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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Kunst- und Antiquitäten bei Neumeister

Kunstgewerbe beliebter als Gemälde



Ignaz Günther,  Geflügelter Puttokopf, um 1760

Ignaz Günther, Geflügelter Puttokopf, um 1760

Aus zwei großen Abschnitten setzte sich die Auktion von Kunst und Antiquitäten bei Neumeister zusammen. In zu 388 zu 385 fast gleich großen Gruppen konkurrierten die Positionen des Kunstgewerbes mit denen der Gemälde. Die Gesamtzuschlagsquote kam auf 59 Prozent - 459 verkauften von insgesamt 772 Positionen. Ein differenzierteres Bild ergibt sich, wenn man die beiden Abschnitte einzeln betrachtet. Hier lag das Kunstgewerbe mit 61 Prozent um eine Nasenlänge vor den Gemälden mit 58 Prozent. Dennoch konnte die Freie Kunst die Spitzenpreise für sich verbuchen. Denn bei der Angewandten blieb die prunkvolle Schreibkommode mit Tabernakelaufsatz aus der Werkstatt des Würzburger Ebenisten Carl Maximilian Mattern mit ihrer Schätzung von 60.000 Euro unverkauft. Nur sie hätten den Enten von Alexander Koester Paroli bieten können. Hier stieß aber ein süddeutscher Privatsammler mit respektablen 95.000 Euro bis an die Einhunderttausendermarke vor (Taxe 65.000 EUR). Bei den 16 „Enten am Steg“ bedeutet dies einen Stückpreis von knapp 6.000 Euro. Die bisher gängige Rechnung von 4.000 Euro pro Enten muss also angehoben werden.



Angewandte Kunst

Der breit aufgefächerte kunstgewerbliche Teil begann mit Fayencen, von denen die qualitätvollsten Stücke teils beachtliche Steigerungen verzeichneten. Eine Nürnberger Sternplatte aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit blauem Dekor und herzförmigen Vertiefungen um die sternförmig abgesenkte Mitte kam auf 1.500 Euro (Taxe 1.000 EUR). Ein süddeutscher, ebenfalls exzellent gestalteter Birnkrug aus der gleichen Zeit war auf 300 Euro veranschlagt worden, landete aber bei 2.000 Euro.

Beim Porzellan wurde einem römischen Saalbieter für 4.800 Euro ein 13teiliges Kaffee- und Teeservice der Meißner Manufaktur aus dem 18. Jahrhundert zugeschlagen, das mit lediglich 800 Euro im Katalog aufgeführt war. Eine beinahe neuwertige, 42 Zentimeter hohe Deckelvase aus der selben Werkstatt mit Tizians Tochter Lavinia in frontalem Ovalmedaillon war einem bayerischen Saalbieter 3.900 Euro wert (Taxe 1.000 EUR). Die nach einem Modell von F.A. Bustelli in Nymphenburg als Gegenstücke gefertigten Deckeldosen mit Mohr und Mohrin kletterten von 800 Euro auf 2.600 Euro.

Bei den Silberofferten erzielte mit 6.000 Euro eine 1752/53 in London bei Richard Gurney & Co gefertigte Kanne in schlichter Birnform den höchsten Wert (Taxe 2.800 EUR), gefolgt von einer mit 950 Euro veranschlagten, teilvergoldeten Weinprobierschale des süddeutschen Meisters H.P. aus dem 17. Jahrhundert. Der Verkauf für die achtpassige, mit einem Hirsch und stilisierten Bäume geschmückte Schale kam bei 4.200 Euro zustande. In der Schmuckrubrik war eine Diamanttabatière das Starstück. Das quadratische kleine Kunstwerk im Fabergé-Stil mit abgeschrägten Ecken, einem bekrönten und ligierten Monogramm von Zar Nikolaus II. sowie vier schwarz emaillierten russischen Doppeladlern in den Ecken ging für 10.500 Euro an eine deutsche Sammlerin, die so 500 Euro mehr als die Schätzung bezahlen musste.

Lebhaft wurde es beim Aufruf zweier als Gegenstücke vorgestellten Glasbilder mit Flusslandschaften des Mallorciners Pedro Onofre Cotto. Ein süddeutscher Interessent trieb den Preis von 2.500 Euro auf 16.000 Euro. Bei den Skulpturen bestand generell große nationale und internationale Nachfrage. Ignaz Günthers geflügelter Puttenkopf aus dem 18. Jahrhundert setzte sich mit 20.000 Euro an die Spitze (Taxe 18.000 EUR). Er blieb im Inland, während die geschnitzte figurenreiche Gruppe „Dem hl. Hubertus erscheint der Hirsch mit dem Kreuz“ aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Johann Georg Schwanthaler für 16.000 Euro ins deutschsprachige Ausland wechselte (Taxe 7.500 EUR). Dass Russisches zur Zeit bei den eigenen Landsleuten zwecks Rückkaufgelegenheit begehrt ist, zeigte sich auch bei der patinierten Bronze „Wolfsjagd“ vom St. Petersburger Nikolai Iwanowitsch Lieberich, die für 10.000 Euro den Ritt nach Hause antrat (Taxe 2.000 EUR).

Bei den Möbeln setzte sich ein historistisch verspieltes, französisches Kabinett aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit 8.500 Euro an die Spitze. Das mit 7.000 Euro taxierte Möbel ging in den St. Petersburger Handel. Ein um 1750 gefertigter, mitteldeutscher Tabernakelsekretär in hoch aufragendem Gestus war mit Bandelwerk, Vogel und Blütenmotiven intarsiert und verharrte auf der Taxe von 8.000 Euro. Und ein schlichter französischer Schreibtisch aus Mahagoni von 1810 reüssierte bei 5.400 Euro (Taxe 5.000 EUR).

Grafik und Gemälde

Unter den Grafiken des 16. bis 18. Jahrhunderts erzielte mit 5.600 Euro Wilhelm von Kobells Radierung „Der Inn bei Rosenheim“ von 1799 das beste Ergebnis und zugleich bei taxierten 500 Euro den höchsten Sprung. In der Grafikrubrik des 19. und 20. Jahrhunderts ging für 100 Euro weniger die Gouache „Mekka“ von Georg Macco aus dem Jahr 1917 nach andauerndem Bietgefecht zwischen internationalen Interessenten nach Paris. Der Orientalist schickte die heiligen Stätten des Islams mit nur 700 Euro in Rennen.

Unter den Gemälden des 15. bis 18. Jahrhunderts kletterte „Die Kreuzabnahme Christi“, ein Ölgemälde aus der Werkstatt Lucas Cranach d. Ä. aus der Liechensteinischen Gemäldesammlung in Wien, von taxierten 8.000 Euro auf glatt das Doppelte. Noch mehr steigern konnte sich die auf 7.000 Euro veranschlagte, recht vornehme Dame als Schäferin von Caspar Netscher, die ein Moskowiter für 18.000 Euro nach Russland entführte. Der gleiche Bieter nahm für 16.000 Euro auch die Venus mit nach Hause, die eben der Schmiede des Vulkan einen Besuch abstattet. Das flämische Gemälde aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts blieb allerdings um 2.000 Euro unter den Erwartungen.

Im nächsten Abschnitt mit Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts schlugen wiederum die östlichen Nachbarn zu. Natürlich kämpften vornehmlich zwei russische Händler neben einem aus Paris angereisten um die neun angebotenen und verkauften Gemälde von Franz Roubaud. Sie teilten die Serie unter sich auf. Allerdings errang ein Moskowiter Händler die Glanzstücke. Die „Reiterschlacht im winterlichen Kaukasus“ (Taxe 28.000 EUR), die mit erzielten 65.000 Euro den zweithöchsten Preis des Tages errang, nahm er ebenso mit in die Heimat wie einen „Reiter bei der Falkenjagd im Kaukasus“ bei 24.000 Euro (Taxe 19.000 EUR). Auch die „Tscherkessenreiter beim Durchqueren eines Flusses“ (Taxe 16.000 EUR), „Tscherkessenreiter im Kaukasus“ (Taxe 16.000 EUR), „Tscherkessen zu Pferd mit Planwagen“ (Taxe 14.000 EUR) und einen einzelnen reitenden Tscherkessen (Taxe 6.000 EUR) will er nun in Moskau – sicherlich für besseres Geld als seine Einkaufspreise von 38.000 Euro, 18.000 Euro, 39.000 Euro und 9.000 Euro - an den Mann bringen.

Den zweiten Platz der Ergebnissliste muss sich Roubaud mit Carl Spitzweg teilen, dessen romantisches Ölbild „Jäger mit Dirndl“ auf dem Weg bei einem Marterl am Felsen von 45.000 Euro auf 65.000 Euro kletterte. Stolze 40.000 Euro war einem deutschen Sammler der von August Becker festgehaltene, romantische Blick auf die Eiger-Nordwand aus dem Jahr 1886 wert (Taxe 4.000 EUR). Der kleine Wanderer im Vordergrund muss schon vor dem übermächtigen Felsmassiv erzittern. Das im Jahre 1927 von Paul Mathias Padua porträtierte Garmischer Bauernpaar legte 20.000 Euro zu und wurde für 45.000 Euro von einem rheinischen Händler für eine süddeutsche Sammlung ersteigert. Immer wieder waren ausländische Kunden stark engagiert. So nimmt es nicht wunder, dass sich diesmal italienische Bieter um die beiden Innenansichten des prächtigen Palazzo Pitti in Florenz bemühten. Von diesen als Gegenstücke konzipierten Ölgemälden aus der Mitte des 19. Jahrhunderts erzielte der Marssaal 14.000 Euro, der Jupitersaal 13.000 Euro (Taxen je 3.500 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Nettowerte ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



02.09.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Ignaz Günther, Geflügelter Puttokopf, um 1760
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Franz Roubaud, Reiterschlacht im winterlichen Kaukasus
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Carl Spitzweg,
 Jäger mit Dirndl
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Franz Roubaud,  Reiterschlacht im winterlichen Kaukasus

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Alexander Koester,  Enten am Steg

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Sternplatte, Nürnberg, 1. Hälfte 18. Jahrhundert

Sternplatte, Nürnberg, 1. Hälfte 18. Jahrhundert

Taxe: 1.000,- EURO

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Richard Gurney & Co, Kanne, London 1752/53

Richard Gurney & Co, Kanne, London 1752/53

Taxe: 2.800,- EURO

Zuschlag: 6.000,- EURO

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