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Marktberichte |
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Skulpturen im Wiener Dorotheum  Von Heiligen, Aposteln und Jünglingen

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 |  | Torso eines jungen nackten Mannes, Toskana, 15. Jahrhundert | |
Schon in der Antike waren Marmorstatuen von nackten Jünglingen beliebt. In Griechenland wurden Kuroi meistens als Weihegeschenke am Friedhof aufgestellt. Während des römischen Reiches zierten sie die Gärten und Plätze der Römer. Die Renaissance entdeckte das Klassische Altertum wieder, und die Bildhauer ahmten Kunstwerke in diesem Stiel nach. Aus dieser Zeit stammt auch der toskanische Marmortorso, der am 4. Oktober im Wiener Dorotheum für 40.000 bis 45.000 Euro zur Auktion gelangt. Ursprünglich stand der Kuros mit seinem rechten Bein nach vorne, um das sich eine Schlange windet. Die Brust- sowie Bauch und Rückenmuskulatur sind genau ausgearbeitet, wobei einige Partien durch Senkungen nicht besonders plastisch wiedergegeben sind. Wen der Kuros darstellt oder in welchem Zusammenhang ist durch die Fragmentierung nicht mehr auszumachen.
Ein weiteres Spitzenstück im Dorotheum ist das Portalrelief „Hl. Georg“ aus Genua, das wohl die lombardische Künstlerfamilie Gagini am Ende des 15. Jahrhundert gestaltet hat. In der Mitte des beinahe zwei Meter langen Marmorbildes kämpft noch in spätgotischen Formen der Märtyrer auf seinem Pferd gegen den Drachen, der sich mit offenem Maul vor ihm erhebt. Flankiert wird die wilde Szene von Engelsbüsten, die auf Helmen stehen und wahrscheinlich einen Baum in den Händen halten. Unter den mit Heraldik verzierten Helmen ist jeweils ein Schild mit einem stehenden Adler angebracht. Über dem heiligen Georg und dem Drachen schweben zwei Engel, die einen Lorbeerkranz mit einer Krone und dem Monogramm DhO, das auf das Geschlecht der Dorias hinweisen könnte, halten (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR).
Für einen Wasserspeier aus dem 14. Jahrhundert möchte das Wiener Dorotheum 30.000 bis 32.000 Euro sehen. Die 95 Zentimeter hohe Steinskulptur, die einen hockenden Drachen mit angelehnten Flügeln darstellt, zierte ursprünglich eine Kathedrale in Nordfrankreich. Eine weitere, ältere Skulptur ist eine romanische thronende Madonna aus Umbrien des 13. Jahrhunderts. In strenger Haltung sitzt die Heilige Maria und hält das Jesuskind auf ihrem Schoß, welches ein Buch in der linken Hand hat und die Rechte zum Segnen streckt. Die polychrom bemalte Statue aus Pappelholz soll 30.000 bis 32.000 Euro einspielen.
Aus der Gotik sind wesentlich mehr Kunstwerke im Dorotheum vertreten. Höchstdotiertes Los der Skulpturenversteigerung am 4. Oktober ist die Lindenholzstatue „Hl. Michael“, die von einem Ulmer Meister um 1490 geschnitzt wurde. Der Erzengel steht in bewegter Haltung auf einem Sockel. Der rechte Arm ist zum Ausholen über den Kopf gebeugt und der Linke nach vorne gestreckt. Die leicht Faustbildung der Hände deutet auf ein ursprüngliches Halten von Schwert und Waage hin. Um seine Lockensträhnenfrisur trägt er einen feingliedrigen Reifen. Die zahlreichen kantigen Falten des Mantels und des Untergewandes sind typische Stilmerkmale der Gotik (Taxe 60.000 bis 65.000 EUR). Ein weiteres Highlight aus der gotischen Zeit ist das polychrom bemalte Reliefbild „Madonna mit Kind“ aus dem 15. Jahrhundert. Die Muttergottes bekleidet mit Untergewand und Mantel, schaut mit lieblichem Blick ihrem Sohn in die Augen, wobei sich ihre Nasen berühren, und hält ihn mit beiden Händen fest. Das Jesuskind versucht zu stehen und umarmt seine Mutter um den Hals. Den Hintergrund des kleinformatigen Tonbildes verschönern zwei Cherubine, die erst später angebracht worden sind und wohl aus dem Umkreis des Desiderio da Settignano stammen. Die beiden Hauptfiguren sind der Werkstätte des „Buggianers“ Andrea di Lazzaro Cavalcanti zuzuschreiben (Taxe 50.000 bis 55.000 EUR).
Ein etwas jüngeres Reliefbild ist „Madonna mit Kind auf einem Thron“, das laut Gutachter Gaudenz Freuler eine Stuckarbeit von Antonio Rossellino ist. Jedoch lassen die feinen Gesichtszüge auch auf eine Arbeit des Künstlers Desiderio da Settignano schließen. Die Madonna im Halbprofil hält sitzend das Jesuskind auf ihrem Schoß, das ihre Hand umschließt. Den Hintergrund füllen Girlanden und ein Tondo mit einer Darstellung des heiligen Georg. Ein originaler Renaissancerahmen mit Akanthusblätter und Ornamente umgibt das polychrom bemalte Bild (Taxe 36.000 bis 40.000 EUR). Zum Gebote kommt auch das gotische Relief „Abschied der Apostel“, das wahrscheinlich vom linken Flügel eines Altars stammt. Im Vordergrund füllt Andreas aus einer Quelle sein Trinkgefäß, neben ihm steht Petrus und stützt sich auf einem Stock. Links und rechts stehen je zwei Aposteln in lockigen Haaren und faltigen Gewändern, die sich verabschieden. In der Ferne gibt eine hügelige Landschaft eine Burg auf einem Berg frei. Das Holzbild, das um 1470 bis 1480 von einem Unterinntaler Bildhauer angefertigt wurde, ist auf 25.000 bis 30.000 Euro veranschlagt.
Ins Barock verweist dann der „Hl. Petrus“ von Hans Spindler aus dem 17. Jahrhundert. Der Apostel mit braunen, runden Bartlocken hält in der rechten Hand die beiden Schlüssel des Himmelreichs, seine Linke hat er nach außen gedreht. Bekleidet ist er mit einem vergoldeten Unterkleid und Mantel, die nun der Epoche entsprechend mehr plastische Falten bilden. Spitzenlos aus dem Barock sind zwei sitzende Engel mit Flügeln des Mondsee-Bildhauers Johann Meinrad Guggenbichler. Die wohlbeleibten, ein wenig träge blickenden Engel haben ihre Arme ausgebreitet und sind mit einem vergoldeten Lendenschurz bekleidet. Charakteristisch für den österreichischen Bildhauer sind die Grübchen in den Wangen seiner Holzskulpturen (Taxe 36.000 bis 55.000 EUR).
Ein hochdotiertes Exemplar ist eine Büste eines römischen Imperators aus dem 18. Jahrhundert auf einem runden Sockel. Der Herrscher mit gewellten Locken und Bart blickt mit einem strengen Blick nach unten. Um den Hals hat er einen Umhang aus ägyptischen Breccia Corallino geschlagen. Kopf und Hals sind aus rotem Porphyr (Taxe 20.000 bis 22.000 EUR). Den Schätzpreis verbessern könnte am 4. Oktober ebenfalls eine böhmische Gnadenmadonna aus dem 18. Jahrhundert. Die Muttergottes steht mit einem ausgebreiteten, blau lasierten Umhang auf einer Wolke und hält in der linken Hand das Jesuskind während ihre rechte Hand nach außen gestellt ist. Neben den reich verzierten Gewändern tragen beide Figuren eine goldene Krone auf den Kopf (8.000 bis 9.000 EUR).
Die Auktion beginnt am 4. Oktober um 14:30 Uhr. Bis zum Auktionsbeginn ist die Vorbesichtigung täglich von 10 bis 18 Uhr, am 1. Oktober von 9 bis 17 Uhr und am 2. Oktober von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Katalog ist im Internet unter www.dorotheum.com abrufbar.
|  | Kontakt: Dorotheum Dorotheergasse 17 AT-1010 Wien |
 | Telefon:+43 (01) 515 60 0 | Telefax:+43 (01) 515 60 443 |  |  | E-Mail: client.services@dorotheum.at |  | Startseite: www.dorotheum.com |
29.09.2005 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Maja Szerbinski |  |
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 |  | Weitere Inhalte: |  | •  | Veranstaltung vom: 04.10.2005,
Skulpturen |  | •  | Bei: Dorotheum
|  | •  | Kunstwerk:  Torso eines jungen nackten Mannes, Toskana,
15. Jahrhundert |  |  | •  | Kunstwerk:  Werkstätte Andrea di Lazzaro Cavalcanti, Madonna mit
Kind, Florenz um 1450 |  | •  | Kunstwerk:  Heiliger Michael, Ulm, um 1480 |  | •  | Kunstwerk:  Büste eines römischen Imperators, Rom Ende 18. Jahrhundert |  |  | •  | Kunstwerk:  Gagini zugeschrieben, Hl. Georg im Kampf mit dem Drachen, Genua 15. Jahrhundert |  | •  | Kunstwerk:  Abschied der Apostel, Unterinntaler Bildhauer, um
1470/80 |  | •  | Kunstwerk:  Hans Spindler, Heiliger Petrus, um 1630 |  |  |
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 Abschied der
Apostel,
Unterinntaler
Bildhauer, um
1470/80 |  | Taxe: 25.000 - 30.000 EURO Losnummer: 62 |  |  |  |  |  | 
 Werkstätte Andrea di
Lazzaro Cavalcanti,
Madonna mit Kind,
Florenz um 1450 |  | Taxe: 50.000 - 55.000 EURO Losnummer: 107 |  |  |  |  |  | 
 Rom, Büste eines
römischen
Imperators, Rom Ende
18. Jahrhundert |  | Taxe: 20.000 - 22.000 EURO Losnummer: 189 |  |  |  |  |  | 
 Heiliger Michael,
Ulm, um 1480 |  | Taxe: 60.000 - 65.000 EURO Losnummer: 162 |  |  |  |  |  | 
 Genua, Gagini
zugeschrieben, Hl.
Georg im Kampf mit dem
Drachen, Genua 15.
Jahrhundert |  | Taxe: 50.000 - 60.000 EURO Losnummer: 196 |  |  |  |  |  | 
 Hans Spindler,
Heiliger Petrus, um
1630 |  | Taxe: 15.000 - 20.000 EURO Losnummer: 79 |  |  |
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