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Neueröffnung des Leipziger Museum der Bildenden Künste

Monolith in Restbebauung



einer der Lichthöfe des neuen Museums für Bildende Kunst Leipzig

einer der Lichthöfe des neuen Museums für Bildende Kunst Leipzig

Etwas nackt steht er schon da, der Neubau des Leipziger Museums der Bildenden Künste am zentral gelegenen Sachsenplatz. Eigentlich als gläserner Monolith in der steinernen Stadt geplant, fehlt dem 36 Meter hohen, 78 Meter langen und 41 Meter tiefen ersten Museumsneubau in Ostdeutschland noch die Fassadenverglasung aus semitransparentem Glas. Nach diversen technischen Problemen will sich das Berliner Architektenteam Hufnagel Pütz Rafaelian jetzt bis zum Frühjahr 2005 bemühen, für den 75 Millionen Euro-Bau eine praktikable Lösung zu präsentieren. Bis dahin müssen die Leipziger und ihre Besucher einmal mehr mit der altbekannten Plattenbauästhetik Vorlieb nehmen. Im Volksmund haben sich daher bereits Bezeichnungen wie „Klotz“, „Bunker“ oder „Parkgarage“ etabliert.


Dennoch, das „Bildermuseum“, wie die Leipziger ihr Kunstmuseum fast liebevoll bezeichnen, dürfte die größte sächsische Stadt in Zukunft zu einem Anziehungspunkt für Kunstinteressierte aus dem In- und Ausland machen. 61 Jahre nach der Zerstörung des Vorgängerbaus im Zweiten Weltkrieg und Interimslösungen erhält das Leipziger Museum der Bildenden Künste jetzt endlich wieder ein eigenes Haus, auch wenn die Dominanz der Architektur die Kunst manchmal in Bedrängnis bringt. 7.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, davon 1.400 Quadratmeter Wechselausstellungsfläche im Untergeschoss, stehen Direktor Hans-Werner Schmidt und seinem Team für die Präsentation einer Sammlung zur Verfügung, die von Meister Franckes ausgemergeltem „Schmerzensmann“ von 1425 bis hin zu DDR-Größen wie Mattheuer, Tübke und Heisig und gefeierten Gegenwartsstars wie Neo Rauch oder Daniel Richter reicht.

Ein Blick zurück in die Geschichte: Während das nahe Dresden bis heute vom Glanz seiner fürstlichen Sammlungen geprägt wird, sind die Leipziger stolz auf ihr städtisches Bürgermuseum. Seit der Gründung des Kunstvereins 1837 und dank des frühen Engagements kunstsinniger Bürger und Kaufleute konnte bereits im 19. Jahrhundert eine beachtliche öffentliche Sammlung zusammentragen werden. Statt oftmals eher langweiliger, fürstlicher Repräsentationsbildnisse sammelten aufgeklärte Leipziger Bürger Porträts, Bilder aus dem Alltagsleben, Landschaften oder Stillleben im Kabinettformat. Andachtsbilder altdeutscher und altniederländischer Meister wie Lucas Cranach d. Ä. und d. J., Hans Baldung Grien oder Rogier van der Weyden bilden den Grundstock des Bildermuseums. Wer in der Folge einen kompletten kunsthistorischen Parcours durch alle Epochen erwartet, sollte nicht enttäuscht sein. Die Leipziger haben längst nicht alles, was man vielleicht anderswo sieht. Es gibt auch historisch bedingte Lücken und Leerstellen in der Sammlung. Doch mit den Pfunden, die sie haben, können sie wuchern.

Zum Beispiel mit Glanzlichtern des Symbolismus wie Arnold Böcklins düster-bedrohlicher „Toteninsel“ von 1886 und Meisterwerken der deutschen Romantik wie Caspar David Friedrichs allegorischem Stimmungsbild „Lebensstufen“ aus dem Jahr 1834. Den berühmten Söhnen der Stadt - wie Max Klinger und Max Beckmann - sind gleich ganze Säle gewidmet. Von außen betrachtet, fragt man sich allerdings, warum Klingers pathetisch-monumentale und aufwändig restaurierte Großplastik „Beethoven“ von 1902 in nahezu tempelartig-weihevoller Atmosphäre zelebriert werden muss. Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt, der es ansonsten versteht, Dinge gegen den Strich zu bürsten und Neues auf spannende Art mit Altem zu konfrontieren, war hier vielleicht nicht mutig genug.

„Es gibt immer wieder ahistorische Einsprengsel, die den Leuten über das Seherlebnis hinaus auch ein intellektuelles Erlebnis bescheren werden“, betont Schmidt sein Konzept der bewusst inszenierten Diskontinuitäten und Brüche. Da darf etwa Jonathan Meese gegen ein theatralisches Schlachtengemälde vom Rückzug Napoleons nach der verlorenen Völkerschlacht anarbeiten, indem er es zum Bestandteil einer wandfüllenden Collage aus hunderten von Filmpostern, Magazinseiten und Selbstporträts macht. Stephan Huber wiederum entführt den eben noch in Joseph Anton Kochs 1811 gemaltes, alpines Überwältigungsgemälde „Schmadribachfall im Lauterbrunnental“ vertieften Betrachter in einen aseptischen Versorgungsraum. Unter einem gigantischen Bergmassiv pulsiert hier ein kleines, verletzliches Kunststoffherz in einer Glaskammer. Hubers Installation „Saussures Herz“ von 2001 konfrontiert den Besucher mit Fragen der eigenen Existenz und Vergänglichkeit.

Eine weitere Arbeit Hubers befindet sich im Eingangsfoyer des Museums. Statt einer gemeißelten Marmortafel mit den Namen der zahlreichen Stifter schuf der Münchener Künstler sein „Stiftermosaik“. Auf der Grundlage einer Fotomontage verewigt Huber alle wichtigen Stifterpersönlichkeiten vom 19. Jahrhundert bis heute. Besonders hervorzuheben sind Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg, der dem Haus 1996 über 200 Gemälde des 15. bis 19. Jahrhunderts stiftete, und das Sammlerpaar Hans-Peter Bühler und Marion Bühler-Brockhaus, die dem Museum zur Eröffnung 41 Werke französischer Künstler des 19. Jahrhunderts geschenkt haben.

Doch zurück zur Architektur. Das imposante Innere des Museums versöhnt zunächst mit der unvollendeten Hülle. Hier herrschen zurückhaltend edle Materialien wie Eiche, Muschelkalk und Sichtbeton vor und sorgen für eine gedämpfte, fast sakrale Grundstimmung. Äußerst großzügig inszenierte, von den Architekten als „Höfe“ und „Terrassen“ bezeichnete Freizonen jedoch verweisen die Kunst oft in allzu enge Kabinette und verdeutlichen den zum Teil bereits vor Gericht ausgetragenen und weiter schwelenden Konflikt zwischen Bauherrn und Architekten. Diese setzen hier ganz auf „Größenwirkung“ und beharren darauf, „einen angemessen Teil des Gebäudes für die eigene Kunst zu beanspruchen“. Der Forderung des Architektenteams aber, alle Wände weiß zu streichen und damit auch die mittelalterliche Malerei im modernistischen White Cube zu präsentieren, hat sich Hans-Werner Schmidt nicht gebeugt: „Cranach auf Weiß“, sagt er, „ist wie Cranach im Krankenbett“.

Der erste reguläre Öffnungstag des Museums der Bildenden Künste Leipzig ist der 5. Dezember. Geöffnet hat der Neubau am Sachsenplatz dann täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs von 12 bis 20 Uhr. Mehrere Publikationen sind zu Eröffnung erschienen: der 240seitige Kurzführer kostet 12,80 Euro, der Bildband zu den Sammlungen und der Geschichte des Hauses mit 270 Seiten gibt es für 38 Euro und die Veröffentlichung „Von Corot bis Monet. Von Barbizon zum Impressionismus. Katalog zur Schenkung Bühler-Brockhaus“ kostet ebensoviel.

Kontakt:

Museum der Bildenden Künste Leipzig

Katharinenstraße 10

DE-04109 Leipzig

Telefon:+49 (0341) 216 990

Telefax:+49 (0341) 216 99 999



30.11.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Stephan Huber, Saussures Herz (Versorgungsraum), 2002
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Außenansicht des Museums der Bildenden Künste Leipzig

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Stephan Huber, Saussures Herz (Versorgungsraum), 2002

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