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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Landschaft an der Nidda, 1898 / Hans Thoma

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Palazzo Grassi richtet Mammutausstellung für Salvador Dalí aus

Surreale Geburtstagsschau



Salvador Dalí, Weiches Selbstbildnis mit gebratenem Speck, 1941

Salvador Dalí, Weiches Selbstbildnis mit gebratenem Speck, 1941

Kurz bevor der Fiat-Konzern den Verkauf seines venezianischen Ausstellungspalastes anleiert, wartet hier noch ein finales Highlight. Der einhundertste Geburtstag von Salvador Dalí gibt den Anlass für die offizielle große Retrospektive mit rund 300 Exponaten in drei Dutzend Sälen auf über 4.000 Quadratmetern des Palazzo Grassi in Venedig. Die Werke des schillernden Exzentrikers aus Spanien werden aufgrund des hohen Beliebtheitsgrades vermutlich wieder die Besuchermassen anziehen. Doch wie schafft das ein Künstler, der kein Papst der Moderne war, gegenständlich arbeitete und nichts mit dem Bauhaus gemein hatte? Nach den vielen Dalí-Präsentationen der letzten Zeit, darunter 1980 in London oder 1989 in Stuttgart bleiben kritisch die künstlerischen wie wissenschaftlichen Ansprüche zu hinterfragen, die eine solche Megashow rechtfertigen.



Der am 11. Mai 1904 im katalanischen Figueras geborene und aufgewachsene Salvador Dalí hinterließ nach seinem Tod ebendort am 23. Januar 1989 ein voluminöses Œuvre, das sich neben der Malerei auch in der Bildhauerei, Bühnenbildnerei und Schriftstellerei entfaltete. Dalí betätigte sich ferner als Erfinder und als Filmregisseur. Alle diese Schaffensbereiche werden in der Ausstellung neben der dominanten Malerei angerissen. Die rund sieben Schaffensjahrzehnte, in denen der Künstler meist subtil die bedeutendsten künstlerischen Tendenzen lediglich leicht andeutet, leitet die „Ansicht von Cadaqués vom Berg Pani“ aus dem Jahr 1917 ein und endet beim 1983 gemalten „Schwalbenschwanz“.

In den frühen figurativen Landschaften und Seegemälden experimentiert Dalí mit impressionistischen Lichteffekten. Die postimpressionistische Farbintensität wird abgelöst von futuristisch, kubistisch und dadaistisch inspirierten Werken. Korrespondenzen zu Arbeiten von Arp, Miró und natürlich Picasso zeigen sich ganz offensichtlich. Gegen Ende der 1920er Jahre stellt sich der Surrealismus ein. Magisch angezogen von bizarren Felsformationen der katalanischen Küsten mit ihren ausgewaschenen Spitzen und Kanten dienen sie als Vorbild für groteske Alptraumlandschaften. Die einzelnen Elemente arrangiert Dalí so, dass die Betrachter gleichzeitig auf mehreren Ebenen wandeln können. „Das Rätsel der Begierde“ von 1929 ist zunächst eine gelbe, organische Scheibe. Durchlöchert wie ein Schweizer Käse, kann das Gebilde auch als Fels, Gesicht oder Körper eines Raubtieres gedeutet werden, dessen viel zu kleiner Kopf fast unscheinbar aufgesetzt ist. Die elegant komponierten Formen stehen zugleich für die Vergänglichkeit, scheinen sie sich doch gleich wieder zu verflüssigen.

Fußend auf altmeisterliche Maltechniken und beeinflusst von der Gedankenwelt Sigmund Freuds kreiert Dalí traumgeborene Gegenwelten. Mittels seiner traditionellen und naturalistischen Malweise entführt der Künstler die Betrachter mit Fantasieobjekten in eine bislang nicht gesehene, realitätsferne Welt, die zwischen faszinierender Selbstverständlichkeit und zügellosem Wahnsinn schwankt. Neben sexueller Lust und Brutalität offenbaren die Ölgemälde bei genauerem Hinsehen Zeitgeist und Methode. Die auf Intuition und Enthüllung beruhenden traumatischen Fantasieproduktionen unterscheiden sich deutlich von anderen Surrealisten wie beispielsweise de Chirico, der vornehmlich auf verzerrte Perspektiven und vielfältige Blickpunkte zurückgreift.

Die 1930er Jahre erweisen sich als Dalís bedeutendste Schaffensperiode. Fast alle seiner nahezu komplett versammelten Meisterwerke wurden bis 1940 gemalt, dem Jahr, in dem er in seinem amerikanischen Exil eintrifft. Neben dem Vexierbild „Spanien“ und den „Afrikanischen Impressionen“ aus dem Jahr 1938, dem „Herbstlichen Kannibalismus“ von 1936 brechen neben sexueller Lust und Begierlichkeit auch die Vorahnungen des Krieges durch. „Weiche Konstruktion mit gekochten Bohnen“ aus demselben Jahr ist dafür ein Paradebeispiel, das die Schau mit mehreren Vorstudien zeigt. Auch der anthropomorphe Kabinettschrank und „Die Stadt der Schubläden“, beide aus dem Jahre 1936, sowie plastische Arbeiten wie das „Hummer Telephon oder Aphroditisches Telephon“ von 1936 sowie das allseits bekannte „Male West Lips Sofa“ von 1938 fehlen nicht.

Unter den Bildern fallen Dalí-Kennern nur drei Desiderate auf. Die „Brennende Giraffe“ und die „Partielle Sinnestäuschung. Sechs Erscheinungen Lenins auf einem Flügel“. Seine weichen, zerfließenden Taschenuhren im Bild „Zerrinnende Zeit“ von 1931, das die existentielle Thematik späterer Werke vorwegnimmt, sind derzeit noch in der Berliner MoMA-Schau zu bewundern und werden später in Venedig eintreffen. Dafür schickte Berlin das „Porträt der Madame Isabel Styler-Tas“ von 1945 samt Vorstudien nach Venedig.

Unter anderem wegen Dalís stark nach rechts gedrifteter politischer Haltung schloss André Breton den Künstler 1939 aus der surrealistischen Bewegung aus. Das Bild „Das Rätsel Hitlers“ aus dem Jahr 1938 und die ebenso betitelte Ausstellung in New York bezeugen Dalís Interesse für den Deutschen Diktator. Sie sind aber ebenso ein Zeichen der Anpassung an den politischen Zeitgeist wie seine Wertschätzung für Franzisko Franko. Diese Haltung versteht sich allein aus dem Streben nach Anerkennung, Ruhm und Geld.

Zu den Gemälden während des amerikanischen Exils zählt das Werk „Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel eine Sekunde vor dem Aufwachen“ aus dem Jahr 1944 als eines der letzten herausragenden Arbeiten der ersten Schaffensperiode. Die zweite beginnt nach der Rückkehr des Künstlers nach Spanien 1948. Von da ab inszeniert sich der Ahnherr der Happenings und Auktionskünste nur noch selbst. Das Geschäftliche steht eindeutig im Vordergrund. Neue Erfindungen bleiben aus; der Künstler verharrt in der Vergangenheit. Der sonst übliche künstlerische Stilbruch bleibt in den nächsten rund vierzig Jahren aus. Am auffälligsten verdeutlichen das die Formate. Galt Dalí vor seinem Exil als Meister des kleinen Formates, nehmen seine Werke nun übergroße Ausmaße an.

„Die Versuchung des heiligen Antonius“ aus 1946 steht ferner für einen thematischen Schwenk zur religiösen Malerei. Eine auf Stelzen durch die Wüste ziehende Karawane, bepackt mit allerlei sexuellen Verlockungen, stürmt auf den nackten Einsiedler ein, der ihnen unbeirrt das Kreuz entgegenstreckt. Das Auftauchen des Motivs von Gian Lorenzo Berninis römischen Elefantenbrunnen demonstriert hier wie in anderen Gemälden Dalís vielfältige Anlehnungen an Sujets anderer Künstler.

Mittels pompöser Auftritte in aufwendiger Aufmachung inszeniert sich Dali fortan hochprofessionell als Exzentriker zwischen Heimatverbundenheit und Weltgeltung. Das künstlerische Beiwerk lebt nur noch von der Vergangenheit, in der auch sein Ruhm begründet bleibt. Die geschickte Fesselung und Verführung der Menschen durch detailreiche doppelbödige Gestaltungen nimmt neue Formen abseits des Zeitgeistes an. Der selbsternannte König der Surrealisten wird zum Meister der Selbstinszenierung und -vermarktung. Somit passt diese Ausstellung gut ins Umfeld der laufenden Film- und Architekturbiennalen Venedigs. Der Mensch lässt sich eben gerne verführen.

Die Ausstellung „Dalí“ ist noch bis zum 9. Januar 2005 im Palazzo Grassi zu besichtigen. Geöffnet ist täglich von 10 bis 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 10, ermäßigt 7,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog mit 608 Seiten erschienen. Anschließend wird die Schau nur noch vom 16. Februar bis zum 15. Mai 2005 im Philadelphia Museum of Art zu sehen sein.

Kontakt:

Palazzo Grassi – François Pinault Foundation

San Samuele, 3231

IT-30124 Venedig

Telefax:+39 (041) 528 62 18

Telefon:+39 (041) 523 16 80

Startseite: www.palazzograssi.it



16.09.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Salvador Dalí, Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel eine Sekunde
 vor dem Aufwachen, 1944
Salvador Dalí, Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel eine Sekunde vor dem Aufwachen, 1944

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Salvador Dalí, Zwei Brote, die die Empfindung der Liebe ausdrücken, 1940
Salvador Dalí, Zwei Brote, die die Empfindung der Liebe ausdrücken, 1940







Salvador Dalí, Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel eine Sekunde vor dem Aufwachen, 1944

Salvador Dalí, Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel eine Sekunde vor dem Aufwachen, 1944

Salvador Dalí, Zwei Brote, die die Empfindung der Liebe ausdrücken, 1940

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Salvador Dalí, Ansicht von Cadaqués vom Berg Pani aus, 1917

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Salvador Dalí, Die Auflösung der Erinnerung, 1952-1954

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