelfiguren und frontal ein blau grundiertes Medaillon mit Agnus Dei. Mit blauen Blüten, Fiederblättern und Füllornamenten ist eine nicht minder dekorative Anbietplatte mit sternförmig vertiefter Mitte verziert. Das in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Nürnberg hergestellte Stück ermöglicht mit lediglich 1.000 Euro eine exzellente Bereicherung einschlägiger Sammlungen für einen relativ günstigen Preis.

Beim Porzellan entfaltet sich dem Interessenten ein kleines, aber feines Spektrum aus Geschirrteilen, Dosen, Krügen, Vasen bis hin zu Porzellanbildern vor allem der Meißener Manufaktur, aber auch Produkte aus Höchst, Ludwigsburg, Frankenthal, Nymphenburg und Berlin sind vertreten. Von einer Farb- und Goldstaffage in der Form einer Laube aus vergoldeter Bronzemontierung umgeben ist ein vermutlich in Meißen geschaffenes Liebespaar aus dem 18. Jahrhunderts. Die Figur des als Tintenzeug konzipierten Arrangements zeigt das Paar adäquat antiker Mythologie flankiert von einem Putto mit Blumenkorb auf Terrainsockel mit aufgelegten Blüten.

Neben schultergewölbten Teedosen mit Haubendeckeln und Landschaftsmalereien, produziert in den Manufakturen Höchst und Meißen im 18. Jahrhundert (Taxen 600 bis 2.500 EUR), sowie nach einem Modell von Franz Anton Bustelli in Nymphenburg als Gegenstücke konzipierte Korbdosen, die von einem Mohr nebst Mohrin bewacht werden (Taxe 800 EUR), dürfte vor allem eine Kratervase aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Interesse sein. Die im Goldrahmen sitzende Bemalung zeigt das königliche Opernhaus zu Berlin (Taxe 1.900 EUR).

Von der Anbietschale über Duftspender bis hin zur Zuckerdose vereint auch der Silbersektor verschiedenste Objekte. Ältestes Stück ist hier ein teilvergoldeter Deckelhumpen aus der Zeit um 1600. Das überreich mit Tier-, Frucht- und Architekturmotiven an der Gewandung sowie einem stehenden Bären als Deckelknauf verzierte Behältnis wird mit 10.000 Euro im Katalog vorgestellt. Aus der berühmten Breslauer Silberschmiede von Hans Hartig stammt ein Kelch aus der Mitte des 17. Jahrhunderts (Taxe 3.500 EUR). Neben einem Duftspender in der Form eines Granatapfels (Taxe 2.000 EUR) gehört insbesondere ein teilvergoldeter Fass-Doppelbecher aus Nürnberg um 1700 zu den nicht alltäglichen Stücken (Taxe 4.300 EUR).

Im Schmuckbereich dominieren jüngere neuzeitliche Stücke das Angebot. Eine große Doppelklip-Diamantbrosche, die um 1960 in Frankreich gefertigt wurde, liegt mit geschätzten 12.000 Euro an der Spitze. Ihre formale Gestalt zeigt gegenläufige, stilisierte Ranken, die mit Edelsteinen besetzt sind. Eine bereits in Ausstellungen und in der Fachliteratur präsentierte Diamanttabatière wird mit 10.000 Euro gelistet. Das achteckige Schmuckstück zeigt vier schwarz emaillierte russische Doppeladler in den Ecken und mittig in rautenförmiger Rahmung das gleichfalls diamantbesetzte und bekrönte Monogramm von Zar Nikolaus II.

Sucht etwa jemand einen Houseboy? Hier kann er fündig werden. Ein allerdings zur Untätigkeit verdammter, wertvoller Kerl aus farbigen Schmucksteinen mit Schirmmütze, Schürze und Besen im Fabergé-Stil wird im Kapitel „Kunsthandwerk – Varia“ mit 4.000 Euro vorgestellt. Hier findet man auch eine neugotische Hostienmonstranz in der Form eines Gesprenges, für die 1.200 Euro erwartet werden.

Interessantes gibt es auch bei den Skulpturen. Mit je 18.000 Euro bewertet werden eine farbig gefasste Marienfigur mit Kind aus der Zeit um 1500/1510, die aus Schwaben/Ravensburg stammt, sowie ein anmutiger, geflügelter Puttenkopf aus den 1760er Jahren von Ignaz Günther. Heiligenfiguren, Engelsköpfe, Kruzifixe und weitere überwiegend sakrale Kunstwerke aus dem 17. bis 19. Jahrhundert beherrschen hier das Angebot, das durch eine geschnitzte figurenreiche Szene "Dem Hl. Hubertus erscheint der Hirsch mit dem Kreuz" aus der Zeit um 1800 von Johann Georg Schwanthaler bereichert wird (Taxe 7.500 EUR). Thomas Schwanthaler und ein Bildhauer aus dem Umkreis Ignaz Günthers sind durch je einen geflügelten Engelskopf vertreten (Taxen je 11.000 und 15.000 EUR).

Das Top-Stück des Kunstgewerbes wartet bei den Möbeln. Mindestens 60.000 Euro soll eine um 1740 hergestellte Tabernakelaufsatzschreibkommode aus der Würzburger Werkstatt von Carl Maximilian Mattern kosten. Auf dem konkav-konvex geschwungenen Unterbau auf Ballenfüßen und zurückversetztem Mittelteil mit Schreibklappe erhebt sich ein kabinettschrankähnlicher Aufsatz mit Pilastergliederung samt geschnitzten sowie vergoldeten Kapitellen und als Abschluss eine dreiteilig getreppte Bekrönung. Die Felder zeigen Blattranken, Festons, Figuren, Vogelmotive und Laubwerk. Die Furnierung besteht aus Nuss- und Wurzelmaserholz sowie Ahorn-, Palisander- und Beineinlagen. Unter den Schränken, Kommoden Kabinetten aus dem 18. und 19. Jahrhundert wird sicherlich auch eine ebenfalls um 1740 geschaffene Tabernakelaufsatzkommode gebührende Aufmerksamkeit finden. Das exzellent geschwungene und edel furnierte Stück mit einem vornehmen, repräsentativen Ausdruck ist mit 15.000 Euro taxiert. England macht als Land der Praktiker mit einem zusammenklappbaren Gate-Leg-Table alle Ehre (Taxe 2.000 EUR).

Unter den Uhren steht eine Carteluhr Louis XV. mit 4.000 Euro an der Spitze. Das französische Zeitmessgerät aus dem 18. Jahrhundert wird von einem vergoldeten, durchbrochenen Gehäuse in der Form verschlungener Akanthus- und Blütenranken umrahmt. Nicht ohne Reiz ist auch eine Uhr vom Ende des 19. Jahrhunderts, die in einer Vase montiert ist. Sie steht auf einer Säule, die von drei Grazien umschlungen werden (Taxe 2.500 EUR). Abschließendes Highlight im Kunstgewerbe ist ein Oldtimer. Für den englischen Darracq von 1908 sind stolze 38.000 Euro angesagt.

Das Grafik- und Gemäldekapitel wird eingeleitet mit Grafiken aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Ein Holzschnitt von Albrecht Altdorfer "Christus am Kreuz" aus 1515 (Taxe 300 EUR) und eine Radierung von Giovanni Battista Piranesi (Taxe 450 EUR) dürften wohl die Stücke der bekanntesten vertretenen Künstler dieses Abschnitts sein. Anzunehmen ist, dass bei den Grafiken aus dem 19. und 20. Jahrhundert eine Leo von Klenze zugeschriebene Idealansicht der Stadt Rom die meisten Interessenten zu Geboten inspirieren wird (Taxe 6.500 EUR).

Unter den Gemäldeofferten des 15. bis 18. Jahrhunderts stammt eine Altartafel aus der Werkstatt Lucas Cranach d.Ä. Die um 1520 gemalte Kreuzabnahme ist mit 8.000 Euro gelistet und hing ehemals in der fürstlich Liechtensteinischen Galerie im Wiener Gartenpalais in der Rossau. Unter den flämischen Gemälden inspiriert besonders die von einem unbekannten Meister geschaffene "Venus in der Schmiede des Vulkan" aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts (Taxe 18.000 EUR). Mit 30.000 Euro aufgerufen wird ein "Stillleben mit reliefierter Prunkvase" des Hamburger Malers Georg Hainz. Das Ölgemälde entstand im 17. Jahrhundert nach einem Kupferstich von Jean Lepautre. Ferner wird eine Schlachtdarstellung aus dem 17. Jahrhundert angeboten, die die Niederlage der spanischen Armee am Kanal von Brügge um 1667/68 zeigt. Das mit 15.000 Euro bewertete Ölbild auf Papier auf Holz ist Adam Frans van der Meulen zugeschrieben.

Andreas Achenbach leitet mit einem ihm zugeschriebenen Bild einer Landschaft mit Dorf und Burgruine in den Gemäldeteil des 19. und 20. Jahrhunderts über (Taxe 3.500 EUR). In diesem letzten Abschnitt, der zum Aufruf gelangt, finden sich einige Toplose, so auch die zwei auf 65.000 Euro festgesetzten Höchstbewertungen der Auktion. Dabei handelt es sich einmal um ein Entenbild des zwar nicht in den Museen, dafür aber auf sämtlichen Messen umso mehr präsenten "Entenmalers" Alexander Koester. 16 Enten tummeln sich vor und auf einem Steg, was ungefähr der üblichen Einschätzung von 4.000 Euro pro Ente entspricht. Beim zweiten Werk handelt es sich um eine Ansicht des Altstädter Marktes in Hildesheim, die Domenico Quaglio in Öl fixierte und die Hinwendung des 19. Jahrhunderts zur deutschen Gotik zeigt. Der Spross einer bedeutenden, im 17. Jahrhundert aus Italien nach Deutschland eingewanderten Künstlerfamilie genießt nicht nur einen Ruf als Architekt des Schlosses Hohenschwangau, sondern gilt auch als einer der bedeutendsten Vedutenmaler der deutschen Romantik.

Zwei Bilder des Biedermeier-Romantikers Carl Spitzweg - davon eines zugeschrieben - werden mit 50.000 bzw. 45.000 Euro ebenfalls recht hoch angesetzt. Erst mit weitem Abstand folgt bewertungsmäßig das Motiv "Araber zu Pferde bei der Oase" von Adolf Schreyer, der mit seinen Genre- und Pferdeszenen bekannt wurde, die er auf weiten Reisen bis hin nach Kleinasien einfing (Taxe 35.000 EUR). Freunden von Schlachtenbildern und kaukasischen Reitern sei eine Reiterschlacht im westlichen Kaukasus angetragen, die vom in Odessa geborenen Maler Franz Roubaud stammt (Taxe 28.000 EUR). Von diesem 1928 in München verstorbenen Künstler werden insgesamt neun Gemälde angeboten, auf denen reitende Tscherkessen mit imperialen Gesten teils bedrohliche Eindrücke vermitteln (Taxen 6.000 bis 19.000 EUR).

Stillleben, Landschaftsbilder, Tier- und Genredarstellungen, Porträts, aber auch Seeschifffahrts-, Städte- und Architekturmotive bis hin zu typisch niederländisch inspirierten Gemälden eröffnen bei 271 aufgerufenen Nummern darstellerisch wie stilistisch eine so umfassende Palette, auf der jeder sein Lieblingsmotiv finden kann.

Die Auktion beginnt am 30. Juni um 9:30 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft noch bis zum 28. Juni täglich von 9 bis 17:30 Uhr. Tags darauf steht die Varia-Auktion mit den selben Bereichen auf dem Programm.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



28.06.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Ignaz Günther, Geflügelter Puttokopf, um 1760
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Domenico Quaglio, Hildesheim

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Taxe: 65.000,- EURO

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Georg Hainz, Stillleben mit reliefierter Prunkvase

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Taxe: 30.000,- EURO

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Ignaz Günther,  Geflügelter Puttokopf, um 1760

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Taxe: 18.000,- EURO

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Losnummer: 273

Carl Maximilian Mattern,  Aufsatzschreibkommode, 1740

Carl Maximilian Mattern, Aufsatzschreibkommode, 1740

Taxe: 60.000,- EURO

Losnummer: 312

Alexander Koester,  Enten am Steg

Alexander Koester, Enten am Steg

Taxe: 65.000,- EURO

Zuschlag: 95.000,- EURO

Losnummer: 591




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