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Marktberichte |
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Rückschau: Kunst und Antiquitäten bei Neumeister  Steigerungen auf kleiner Front

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 |  | Eduard Julius Friedrich Bendemann, Eduard Julius Friedrich Bendemann zugeschrieben, Gefangene Juden in Babylon | |
Wer glaubte, die gemäßigten Preisvorgaben der Münchner Dezember-Auktion bei Neumeister mit einer eher heimatlich-bodenständigen Auswahl würden bestenfalls erreicht, eher jedoch unterschritten, sah sich vielen Positionen eines besseren belehrt. Das, was an guter, ausgefallener und interessanter Kunst in den eigenen Landen wirklichkeitsnah vor Jahrzehnten und Jahrhunderten produziert wurde, scheint wieder an Bedeutung zu gewinnen. Und die Kauflaune wird ja gerade eben durch eine niedrige Bewertung der Ware gelockt. Wie sehr die Bieterschaft jedoch auf qualitative Gesichtspunkte Obacht gibt, zeigt die gemäßigt zufrieden stellende Quote von etwas mehr 45 Prozent. 362 von insgesamt 793 Losen gingen in neue Eigentumsverhältnisse über. Die Zuschläge bewegen sich fast ausschließlich im drei- und vierstelligen Preissektor. Die Skala erstreckt sich von 120 Euro bis 44.000 Euro.
Porzellan
Schon der Auftakt beim Porzellan gestaltete sich furios. Eine Meißener Prunkvase mit Platinmalerei, Reliefgold und bunter Emailmalerei mit verspielten Szenen auf dunklem Grund stieg von 300 auf 4.000 Euro. Gleich im Anschluss wurde eine Ziervase aus Sèvres um 1852/54 aufgerufen. Das ovale Stück mit orientalischem Dekor und auffälligen Schwanenhalsgriffen verbesserte sich von 1.200 auf 15.000 Euro!
Silber
Noch höher hinaus ging es im anschließenden Silbersektor beim Zunftpokal der Baumeister. Das 27 Zentimeter hohe Stück des Meisters C.S. aus Speyer um 1624/26 wechselte für 30.000 Euro den Besitzer, 2.000 Euro höher als veranschlagt. Das am zweithöchsten zugeschlagene Stück im Silberabschnitt folgt erst bei der Marke von 7.500 Euro. Dabei handelt es sich um eine Prunkjardinière aus Köln von 1897, die Gabriel Hermeling herstellte und auf 1.000 Euro geschätzt war. Unter den englischen Silberstücken wurde heftig um ein großes Londoner Tablett aus dem Jahr 1781/82 von John Crouch & Thos. Hannam gestritten. Das mit 1.800 Euro taxierte Stück ging schließlich für 4.400 Euro ins Heimatland zurück.
Steigern konnte sich ebenfalls ein um 1690/95 von Christian Hornung II. angefertigter Deckelbecher aus Augsburg. Das Behältnis mit den Architekturlandschaften in Ovalkartuschen kletterte von 2.500 auf 3.300 Euro. Auch im unteren Preisbereich verbesserte sich so manches Stück, wie der schlichte, glatte Faustbecher des Straßburger Meisters Johann Jacob Ehrlen aus dem 2. Viertel des 18. Jahrhunderts, der statt der anvisierten 450 Euro 1.100 Euro erbrachte. Dafür gab es manch prominenten Rückgang, wie das vergoldete und mit bunten Emailplaketten belegte Teekännchen des Augsburgers Tobias Baur von 1705 (Taxe 12.000 EUR).
Schmuck
Unter den Schmuckstücken setzte sich eine kleine Halsuhr aus Genf mit 12.000 Euro an die Spitze. Anthoine Arlaud fertigte im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts das zierliche, aber aufwendig gestaltete Zeitmessgerät. Das Zifferblatt besteht aus einer Architekturlandschaft und wird von einem siebeneckigen, geschliffenen Bergkristallgehäuse mit beidseitig aufklappbaren Deckeln verschlossen. Die mit 2.000 Euro weniger bewertete Uhr ging in den Handel. Dagegen landete das zweitteuerste Schmuckstück, ein Gold-Collier mit mittig eingefügtem Pantherkopf aus Brillanten und Smaragden, punktgenau auf dem Schätzwert von 6.500 Euro.
Skulpturen
Zweimal kam in der Auktion der Höchstwert von 44.000 Euro zustande, das erste Mal bei den Skulpturen, die vom Publikum gut aufgenommen wurden und sich zur Gesamtauktion mit einer über 60prozentigen Zuschlagsquote besser verkaufen ließen. Das geflügelte Puttenpaar auf Wolken samt Sockelböcken von Johan Baptist Straub aus der Zeit um 1750, die vermutlich zum Bestand eines Altarwerks gehörten, konnte so den angepeilten Wert von 24.000 Euro annähernd verdoppeln. Wie hoch insbesondere Bildwerke deutscher, österreichischer und französischer Spätgotik im Kurs waren, beweisen unter anderem die erzielten 21.000 Euro für das bunt gefasste Relief mit der Darstellung eines Leichenzuges mit einem unbekannten Bischof (Taxe 14.000 EUR), die 13.000 Euro für eine aus Salzburg oder Tirol stammende Statue eines stehenden Abtes oder Diakons aus dem 15. Jahrhundert (Taxe 8.000 EUR) oder das Ergebnis von 12.000 Euro für die um 1500 geschnitzte Skulptur der Heiligen Anna, die Maria das Lesen lehrt (Taxe 3.500 EUR).
Auffällig war auch, wie begehrt Bronzen russischer Bildhauer des 19. Jahrhunderts waren. Die detailliert ausgearbeitete Bronze einer Hasenjagd aus der Produktion von C.F. Woerffel in St. Petersburg nach dem Entwurf von Nikolai Iwanowitsch Lieberich ging für 7.500 Euro ins Ausland (Taxe 1.200 EUR). Ein Ochsengespann aus der selben Gießerei, gefertigt im Jahr 1870 und signiert von Jewgenij Alexandrowitch Lanceray, errang 5.000 Euro, 500 Euro mehr als geschätzt.
Möbel und Tapisserien
Bei den Möbeln katapultierte sich eine zierliche, extrem gebauchte und nach oben stark verjüngte, norddeutsche Kommode aus der Mitte des 18. Jahrhunderts mit 8.800 Euro an die Spitze (Taxe 3.500 EUR), gefolgt von einer zeitgleich in Frankreich gefertigten Kommode von erheblich mehr Eleganz und weniger Formextremen, die auf 7.000 Euro kam (Taxe 6.000 EUR). Auch italienische Möbel erfreuten sich der Beliebtheit der Käufer. Eine Kommode aus fürstlichem Besitz mit dem typisch italienisch-klassizistischen Dekor des 18./19. Jahrhunderts erzielte mit 6.500 Euro genau den Taxwert, während sich zwei toskanische Scherenstühle aus dem 16. Jahrhundert jeweils von 1.000 Euro auf 4.400 Euro steigerten. Bis auf eine Ausnahme konnten sich wertmäßig alle fünf verkauften der sechs französischen Tapisserien verbessern. Mit 11.000 Euro setzte sich ein großer textiler Wandbehang aus dem Ende des 17. Jahrhunderts mit Diana und ihren Gefährtinnen an einem Brunnen an die Spitze (Taxe 6.000 EUR).
Grafiken
Das nächste große Kapitel setzte sich aus Grafiken zusammen. Den Spitzenzuschlag in Höhe von 34.000 Euro verzeichnete hier nach einem langen Bietgefecht ein zwischen 1907 und 1927 entstandenes Skizzenbuch von Anna Peters. Die Sammlung von rund 370 Aquarellen und Zeichnungen, vorwiegend Naturstudien der Baden-Württembergerin, steigerte sich um das Siebenfache: erwartet wurden für das Konvolut lediglich 5.000 Euro. Kurz zuvor war bereits mit der Gouache aus dem 19. Jahrhundert von Johann Baptist Pflug, die einen Panoramablick auf Biberach an der Riß freigibt, bei 24.000 Euro ein hoher Zuschlag gesetzt worden (Taxe 20.000 EUR). 4.300 Euro erzielte dann Wilhelm Kuhnerts eher unspektakuläres Aquarell „Nashorn in der Steppe“, das mit 1.500 Euro im Katalog verbucht war.
Einem historisch interessierten Bieter war die Gouache eines unbekannten Künstlers mit dem Attentat auf Zar Alexander II. aus dem Jahr 1881 3.300 Euro wert (Taxe 1.500 EUR). Große kunsthistorische Bedeutung besitzt die Friedrich Sustris zugeschriebene Zeichnung für ein nicht ausgeführtes Kuppelprojekt in St. Michael in München aus der Zeit um 1590/93. Für 3.200 Euro erwarb es die Vereinigung der Freunde der Staatlichen Graphischen Sammlung in München (Taxe 2.500 EUR). Und der fesche „Ferdinand Fürst Kinsky“ in Uniform, einer der Gönner Ludwig van Beethovens, gemalt wohl von Carl Josef Alois Agricola, nahm die Kunstfreunde für sich ein, die anstatt 1.800 Euro letztendlich dann 2.800 Euro ausgaben.
Gemälde Alter Meister
Mit 18.000 Euro startete die Auktion in den Altmeisterabschnitt der Gemälde. Dem Johannes Borman zugeschriebenen, feinen „Stillleben mit Erdbeeren“ (Taxe 13.000 EUR) folgte das für den gleichen Preis das „Epitaphbild für Jorge (Georg) von Miltitz“ von Lucas Cranach d.J., das mit 17.000 EUR taxiert war. Von den zwei Ölgemälden Ferdinand Kobells konnte lediglich die 1775 gemalte „Felslandschaft mit ziehenden Bauern“ zum Schätzpreis von 10.000 Euro abgegeben werden. Auf international reges Interesse stieß ein Stifterbild aus der Mailänder Schule um 1500, das mit Ambrogio da Fossano, gen. il Bergognone, in Verbindung gebracht wird. Die Temperadarstellung der einem knienden Stifter erscheinendem Maria mit dem Kind erzielte 18.000 Euro (Taxe 10.000 EUR). Das gleiche Resultat erzielten zwei zudem noch gleich hoch bewertete, spätgotische Altartafeln aus Süddeutschland mit dem Heiligen Antonius und einem Bischof.
Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts
Zum Auftakt der Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts stand der Verkauf einer Ansicht des Schlosses Hohenschwangau an, die von 14 weiteren Detailstudien umgeben ist. Dies dem Ansichtenmaler Heinrich Adam zugeschriebene Ensemble sorgte mit 15.000 Euro einleitend für gute Stimmung (Taxe 8.000 EUR), die sich sogleich auf das Bietgebahren bei den „Zwei Kätzchen im Korb“ von Julius Adam übertrug. Das anmutige Ölgemälde stieg von 7.000 Euro auf 12.000 Euro.
Nur wenige Lose später erfolgte der zweite Topzuschlag des Tages bei 44.000 Euro für eine Variante der Darstellung der „Gefangenen Juden in Babylon“, die dem Nazarener Eduard Julius Friedrich Bendemann zugeschrieben wird (Taxe 12.000 EUR). Es ist die verkleinerte Wiederholung eines Gemäldes, das im Kölner Wallraf-Richartz-Museum hängt. Nach dem bekannten Düsseldorfer Maler Bendemann folgt mit Michael Neher ein bekannter Münchener, der 1856 das „Rheinufer in Boppard“ festhielt. Von 14.000 Euro kletterte es auf 26.000 Euro. Aus München stammt auch Max Joseph Wagenbauer, dessen „Hirte mit zwei Kühen und einer Ziege“ an einem See im Vorgebirge von 5.000 auf 16.000 Euro stieg. Zu den besonders stimmungsvollen Bildern zählte das Gemälde „Venedig - Canal Grande“ des Spaniers Rafael Senet y Pérez, das für 20.000 Euro seinen Weg nach England antrat (Taxe 12.000 EUR).
Gute Ergebnisse waren bei den Gemälden von Franz Roubaud fast schon vorprogrammiert. Doch die Spitzenpreise aus den vergangenen Auktionen wurden nicht mehr bewilligt. Während seine „Tscherkessen beim Überqueren eines Flusses im Kaukasus“ bei einem Zuschlagswert von 24.000 Euro Einbußen von 4.000 Euro hinnehmen mussten, steigerten sich die reitenden „Tscherkessen im Kaukasus“ von 9.000 Euro auf 27.000 Euro deutlich.
Alle Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.
|  | Kontakt: Neumeister Münchener Kunstauktionshaus Barer Straße 37 DE-80799 München |
 | Telefax:+49 (089) 23 17 10 55 | Telefon:+49 (089) 231 71 00 |  |  | E-Mail: auctions@neumeister.com |
19.01.2005 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 10 | Seiten: 1 • 2
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (7) |  | •  | Veranstaltung vom:
01.12.2004, Kunstauktion und Varia-Auktion |  | •  | Bei: Neumeister Münchener
Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG |  | •  | Bericht: Für die russische Klientel
|  |  | •  | Kunstwerk:  Anna Peters, Skizzenbuch |  | •  | Kunstwerk:  Johannes Borman zugeschrieben, Stillleben mit Erdbeeren in einer Porzellanschale |  | •  | Kunstwerk:  Friedrich Sustris zugeschrieben, Kuppelprojekt für St.
Michael München |  |  | •  | Kunstwerk:  Meister C.S., Zunftpokal, Speyer, um 1624/26 |  | •  | Kunstwerk:  Anthoine(?) Arlaud, Halsuhr,
Genf, 1. Drittel des 17. Jahrhunderts |  | •  | Kunstwerk:  Johann Baptist Straub, Zwei Engel, um 1750 |  |  |
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 Johann Baptist
Straub, Zwei Engel,
um 1750 |  | Taxe: 24.000,- EURO Zuschlag: 44.000,- EURO Losnummer: 220 |  |  |  |  |  | 
 Meister C.S.,
Zunftpokal, Speyer,
um 1624/26 |  | Taxe: 28.000,- EURO Zuschlag: 30.000,- EURO Losnummer: 25 |  |  |  |  |  | 
 Johannes Borman,
Johannes Borman
zugeschrieben,
Stillleben mit
Erdbeeren in einer
Porzellanschale |  | Taxe: 13.000,- EURO Zuschlag: 18.000,- EURO Losnummer: 458 |  |  |  |  |  | 
 Anthoine(?) Arlaud,
Halsuhr, Genf, 1.
Drittel des 17.
Jahrhunderts |  | Taxe: 10.000,- EURO Zuschlag: 12.000,- EURO Losnummer: 168 |  |  |  |  |  | 
 Friedrich Sustris
zugeschrieben,
Kuppelprojekt für
St. Michael München |  | Taxe: 2.500,- EURO Zuschlag: 3.200,- EURO Losnummer: 372 |  |  |  |  |  | 
 Anna Peters,
Skizzenbuch |  | Taxe: 5.000,- EURO Zuschlag: 34.000,- EURO Losnummer: 442 |  |  |
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