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Winterlandschaft, Blick von Hoflößnitz / Theodor Rosenhauer

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Kunst und Antiquitäten bei Neumeister

Für die russische Klientel



Terrine, Ludwigsburg, 2. Hälfte 18. Jahrhundert

Terrine, Ludwigsburg, 2. Hälfte 18. Jahrhundert

Bodenständig alpenländisch orientieren sich nicht nur die 796 Positionen der kommenden Neumeisterschen Kunstauktion, sondern auch die ihnen zugeordneten Preiskalkulationen. Der Katalog lässt sich in zwei annähernd gleich große Kapitel einteilen. Dem Kunstgewerbe auf der einen und der Grafik, den Miniaturen, Ikonen und Gemälden auf der anderen Seite ist zueigen, dass ihr Toplos jeweils mit 28.000 Euro ausgewiesen ist, gefolgt von einem 25.000 Euro teurem Objekt. Recht moderat zeigen sich im ersten Abschnitt aus Fayence und Porzellan die preislichen Erwartungen, die bei 200 Euro für einen Westerwälder Walzenkrug aus dem 18. Jahrhundert beginnen und in einer Barockterrine für 2.800 Euro ihren Höhepunkt finden. Gefertigt wurde das mit Streublumen, bunten Bouquets und einem Deckelknauf aus Kohlkopf, Zwiebel und Bohne verzierte Stück in der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert in Ludwigsburg.



Silber

Rasant klettern die Erwartungen dann bei den 54 Silberlosen in die Höhe. Eine in Breslau von Leberecht Fournier geschaffene, gotisierende und vergoldete Strahlenmonstranz aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts macht bei 4.500 Euro den Anfang, gefolgt von einem teilvergoldeten Zunftpokal der Baumeister für 28.000 Euro. Auf der Wandung des in der Form einer Ziervase gehaltenen Schaftes sind Buckel mit gravierten Meisterwappen und Namensumschriften in Rankenkartuschen zu erkennen. Der profilierte Deckel ist von einem Putto gekrönt. Geschaffen wurde dieses Prachtstück vom Meister C.S. in Speyer um 1624/26. Eine ganze Reihe weiterer, aber mehr alltäglicher Silbererzeugnisse wie Schalen, Tabletts, Dosen, Becher, Kannen oder Leuchter schließen sich an und sind mit Beträgen ab 200 Euro aufwärts versehen. Lediglich ein 1705 von Tobias Baur in Augsburg geschmiedetes, vergoldetes Teekännchen mit aufgesetzten Emailplaketten auf dem sechseitigen Korpus (Taxe 12.000 EUR) und eine ebenfalls in Augsburg um 1732/33 von Johann Wagenknecht geschaffene Wöchnerinnenschüssel (Taxe 12.500 EUR) stoßen in die fünfstellige Preislage vor.

Schmuck

Unter den annähernd 100 Schmuckstücken liegt mit 10.000 Euro eine von Anthoine Arlaud im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts in Genf gefertigte Halsuhr an der Spitze. Der Zeitanzeiger besitzt ein mit Architekturlandschaften versehenes Zifferblatt in einem siebeneckigen, geschliffenen Bergkristallgehäuse mit beidseitig aufklappbaren Deckeln. Eine silberweiße Zuchtperlenkette aus der Südsee rangiert in diesem Abschnitt mit einer bei 7.000 Euro liegenden Schätzung auf dem zweiten Platz.

Skulpturen

Unter den 61 Skulpturen dominieren ältere Stücke mit vier- und fünfstelligen Werten. Ein mitteldeutsches Kruzifix mit lebensgroßem Korpus strahlt den Realismus des Leidens aus und dürfte um 1400 geschnitzt worden sein. Dieses Auftaktstück ist mit 12.000 ausgewiesen. Gleich danach wird im Katalog ein Halbrelief aus dem österreich-salzburgischen Kulturkreis zum Preis von 25.000 Euro vorgestellt. Entstanden um 1470/80, werden vor einer perspektivisch dargestellten Hügellandschaft Christus und seine Jünger im Garten Gethsemane gezeigt. Teilweise trägt die in der Fachliteratur Andre Lackner aus Hallein zugeschriebene Lindenholzarbeit noch die Reste der originalen Farbfassung. Dasselbe gilt für eine ebenfalls schon in der Fachliteratur behandelte Plastik der Marienkrönung. Die drei vor einer Hintergrundplatte dargestellten Personen, Maria in der Mitte und Gott-Vater und Gott-Sohn, wurden vermutlich Ende des 15. Jahrhunderts oder Anfang des 16. Jahrhunderts geschnitzt (Taxe 20.000 EUR).

Von Johann Baptist Straub stammen die zwei mit 24.000 Euro bewerteten Engel, von denen der linke bereits den vorderen Katalogumschlag ziert. Die beiden aufeinander bezogenen, geflügelten Putten knien auf Wolken, die sich jeweils über einen großen, oben profilierten Sockelkasten legen und fanden vermutlich um 1750 an einem größeren Altarwerk Verwendung. Die vollplastisch geschnitzten Lindenholzskulpturen sind komplett vergoldet. Einige bronzene Kleinplastiken stammen von russischen Künstlern und wurden in St. Petersburg gegossen. Die Jagdszenen oder Personendarstellungen sind mit Werten zwischen 1.200 und 4.500 Euro ausgewiesen und dürften, wie der „Abschied des Kosaken“ von Wassilij Jakowlewitsch Gratschew (Taxe 1.800 EUR), vor allem im Interesse russischer Bieter stehen.

Möbel

Bei den 60 Möbeln ist eine in Paris gezimmerte Poudreuse aus der Mitte des 18. Jahrhunderts mit 12.000 Euro das wertvollste Stück. Der geknickte und geschwungene Korpus ist mit Blumenzweigen unter der Verwendung von Rosen- und Königsholz, Amarant und Ahorn marketiert. Mit einen Tausender weniger muss man für eine etwas schwere Tabernakelaufsatzkommode aus der Zeit um 1740 rechnen. Das in Südwestdeutschland gefertigte Möbel besitzt geschwungene Fronten, die mit mehreren Edelhölzern furniert sind. Zehn Schubladen rahmen die Mitteltür des Aufsatzes ein, deren Messingbeschläge auch hier vergoldet sind. Unter den Schränken, Sekretären, Vitrinen, Kommoden oder Tischen finden sich auch recht zeittypische und originelle Teile zu günstigen Preisen, wie beispielsweise ein zusammenklappbarer Scherenstuhl aus der Toskana. Das im 16. Jahrhundert produzierte Nussbaummöbel kommt auf 1.000 Euro.

Einrichtungsgegenstände

Im Anschluss gelangen weitere Einrichtungsgegenstände zum Aufruf. Hier ist ein Paar Spiegelappliken aus der Zeit um 1715/1720 von Josef Effner hervorzuheben. Die mit C-Spangen und Blütengehängen ausstaffierten, kartuschenförmig durchbrochenen Rahmen mit dem charakteristischen pagodenähnlichen, verspiegelten Aufsatz als Bekrönung wurden vermutlich von Effners Werkstatt für Schloss Nymphenburg gefertigt und sind mit 12.000 Euro taxiert. Im März war das selbe Paar schon einmal bei Neumeister zur Auktion, damals allerdings noch mit 23.000 Euro ausgezeichnet. Stand-, Kamin- und Kommodenuhren, Tapisserien aus dem 17. bis 20. Jahrhundert sowie Teppiche schließen den kunstgewerblichen Teil ab.

Grafik

Vermutlich von Friedrich Sustris stammt die Federzeichnung zu dem Kuppelprojekt für St. Michael in München. Mit 2.500 Euro ist sie das Highlight im Abschnitt der Grafik aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Die in die Jahre zwischen 1590 bis 1593 zu datierende Entwurfszeichnung der letztendlich nicht ausgeführten Kuppel gilt als einmaliges Dokument zur Baugeschichte von St. Michael. Die Zuschreibung an Friedrich Sustris beruht auf die ihm übertragene Leitung der wichtigsten künstlerischen Unternehmungen des bayerischen Herzogs, die er bis zu seinem Tod 1599 innehatte. Begleitet wird das Architekturmotiv von der Kreidezeichnung „Apollo und Daphne“ aus dem Metamorphosen Ovids, die Adam Friedrich Oeser zugeschrieben ist (Taxe 500 EUR).

Eine weitere lokalgeschichtlich bedeutsame Arbeit steht in der Grafikrubrik des 19. und 20. Jahrhunderts zum Verkauf. Für 20.000 Euro wird eine Gouache von Johann Baptist Pflug angeboten, die einen Panoramablick auf die Stadt Biberach an der Riß freigibt. Auch russische Bieter werden ein Auge auf diesen Abschnitt werfen. Das ins Jahr 1869 datierte Aquarell „Treidelnde Tscherkessen“ von Theodor Horschelt (Taxe 6.500 EUR) und die Gouache „Offizier zu Pferd vor einer russischen Kathedrale“ aus den Jahren um 1920 von Jules Chéret in gespenstischem Licht werden wohl gebührendes Interesse bei den östlichen Nachbarn wecken (Taxe 6.000 EUR). Letztgenannte Arbeit war ursprünglich ein Plakatentwurf für die Reiterarmee im russischen Bürgerkrieg. Wem an preiswerten Stücken von einem prominenten Künstler gelegen ist, dem bietet sich die Chance, bei den drei Bleistiftzeichnungen Carl Spitzwegs mitzubieten und vielleicht ein Schnäppchen für einen echten Spitzweg zu landen (Taxen zwischen 400 bis 800 EUR).

Gemälde 15. bis 18. Jahrhundert

Wer einen Claude Joseph Vernet bei sich zu Hause hängen möchte, muss im nachfolgenden Abschnitt aufpassen. Bei den Gemälden des 15. bis 18. Jahrhunderts wird eine „Hafenszene bei aufgehender Sonne“ in der Art des französischen Malers feilgeboten. Da das Ölbild nur in künstlerischer Entsprechung zu dem berühmten Rokokomeister entstand, ist es auch nicht so hoch bewertet wie originale Werke. Man muss dafür nur rund 25.000 Euro aufbringen. Das Spektrum dieses Kapitels unterstreichen völlig unterschiedliche Sujets wie beispielsweise eine „Ideale Flusslandschaft“ aus dem Jahr 1760 von Christian Georg Schütz (Taxe 20.000 EUR), das „Stillleben mit Erdbeeren in einer Porzellanschale“ samt geschälter Zitrone und Trauben, das Johannes Borman zugeschrieben wird (Taxe 13.000 EUR), die Genreszene „Soldaten am Spieltisch“ wohl von Jacob Duck (Taxe 18.000 EUR), das packende Seestück „Segelschiffe auf stürmisch bewegter See“, diesmal Bonaventura Peeters zugeschrieben (Taxe 6.000 EUR), oder zwei in das Ende des 15. Jahrhunderts datierte süddeutsche Altartafeln mit dem Heiligen Antonius und einem Bischof vor goldenem Hintergrund (Taxe 10.000 EUR).

Gemälde 19. und 20. Jahrhundert

Zu den Dominanten bei den Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts zählen die Bilder des in Odessa gebürtigen Malers Franz Roubaud, dessen Werke in den vergangenen Monaten vielfach sehr erfolgreich auf Auktionen angeboten wurden. Vor Jahren waren seine zur Illustration von Karl May-Romanen dienlichen Gemälde fast nicht bei Versteigerungen zu finden. Jetzt tauchen sie zuhauf bei Neumeister auf, überschwemmen den Markt, werden aber auch begierig von russischen Käufern absorbiert. Unter den vier Bildern ist das Ölgemälde „Tscherkessen beim Überqueren eines Flusses im Kaukasus“ nicht nur farblich und formal das mit Abstand gelungenste, sondern auch mit 28.000 Euro Taxe das am höchsten bewertete. Die drei anderen Motive bewegen sich zwischen 1.500 und 9.000 Euro. Roubaud wird nicht nur allein die Herzen der Russen höher schlagen lassen. Dies wird auch Adolf Baumgartner-Stoiloff mit seinen „Kosakenreitern im Angriff“ tun, die mit 22.000 Euro ebenfalls zu den am höchsten bewerteten Losen dieser Auktion gehören.

Mehr von lokalhistorischer Bedeutung sind die Werke des bayerischen Malers Heinrich Adam, dem eine Ansicht des Schlosses Hohenschwangau zugeschrieben wird. Das Motiv ist von 14 weiteren detaillierten Schilderungen der bayrischen Bergwelt umgeben (Taxe 8.000 EUR). Das Treiben in einer typisch bayerischen Wirtsstube kann auf einem Gemälde von Lorenzo Quaglio II. aus dem Jahr 1835 besichtigt werden. Ob der Anblick eines stürzenden Zechers jemandem 22.500 Euro wert sein wird, bleibt abzuwarten. Mit 20.000 Euro nur unwesentlich geringer ist dagegen ein humorvolles Porträt eines Mönches angesetzt, den Eduard von Grützner bei der Weinprobe gemalt hat. Durstig werden kann man schon beim Anblick eines Bildes von Johann Adam Klein. Im Jahr 1864 malte er einen verunglückten Biertransport vor den Toren Münchens. Mit der Stadtsilhouette im Hintergrund erleidet ein Fasswagen einen Achsbruch und das Bier schäumt über. Für diesen Appetitanreger erwarten die Experten bei Neumeister treffsicher einen Erlös von 25.000 Euro.

Auch in dieser Gruppe bieten sich Chancen für Bieter, die Bilder berühmter Maler für relativ günstige Beträge erwerben wollen. Eine bacchische Szene mit dem Gott auf dem Pegasus aus dem Jahr 1847 ist mit 8.000 Euro gelistet. Die leider etwas beschädigte Ölskizze von Anselm Feuerbach ist bereits in der Fachliteratur erwähnt. Der in diesem Jahr mit einer großen Ausstellung in München geehrte Maler Franz von Lenbach ist mit einem vollgültigen Herrenporträt zu 1.500 Euro präsent. Dem Deutschrömer Eduard Julius Friedrich Bendemann ist das Ölgemälde „Gefangene Juden in Babylon“ zugeschrieben, das eine verkleinernde Wiederholung seiner Arbeit im Kölner Wallraf-Richartz-Museum darstellt (Taxe 12.000 EUR). Acht Bilder des Münchener Malers Josef Wenglein mit Landschaftsmotiven bilden den Abschluss der Auktion. Sie sind zwischen 1.000 und 14.000 Euro bewertet.

Die Auktion beginnt am 1. Dezember um 9:30 Uhr. Bis zum 29. November besteht die Möglichkeit zur Vorbesichtigung. Der Katalog ist im Internet unter www.neumeister.com abrufbar.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



29.11.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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01.12.2004, Kunstauktion und Varia-Auktion

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Bei:


Neumeister Münchener Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG

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Anthoine(?) Arlaud, Halsuhr, Genf, 1. Drittel des 17. Jahrhunderts

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Johann Baptist Straub,  Zwei Engel, um 1750

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Poudreuse, Paris, Mitte des 18. Jahrhunderts

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Meister C.S., Zunftpokal, Speyer, um 1624/26

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